Individual-WM 2003 - Birmingham

28. Juli bis 3. August, National Indoor Arena

   

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Spielen der Deutschen.

      

   

Birmingham Backstage

Überall the same
(3.8.) Ernüchternd ein Blick in die Sonntagsausgabe der im Hotel ausliegenden Zeitung THE INDEPENDENT. Beim Durchblättern des Zeitungsteils „Sportfirst“, begegnet dem Leser auf Seite 1 Cricket, auf Seite 2 Cricket, auf Seite 3 Cricket, auf Seite 4 ein Bericht über Nachwuchssportler aus ethnischen Gruppen, auf den Seiten 5, 6 und 7 Fussball, auf Seite 8 Personality, auf Seite 9 Formel 1 und Frauengolf, Frauencricket und Segeln, Pferderennen, Rugby und Kurzmeldungen (Radfahren, Golf, Cricket, Pferderennen) und auf Seite 10 Personalitystories zu Cricket und Fussball. Doch dann: Auf der ganzseitigen Resultsseite werden auch die Halbfinalspiele der Worldchampionships Badminton erwähnt. Jedenfalls drei davon: Herrendoppel, Dameneinzel und Damendoppel. Auf die beiden übrigen Disziplinen hat man verzichtet, ebenso blieb unberücksichtigt, dass in einem Semifinale üblicherweise zwei Spiele stattfinden.

Auch in der fast fünfzehnminütigen Sportzusammenfassung im Frühstücksprogramm des Fensehens kommt der Endspieltag der Badminton-WM nicht vor. Doch beim Kofferpacken schreckt der deutsche Inselbesucher doch noch zusammen. Plötzlich fliegen Federbälle über den Bildschirm. In einem längeren Bericht über eine Schulsportwettbewerb, der anscheinend unserem „Jugend trainiert für Olympia“ entspricht, kommt ein Schoolgirl vom Court vor die Kamera und erklärt der Nation begeistert, dass sie es ganz, ganz toll finde, hier und heute Badminton zu spielen.

Kim Dong-Moon erhielt Journalistenpreis
(3.8.) Die Vereinigung der Internationalen Badminton Journalisten hat dem koeranischen Superstar Kim Dong-Moon (Foto) ihren Preis als Spieler des Jahres verliehen. Er folgt damit Poul-Erik Hoyer Larsen, der vor zwei Jahren in Sevilla den erstmals verliehenen Preis erhalten hatte. Künftig soll die Auszeichnung jährlich vergeben werden. Ausserdem soll der Rookie (Aufsteiger) des Jahres bestimmt werden. Für jenen Preis sollen jene U-21-Spieler in Frage kommen, bei denen die größten Fortschritte in der Weltrangliste erkennbar sind. Weiterhin soll das Turnier mit den besten Arbeitsbedingungen für Medienvertreter ausgezeichnet werden.

Super Series soll kommen
(2.8.) Eine fernsehträchtige Turnierserie oberhalb der Grand-Prix-Turniere schwebt seit Jahren in den Köpfen der IBF-Offiziellen herum. Die Ausführung nimmt konkreten Formen an –  nicht allerdings die Finanzierung.

Sechs Turniere sollen zusammengefasst werden: England, Dänemark, Malaysia, Indonesien, China und Korea. Alles Sechs-Sterne-Turniere. Dafür wird nun ein Sponsor gesucht der bereit ist, für drei Jahre 12 Millionen Dollar hineinzupumpen. Mit der Suche ist ein Agenturen-Konsortium beauftragt. Gedacht ist an einen Global Player, der in den genannten Ländern Absatzmärkte sieht.
Da nicht zu erwarten ist, dass in den einzelnen Ländern das Fernsehen die notwendigen Übertragungen finanziert, sollen die Produktionskosten für eine Fernsehausstrahlung von der IBF getragen werden, dass heißt, sie müssen im auszuhandelnden Budget des Sponsors enthalten sein.
      

