Individual-WM 2003 - Birmingham

28. Juli bis 3. August, National Indoor Arena

   

Zur Titelseite Individual-WM 03.
Zum T
urnierverlauf.

      

   

Die Spiele der Deutschen

Petra Overzier: Die Weltranglistenzweite Mia Audina war eine Nummer zu gross. Foto: ©Norbert Atorf

Die Spiele unserer deutschen Starter im Überblick

Vom Viertelfinale an, geht das Turnier ohne deutsche Beteiligung weiter

   

Runde der letzten 16
Dameneinzel
Petra Overzier - Mia Audina (NED /3) 2:11 4:11 (30 min)
Damendoppel
Juliane Schenk & Nicole Grether - Seiko Yamada & Shizuka Yamamoto (JPN) 7:15 12:15 (62 min)

   

Die Spiele in der zweiten Runde
Herreneinzel
Björn Joppien - BAO Chunlai (CHN) 5:15 4:15 (25 min)
Jens Roch - CHEN Hong (CHN) 5:15 1:15 (28 min)
Dameneinzel
Petra Overzier - Yuan Wemyss (SCO) 11:3 4:11 11:3
Juliane Schenk - Tracey Hallam (ENG) 8:11 2:11
Nicole Grether - Kaneka Yonekura (JPN) 1:11 11:9 11:13 (57 min)
Damendoppel
Juliane Schenk & Nicole Grether - Harriet Johnson & Robyn Ashworth (WAL) 15:2 15:8 (30 min)
Carina Mette & Kathrin Piotrowski - YANG Wei & ZHANG Jiewen (CHN / 5) 2:15 7:15
Mixed
Kristof Hopp & Kathrin Piotrowski - Chen Qinqiu & Zhao Tingting (CHN) 5:15 4:15
Thomas Tesche & Carina Mette - Nathan ROBERTSON & Gail EMMS (ENG / 3) 8:15 4:15

   

Die Erstrundenspiele

Herreneinzel (64er-Feld, 63 Starterinnen)
Björn Joppien - Arturo RUIZ ESP 15:5 15:3
Jens Roch - Nabil LASMARI FRA 15:4 15:8
Dameneinzel (64er-Feld, 63 Starterinnen)
Juliane Schenk - Dian Novita SARI (INA) 4:11 11:9 11:3
Petra Overzier - Charmaine REID (CAN) 11:4 11:4
Nicole Grether - Harriet JOHNSON (WAL) 11:0 11:4
Herrendoppel (64er-Feld, 57 Paare)
Kristof Hopp & Thomas Tesche - Nikolaj ZUEV & Stanislav PUKHOV (RUS / 12) 9:15 11:15
Jochen Cassel & Joachim Tesche - Kevin HAN & Howard BACH  (USA) 13:15 14:15
Björn Siegemund & Ingo Kindervater - FU Haifeng & CAI Yun (CHN / 7) 6:15 9:15
Damendoppel (64er-Feld, 40 Paare)
Juliane Schenk & Nicole Grether - 1. Rd. Freilos
Carina Mette & Kathrin Piotrowski - 1. Rd. Freilos
Mixed (64er-Feld, 49 Paare)
Björn Siegemund & Nicol Pitro - CHEW Choon Eng & CHIN Eei Hui (MAS) 13:15 14:17
Kristof Hopp & Kathrin Piotrowski - Julian HRISTOV & DIMOVA Diana (BUL) 15:5 15:2
Thomas Tesche & Carina Mette - 1. Rd. Freilos.

Nach dem Ausscheiden von Grether & Schenk waren alle Deutschen raus: Betrübtes Bundestrainergespann Asger Madsen (re) und Detlef Poste. Foto: ©Atorf.
Nach grossem Kampf an Japanerinnen gescheitert: Juliane Schenk (li) & Nicole Grether. Foto: ©Norbert Atorf.