     

Oldies WM jährlich

(2.8.) Wie IBF-Generalsekrtär Neil Cameron mitteilt, soll es künftig in jedem Jahr eine Veteranen-Weltmeisterschaft geben, nur in jenen Jahren nicht, in denen die World Masters Games stattfinden. Die nächste WM soll 2004 in Asien stattfinden. 2005 sind die naechsten der im dreijährigen Rhythmus stattindenden World Masters Games vorgesehen. 2006 wäre dann wieder für einen europäischen Ausrichter die Möglichkeit gegeben, allerdings ist von Seiten der IBF gewünscht, dass die Veranstaltung durch die Welt reist.

        

Thomas- und  Uber Cup in Indonesien und Japan

(2.8.) Die beiden nächsten Ausrichtungen für den Thomas- und Uber Cup wurden vergeben. 2004 werden die Mannschaftsweltmeisterschaften der Herren und der Damen  in Jakarta stattfinden, 2006 ist dann die japanische Hauptstadt Tokio der Gastgeber. Als Termin für 2004 ist Mai vorgesehen, am internationalen Terminplan für 2006 wird zur Zeit noch gebastelt.

Die Teilnehmerzahl wird künftig von acht auch 12 Nationen erhöht. Nutznießer sollen die Kontinentalverbände sein, die künftig jeder mindestens einen Vertreter entsenden.

     

Torsten Berg für IOC-Kontakte zuständig

(2.8.) Nachdem eine der wichtigsten Positionen in der IBF-Führung nach der Entfernung von Tom Bacher aus der IBF-Führungsspitze unbesetzt war, wurde jetzt EBU-Präsident Torsten Berg (Dänemark) als Kontaktmann zum IOC (und zur UNO) bestimmt. Er ist der einzige Europäer, der nun ein Komitee leitet. Die übrigen sind mit Asiaten besetzt. Marketing & Entwicklung: Punch Gunalan (Malaysia), Finanzen & Verwaltung: Tong Wai Lun (Hongkong), Turniere & Regularien: Charoen Wattanasin (Thailand).

Camilla auf Lenes Spuren 

(2.8.) „Das war meine letzte Weltmeisterschaft“, erklärte Camilla Martin nach der Niederlage gegen Zhang Ning. „Ich spiele noch bis zu den Olympischen Spielen, dann ist Schluss. Soll sich in Zukunft jemand anderes darum kümmern, dass nicht vier Chinesinnen m Halbfinale stehen.“ Auf die Frage, ob sie denn jemanden sehe, der das sein könne, antwortete sie mit einem vernichtenden Urteil über die nachfolgenden beiden Generationen. Ich sehe für die nächsten zehn Jahre niemanden in Europa.“

Dieser Verabschiedung erinnerte ein wenig an ihre große dänische Vorgängerin Lene Köppen, die 1977 auch mal Weltmeisterin geworden. Als plötzlich bei den All England 1981 unvermittelt die Koreanerin Sun Ai Hwang auftauchte und wie von einem anderen Stern alles in Grund und Boden spielte, gab sie ebenfalls resigniert ihren Abschied bekannt. Glücklicherweise haben dann Camilla und auch Susi Susanti, aus dem heute bei den Damen ebenfalls dahindümpelnden Indonesien bewiesen, dass es doch möglich ist, den Chinesinnen Parodie zu bieten. Wenn es nicht nur immer so viele und dauernd andere wären.

 

No Badminton

(1.8.) Die Pekinger Olympiamacher verteilten im Pressezentrum Werbematerialien für den Sportstandort Peking. Das aufwendig produzierte Buch bildet die  zahlreichen Sportmöglichkeiten ab, die die Pekinger Stadtverwaltung ihren Bürgern ermöglicht.

Obwohl 25 Sportarten im Kapitel Wettkampfsport abgebildet sind, sucht man Badmintonspieler vergeblich. Schießen, Frauenfußball, Synchronschwimmen, Radfahren, Ringen, Paragliding und mehr sind vertreten. Sogar so erfolgreiche chinesische Sportarten wie Kugelstoßen oder Tennis wurden vom Layouter ausgewählt. Federbälle fliegen nirgends herum, genauso wenig wie im Kapitel Massensport. Dort sind neben Eistauchern und Rollerskatern immerhin Federfussballer zu finden.

Einen Freudenschlag macht das Herz des Badmintonfreundes allerdings beim Durchblättern des Kapitels über die Pekinger Sportindustrie. Dort hängen hinter einer Tennisbälle anbietenden Verkäufern immerhin Badmintonrackets an der Wand..

 

 

Six Pounds

(1.8.) Darüber, dass die Engländer in Eurozeiten ihre Pfunde pflegen, kann man als Badmintonenthusiast eigentlich nicht lästern, unsere europäische Top-Nation Dänemark ist ja auch nicht besser. Aber wie sehr die Engländer ihre Pfunde beieinander halten, das ist schon ene Zeile wert. Wer in der Indoor Arena sammlergeil auf den Stand mit den Programmheften hinhurried um für sich und seine daheim gebliebenen Clubkameraden ein Erinnerungsstück einzukaufen, prall erschrocken zurück, wenn er im schwer verständlichen Midlandslang eine Zahl herausgefiltert hat. Sechs Pfund wollen die Organisatoren für das Heft  haben. Der Markumrechner ermittelt ungläubig: Das sind ja 18 Mark – und schiebt sich immediately rückwärts wieder vom Tresen hinweg. Allerdings bekommt der Käufer auch was für’s Geld geboten. Ein Hochglanzmagazin von 50 Seiten mit etlichen Stories und vielen Fotos über die derzeit Großen der Badmintonwelt. Auf den 38 Bildern ist allerdings niemand von unseren Spielern oder Spielerinnen zu finden.

 

"Niemand ärgert sich mehr als man selbst..."
(31.7.) erklärte Joachim Tesche zur Niederlage seines Doppels mit Jochen Cassel gegen die Amerikaner Han & Bach, das am Vortag das Erstrundenaus brachte. "Wir hatten am Ende des ersten Satzes gute Chancen diesen zu gewinnen. Das hat nicht geklappt. Im zweiten haben wir zehn Minuten lang gutes Badminton gespielt. Nach der 12:1-Führung ging aber der Faden verloren. Bis zehn macht man sich noch nicht so viele Gedanken. Aber am Ende kam natürlich noch die Sorge vor dem Verlieren dazu, obwohl sich die Panik bei mir in Grenzen hielt. Klar, es war machbar gegen die Amerikaner, das hat jeder gesehen. Den Zweiten zu verlieren, war mehr als dämlich."
Auch Trainer Stefan Dreseler trauert der Chance nach, wenigstens eines seiner drei Doppel in der zweiten Runde zu sehen. "Natürlich hätten sie das gewinnen können. Han war stehend k.o. Sie haben am Ende Angst bekommen, sind unsicher geworden. Jochen hatte schon so um 12:6 herum das lockere Gefühl der ersten Satzhälfte wieder verloren, ist hart geworden. Wie im ersten Satz auch schon, wurde nicht mehr erst aufgebaut, sondern gleich voll angegriffen. Im ersten Satz hatte Joachim einen schleppenden Start, Jochen hat anderthalb Sätze gut gespielt. Insgesamt gab es zu viele taktische Fehler. Zu früh wurde schon auf den gegnerischen Aufbauschmetterball hart cross gekontert, dadurch spielte man häufig durch die Reichweite des gegnerischen Vordermannes.  Bedauerlich auch der Verlust für die Weltrangliste. Statt 150 Punkte nur 90. Sehr, sehr bitter."