Do 31. Juli

 

Letzte 16: Nicole Grether & Juliane Schenk – Seiko Yamada & Shizuka Yamamoto (JPN) 7:15 12:15

Zu Beginn des Spiels standen unsere Damen sicher in der Abwehr und verteilten klug die Bälle. Ein 6:1-Zwischenstand weckte Hoffnungen, Beobachter Klaus Hasselmann stellte schon virtuell den Sekt kalt. Doch die an Platz acht gesetzten Japanerinnen waren offenkundig noch nicht warmgelaufen. Einige Unkonzentriertheiten von Nicole in der Abwehrhaltung brachten sie heran und dann kam die ungeheure asiatische Kampfkraft zum Tragen. Es entwickelte sich ein hochklassiges Spiel. Rallye hinter Rallye wurden zelebriert. Doch leider hatten unsere fast immer das Nachsehen. Einen einzigen weiteren Punkt konnten sie bis zum Ende des Satzes noch ergattern..

Insgesamt war das Spiel zu defensiv angelegt, bei aller Dynamik zu unbeweglich. Sie wurden letztendlich doch immer ausgesmasht. Hinzu kam, dass sie Schwierigkeiten hatten, die Vorhand der Linkshänderin Yamamoto zu umgehen. Und deren Partnerin Yamada tauchte mehr als einmal im Netzbereich auf, um zu vollenden. In diesem Feldsektor war von unseren Damen nicht viel zu sehen.

Auch die Hoffnung, die Japanerinnen durch Geduld vielleicht müde spielen zu können, erfüllte sich nicht. Man bemerkte auch im zweiten Satz das Bemühen, die Taktik beizubehalten. 3:6, 5:6, 6:6, 6:8, 7:11. Kein Resignieren war zu beobachten, nur wenige Unkonzentriertheiten. Auch mental hielten sie dagegen. Bei 10:11 weigerte sich Juliane, den Ball zu wechseln, bekam Recht und danach zwei Punkte zum 12:11. Doch es half nichts. Insgesamt hörte man die spitzen Erfolgsschreie der Japanerinnen häufiger, als man die geballten Fäuste der Deutschen sah. Sie fischten auch noch die letzte Bälle vom Fußboden. Bis zum umjubelten Sieg.

Letzte 16: Petra Overzier - Mia Audina (NED) 2:11 4:11

Der Vergleich mit Björn Joppiens Spiel vom gestrigen Abend bietet sich an. Auch Petra brachte ihre Leistungsfähigkeit gegen die indonesische Weltklasseathletin aus den Niederlanden auch nicht annähernd aufs Feld.
Es gelangen ihr so gut wie keine langen Ballwechsel mit denen sie hätte ihre Gegnerin ausspielen können. Gleich in der Anfangsphase wurde sie von Mia Audina (Foto) immer wieder so schnell im Hinterfeld angespielt, dass sie nur reagieren konnte. Dadurch konnte sie ihrerseits nur selten Druck aufbauen und war den Finten und schnellen Angriffsbällen der Niederländerin oft geradezu hilflos ausgeliefert.
Nur Anfang des zweiten Satzes gelang ihr in der Anfangsphase eine gewisse Stabilisierung, nachdem sie mit deutlich höherem Spieltempo begonnen hatte. Bei 0:1 wechselte das Aufschlagrecht etliche Male hin und her. Aber Petra konnte kein Kapital aus ihren zahlreichen Aufschlägen ziehen. Immer wieder machten ihr Mias Finten zu schaffen, die den Shuttle im Vorderfeld ein ums andere Mal in eine unerwartete Richtung beförderten. Und wenn der Ball zu kurz und ohne Druck ins Hinterfeld gespielt wurde, kam auch von dort ein Feuerwerk von Angriffsschlägen.
Unsere Deutsche Meisterin ist also ausgeschieden. Gegen die Nummer drei des Turniers und Nummer zwei der Weltrangliste ist das keine Schande. Sie hatte vorher erklärt, dass ihre Pflicht mit den beiden Siegen über Reid und Wemyss erfüllt sei. Das weitere braucht Zeit. 