German Hour in der NIA
(31.7.) Mittwoch um viertel vor vier war Germanys Happy Hour in der National Indoor Arena.  Gleichzeitig auf drei Feldern waren Deutsche aufgerufen. Die Trainer mussten sich aufteilen. Und die mittlerweile nach und nach angereisten Fans auch. Denn unglücklicherweise spielten sie auch noch an den entgegengesetzten Enden der ausgelegten fünf Yonex-Matten. Hopp & Pitro hatten auf Feld eins gegen Chen & Zhao anzutreten. Sie wurden betreut von Stefan Dreseler. Am entgegengesetzten Ende hatte sich auf Court number five Juliane Schenk mit Tracey Hallam auseinanderzusetzen. Um sie kümmerte sich Detlef Poste. Und auf Feld zwei lieferte sich Nicole Grether ihren heroischen Fight mit Yonekura. Ihr half Bundestrainer Madsen.
Leider gab es eine unerfreuliche Bilanz der German Hour: drei Niederlagen.

Ganz nahe dran
(31.7.) Richtiggehend begeistert war Bundestrainer Asger Madsen von Nicole Grethers Spiel gegen Yonekura. "Das war ganz nahe an der Weltklasse. Hätte Nicole gewonnen, wäre sie es gewesen.  In den letzten zwei Jahren hat sie sich sehr gut weiterentwickelt. Die Bewegung auf dem Feld, ihr Überblick haben zugenommen, sie beobachtet jetzt, was die Gegnerin macht."
Dass es im ersten Satz nicht lief, erklärt er mit dem Tempo der Japanerin: "Das war tierisch hoch. So hat sie Nicole sehr unter Druck gesetzt. Aber Nicole hat es geschafft, dranzubleiben. Weil sie weiter an sich geglaubt hat, kam sie zurück."
Bei der Bewertung der Leistung erinnert er sich an Nicoles Sieg über die Holland-Chinesin Yao Jie bei den Japan open im April: "Das war auch ein großer sieg. Aber Yao hat nicht dagegen gehalten, als das Spiel verloren ging. Doch Yonekura ist ein Kampfschwein. Außerdem hat sie schon viele Erfolge gehabt. Sie weiß wie man diese heißen Situatiionen in Verlängerungen überlebt. 
Auch Nicole reiht das Spiel ganz vorne in ihrer Leistungsscala ein: "Das gegen Yao Jie war noch besser. Gegen Yonekura in Mauritius hatte ich den ersten Satz gewonnnen, zu neun geführt und abgebaut. Diesmal war es umgekehrt."
Hat ihr der deutliche Verlust des ersten Satzes nicht zu schaffen gemacht: "Eigentlich nicht. Ich hatte immer ein gutes Gefühl. Aber ich war nicht locker genug, weil ich unbedingt gewinnen wollte. Sie hat auch ein sehr hohes Tempo gespielt. Und als es 2:6 im zweiten Satz stand, hab ich nicht mehr an Sieg und Niederlage gedacht. Ich hab mich nur Punkt für Punkt nach vorne gespielt."
War sie am Ende kaputt? "Nee, die langen Ballwechsel haben mir nichts ausgemacht, ich war noch gut drauf. Daran lag es nicht."
Insgesamt trug Nicole die Niederlage gelassener als erwartet: "Was soll ich mich dadurch niederziehen lassen? Ich seh das Positive. Das Spiel hat mir gezeigt, dass ich auf dem Niveau ganz nah dran bin. Sie ist unter den Top-Ten der Welt und ich bin ganz nah daran, solche Leute zu schlagen."

 

Lange Haare
Dauernd in Gefahr wegen Verstosses gegen die Regel 21.3.5. zum Hairdresser geschickt zu werden, war Carina Mette. Ihre langen blonden Haare, die in einem lockigen Pferdeschwanz über den Rücken fallen, verdeckten ihren dazu noch nicht einmal langen Namen völlig. Der aber muss eigentlich zu lesen sein. Glücklicherweise fand die Überprüfung der Spielkleidung vor dem Betreten des Feldes statt. Probleme bereiteten den deutsche Spielern allerdings die Kleidung von Nationalmannschaftsausstatter H2O. Dort sind die Logos an Stellen angebracht, an der laut IBF-Ordnung keine sein darf. Leistungssportreferent Kranitz hatte für die Mannschafts-WM in Eindhoven noch eine Sondergenehmigung eingeholt. Doch hier in Birmingham mussten die entsprechenden Zeichen unter dem Kragen auf dem Rücken und an der Hose überklebt werden.

   

 

Zwei ärgerliche Niederlagen...“ 

(29.7.) ...kommentierte der für die deutschen Doppel verantwortliche Bundestrainer Stefan Dreseler das  Ausscheiden von Siegemund & Pitro und von Hopp & Tesche gleich am ersten Wettkampftag gegen Gegner, die nicht unbedingt übermächtig waren.
“Beide Spiele waren geprägt von deutlichen Phasen die besser und schlechter waren.“ Beim Herrendoppel von Kristof Hopp und Joachim Tesche, das in beiden Sätzen zunächst geführt hatte, dann aber klar verlor, sieht er die Ursache darin, dass es nicht dazu kam, dass beide gleichzeitig auf hohem Niveau spielten. „Zunächst hatte Kristof kein Timing in der Abwehr und später hat Thomas dann leider nachgelassen. Sie haben nie beide zusammen ein Hoch gehabt. So war immer einer mehr mit sich beschäftigt, als mit der Spielstrategie.“

Das Mixed von Siegemund & Pitro ist nach Dreselers Ansicht daran gescheitert, dass es nicht gelungen ist, in einem mäßigen Spiel von 70 auf 75 Prozent zu kommen. „Dies kleine Zulegen hätte vermutlich zum Sieg gereicht, weil ihre malaysischen Gegner auch nicht besonders gut gespielt haben. Aber statt sich an den positiven Momenten des eigenen Spiels aufzubauen, haben sich sowohl Björn als auch Nicol an den schlechten Aktionen und ihrer Unzufriedenheit darüber heruntergezogen.“

Beim Vergleich mit der Leistung, die Björn Siegemund einen Tag später im Herrendoppel gegen die Chinesen Cai & Fu brachte, glaubt Dreseler, dass diese für den Mixedsieg locker gereicht hätte. „In dem Doppel hat er viel klüger gespielt. Nicht einfach draufgehauen sondern erst vorbereitet. Hätte er das gestern auch gemacht, wäre Nicol viel häufiger im Netzbereich im Spiel gewesen.“        

          

Erstrundenschicksale
(29.7.) Dass das Erreichen von zweiten oder unter Umständen auch einer dritten Runde bei einer WM nicht unbedingt etwas über die Leistungsfähigkeit aussagt, bekamen die Deutschen vor Augen geführt, als während Kindervater & Siegmund gegen die besten Chinesen Cai & Fu im ersten Spiel ausschieden, auf dem Nebenfeld ein Erstrundenmatch des Brasilianers Pardo gegen den Belgier Jaco aufgerufen wurde. Beides nicht unbedingt Vertreter von Großmächten im Badminton und vielleicht gerade mal zweitligatauglich. Und einer kann das Erreichen der Runde der besten 32  bei einer WM in seine Erfolgsliste eintragen. Eine Leistung die in Birmingham nicht nur Peter Gade nicht erzielte sondern auch Lee Tsuen Seng aus Malaysia, Hendry Wijaya aus Singapore, Boonsak Polsana aus Thailand, Keita Masuda aus Japan oder Marleve Mainaky aus Indonesien, allesamt absolute Weltklassespieler. Bei den Damen erwischte es so prominenten Namen wie Marina Andrieskaya aus Schweden, Yao Jie aus Holland, Kelly Morgan aus Wales, Miho Tanaka aus Japan oder Ling Wan Ting aus Hongkong.

    

  
The England Solidarity Fund

(29.7.) Die Engländer hatten gleich reihenweise Ausfälle in der ersten Runde zu beklagen: Colin Haughton, Aamir Ghaffar und Andrew Smith im Herreneinzel, Julia Mann und Jill Pittard bei den Damen. Dazu Anthony Clark & Nathan Robertson, Robert Blair & Ian Palethorpe und Graham Hurrell & Joanne Wright in den Doppeldisziplinen.

Dank internationaler Mithilfe wurde ein völliges Desaster vermieden. Die Schweden zogen Olsson & Andreasson im Mixed gegen Robert Blair & Natalie Munt zurück, Shimko & Yakusheva ließen sich gegen Emms & Kellogg disqualfizieren. Archer & Hurrell wurden vom Ausloser zwei Griechen zugeschanzt, Parker & Rayappan zwei Sloveninnen.  Robertson & Gail Emms sowie Archer & McEwan und Tripp & Wright hatten in weiser Voraussicht von der IBF schon im Vorhinein Freifahrscheine erhalten. Freifahrtscheine

Aber das Namensgeberland des Badminton hatte auch Grund zur Freude. Tracey Hallam schlug die an 14 gesetzte Miho Tanaka 11:4 im Dritten. Heute muss sie gegen Juliane Schenk ran. Tritt Deutschland dem England Solidarity Fund bei?

  

   

WM geht nach Kalifornien - Glückliches Amerika

(28.7.) Die nächste Watsche für Dänemark nach der Abwahl Tom Bachers durch die Asiaten. Bei der Wahl des Austragungsortes für die nächste WM setzten sich die USA durch. Das IBF-Council vergab die WM 2005 nach Anaheim bei Los Angeles. Beworben hatten sich das Los Angeles Sport Council und USA Badminton. Nicht berücksichtigt wurde, dass der dänische Verband die Veranstaltung anlässlich seines 75-jährigen Verbandsjubiläums ausrichten wollte. Nach Calgary 1985 ist es erst das zweitemal, dass die WM auf dem amerikanischen Kontinent stattfindet. IBF-Präsident Korn Dabbaransi sieht darin eine einzigartige Möglichkeit, Badminton in Nordamerika zu entwickeln. Dies sei eine de Hauptprioritäten der IBF.
Die Mannschafts-Weltmeisterschaft (Sudirman Cup) 2005 wurde nach Peking vergeben. Die Chinesen setzten sich gegen Glasgow durch. Das Turnier wird im Februar 2005 im Olympischen Sportkomplex ausgetragen.
Außerdem wurde beschlossen, dass künftig in jedem Jahr eine Individual-WM als internationaler Saisonhöhepunkt stattfinden soll, außer in jenen Jahren, in denen Olympische Spiele sind.

 

Schlafmützige Russinnen
(28.7.) Nicht unbedingt die professionellste WM-Vorbereitung erledigten die russischen Damen Elena Shimko und Marina Yakusheva. Obwohl beide eigentlich im internationalen Circuit zu Hause sind, waren sie nicht darauf präpariert, dass Doppelpaare bei der WM von der ersten Runde an in Kleidung einheitlicher Farbe anzutreten haben. Als der Referee in der Zone für den Spielaufruf bemerkte, dass die Hemden der Russinnen der Vorschrift nicht folgten, war die Aufregung groß. Mehrmals wurde der russische Delegationsleiter duchs Hallenmikrofon ausgerufen. Den beiden Damen wurde eine Zeit eingeräumt, ihre Shirts zu wechseln. Das schafften sie auch – aber auf den neuen Shirts fehlten die aufgedruckten Namen. Damit war eine andere Regeln nicht erfüllt. Die Folge: Disqualifikation.

Der deutsche Teamchef Martin Kranitz: „Das war klar, dass darauf geachtet werden würde. Das stand in den Regularien, die jeder teilnehmende Verband erhalten hat. Außerdem ist darauf bei der Teamleitereinweisung am Sonntagabend noch mal ausdrücklich hingewiesen worden. Wenn der russische Teamleiter da war, hätte er es wissen müssen.“

Nutznießerinnen der russischen Schlafmützigkeit waren die Engländerinnen Donna Kellogg und Gail Ems, ein schwerer Brocken zerbröselte sich selbst.

 

Ungleiche Siegerinnen

(28.7.) Während die Koranerin Jun Jae-Youn nach ihrem Sieg über Marina Andrievskaya nacheinander mit einer Verbeugung vor zwei ihrer Trainer trat und sich mit versteinertem Gesicht anhörte,  was sie vermutlich noch alles hätten besser machen können, hüpfte ihre Badmintonkollegin Chien Yu-Chin aus Taipei nach ihrem Sieg über die Engländerin Julia Mann mit strahlendstem Lachen vom Feld. Und es war zunächst niemand da, der ihre Freude mit ihr teilte. Erst nach einigen Minuten kam ein grauhaariger Mann im Traininganzug und mit Rolex, setzte sich zur ihr in die erste Reihe und lachte mit ihr.

Erfolgreiche Oldies
(28.7.) Alter schützt vor Erfolg nicht. Während sich andere Veteranen in die Altersklassen flüchten, nehmen es die Oldies der Amerikaner mit den besten der Welt auf. Gemeinsam knapp 92 Jahre brachten Mathew Fogarty und Dean Schoppe aufs Feld als sie zum Doppel gegen die Waliser Liam Ingram und Richard Williams antraten. Nach einer Schlacht von 70 Minuten hatte die beiden jeweils 46-Jährigen dann sogar 15:10 im Dritten gewonnen und sind unter den letzten 32 im Herrendoppel.  Glückwunsch, sagt badminton.de, wagt aber zugleich eine Anmerkung: Wenn die beiden das drittbeste Doppel der USA sind, ist es kein Wunder, dass IBF-Präsident Dabbaransi es als eine der Kernaufgaben der IBF ansieht, Badminton in Nordamerika zu entwicklen (s. Glückliches Amerika). Auch bei den Kanadiern trat mit
Denyse Julien eine Oldtimerin im Dameneinzel an. Die mittlerweile 43-Jaehrige hatte einen der beiden kanadischen Einzelplaetze erobern koennen. Die wahrscheinlich 500-fache kanadische Meisterin verlor in der ersten Runde gegen Karina de Wit (NED).

    

    

Mitgliederversammlung der IBF am Sonntag, 27. Juli im Hotel Holiday Inn in Birmingham

 

Mannschafts-WM muss bleiben

(27.7.) Der bisherige Modus des so genannten Sudirman Cup bleibt erhalten. Ein Vorschlag des IBF-Councils, eine Endrunde mit 12  Teams zu spielen und zum Beispiel die Mannschaftseuropameisterschaften als Qualifikationsturnier zu nehmen, scheiterte am Widerstand der kleinen Verbände. Länder wie Australien oder Schottland sahen bei dem Modus keine Chance, jemals wieder gegen weltweite Gegner zu spielen. Es bleibt also dabei, dass jeder Verband teilnehmen kann und die Teams in Gruppen eingeteilt sind, die sich aus der Platzierung der jeweils  letzten WM ergeben. Mit dieser Entscheidung sind auch die Deutschen zufrieden. Präsident Kespohl: „Das ist auch in unserem Interesse. Trotz der Leistungssteigerung in den letzten Jahren können wir nicht sicher sein, einen der drei Europa-Plätze stets sicher erkämpfen zu können.“
Deutschland spielt zur Zeit in Gruppe 2. Der nächste Sudirman Cup wird 2005 ausgespielt. Für die Austragung haben sich Peking und Glasgow beworben. Für die Individual-WM sind die Kandidaten Dänemark und die USA.


Tom Bacher muss gehen

Seit über 20 Jahren war der frühere dänische Weltklassespieler Tom Bacher in der IBF-Führung. Seit 1986 als Vizepräsident. Jetzt haben ihn die Asiaten rauskatapultiert. Er soll zu unbequem geworden sein.
Zunächst hatte man gegen die turnusmäß zur Wiederwahl anstehenden europäischen Vizepräsidenten Bacher und Roger Johansson aus Schweden gegen jeden Proporz zwei asiatische Mitbewerber für das siebenköpfe Vizepräsidentencorps aufgestellt. Einer war mit Badmintonlegende Rudy Hartono auch noch äußerst prominent. Der zweite hieß Raj Gaya und kommt aus der Badminton-Hochburg Mauritius. Schon bei der EBU-Sitzung im April in Esbjerg war den Europäern wenig eingefallen gegen diese aggressive Vorgehensweise. Jetzt kam EBU-Präsident Torsten Berg bei der europäischen Delegiertensitzung am Samstagabend mit dem ausgehandelten Kompromiss, die Europäer sollten Hartono akzeptieren, dafür würden die Asiaten einen der Europäer hinnehmen. Der Vorschlag von Berg – auch ein Däne – lautete dann: Bacher wird Europas Nummer eins. Er war der Kontaktmann des IBF zum Internationalen Olympischen Komitee war und die Pflege dieser Beziehung wurde als alleroberste Priorität eingestuft. Die allgemein erklärte Tendenz der Delegierten ging auch in diese Richtung. DBV-Präsident Kespohl: „Die Zusammenarbeit mit dem IOC halte ich für absolut wichtig. Und ich weiß von unseren deutschen IOC-Mitgliedern, dass Bacher gute Arbeit gemacht hat.“
Doch diesen Deal machte zur allgemeinen Überraschung Johansson nicht mit. Schon am späten Abend drang durch, dass Bergs Versuch, ihn zum Zurückzug zu bewegen, gescheitert sei. Er habe ein gutes Verhältnis zu den Asiaten,  und sähe keinen Grund, Bacher den Vortritt zu lassen.

So standen bei der IBF-Mitgliederversammlung am Sonntagvormittag dann zwei Europäer neben Hartono zur Wahl. Und dass die Asiaten unter diesen Umständen dem pflegeleichteren Johansson gegenüber dem unliebsamen Bacher ihre Unterstützung geben würden, kam nicht unerwartet. Kespohl: „Neben mir saß der Delegierte Chinas. Sofort hat der auf seinem Stimmzettel die Kreuze bei Hartono und Johansson gemacht. Da gab es überhaupt kein Zögern.“ Ergebnis: Hartono 165, Johansson 145, Bacher 80. Damit war der Däne raus und das nicht nur als Vizepräsident sondern gleich aus dem ganzen Council, denn auf der Kandidatenliste für die Councilbewerber stand er nicht drauf. Der Verdacht, Johannson sei im Vorhinein schon von den Asiaten ermuntert worden, nicht auf seine Kandidatur zu verzichten, unabhängig davon, ob ihn die Europäer unterstützten oder nicht, wurde unter den enttäuschten Europäern offen ausgesprochen.

 

Martijn van Dooremalen darf weitermachen

Neun Kandidaten standen für sieben neu zu vergebende Platze im 16-köpfigen Council bereit. Der thailandstämmige Amerikaner Paisan Rangsikitpho und  der Niederländer Martijn van Dooremalen erhielten die meisten Stimmen. Weiter wurden gewälht: Steven Yeo (Singapore), Mrs. Oh Yeon Han (Korea), Anne Smillie (Schottland), Raj Gaya (Mauritius) und Mehdi Karbasian (Iran). Damit bleibt Hollands Sportdirektor van Dooremalen Deutschlands Ansprechpartner Nummer eins in der IBF.

 


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