   

   
    

Mi 30. Juli

Letzte 32: Thomas Tesche & Carina Mette – Nathan Robertson & Gail Emms (ENG) 8:15 4:15

Fünf lange Tage mussten Carina warten bis sie endlich aufs Feld durfte. Nachdem die deutsche Mannschaft am Freitagabend angereist war, verschafften ihr Freilose in den ersten Runden von Doppel und Mixed eine nervtötende Wartezeit. Carina, für die es nach Sevilla die zweite WM war: „Schön war das nicht. Zumal ich auch seit gestern noch krank bin. Die Stirnhöhle ist zu. Leicht gehandicapt. Außerdem ist das Argerliche an den Freilosen in der ersten Runde, dass man beim Ausscheiden in der zweiten Runde nur die Punkte von der ersten bekommt. Ein leichter Gegner ist also günstiger.“

Die Engländer sind an drei gesetzt und Medaillenkandidaten. Entsprechend waren die Hoffnungen der deutschen Kolonie auf einen Sieg nicht unbedingt hoch. Das Spiel der vier schwarzgekleideten Gestalten war dennoch gut anzusehen. Die Deutschen hielten gut mit, ohne allerdings jemals die Spielherrschaft gewinnen zu können. Vor allem Small-Emms wirbelte in guter englischer Mixedtradition unerschrocken am Netz herum und versenkte was eben für sie zu erreichen war. Den Satz beendete wieder eine Schwäche in der Schlussphase. Bei 8:14 erhielten die Deutschen noch einmal das Aufschlagrecht. Aber beide Aufschläge gingen schon in der Aufschlagphase wieder verloren.
Auch im zweiten Satz gab es viele schöne Ballwechsel. Die Gesamtspielzeit von 48 Minuten beweist es. Aber am Ende setzte sich doch der Dauerdruck der Engländer durch, die vor allem problemlos das Tempo nach Belieben anziehen konnen.

Überdies gab es ein freundschaftliches Verhältnis auf dem Court. Nach einen ellenlangen Ballwechsel, bei dem beide Parteien den Ball im Spiel hielten, lachte man sich schweratmend an. Hinterher erzählte Thomas Tesche, Nathan hätte gestöhnt, er sei total kaputt, worauf man sich gemeinsam auf das Beantragen einer Trinkpause geeinigt habe.

Carina in ihrer Spielbilanz: „Zu gewinnen war das nur schwer. Aber wir haben ganz gut mitgespielt, auch gut in der Abwehr gestanden. Aber am Ende haben wir etwas die Länge verloren. Dadurch kamen sie mit ihren Angriffen durch.“

     

Letzte 32: Petra Overzier – Yuan Wemyss (SCO) 11:3 4:11 11:3

Erneute eine gute Vorstellung unserer Deutschen Meisterin. Sicher dominierte sie den ersten Satz. Sollte sie allerdings gedacht haben, es ginge so weiter, hatte sie sich geirrt. Im zweiten legte Wemyss deutlich an Tempo zu und setzte die verblüffte Deutsche mit etlichen Schmetterbällen arg unter Druck. Petra verlor völlig den Faden. 0:6 stand es plötzlich. Erst bei 0:9 gelang ihr eine gewisse Gegenwehr. Bis 4:10 kämpfte sie sich wieder ins Spiel.

Im dritten Satz wurde dann wieder richtig Badminton gespielt. Petra hatte ihr Spieltempo wiedergefunden. Den sechsten Punkt zum Seitenwechsel brachte ein spektakulärer Seithand-Drive cross mit der Vorhand aus der Grundlinienecke. Erleichterter Jubel bei der deutschen Delegation. Eine missglückte Cross-Abwehr der chinesischen Schottin ließ Petra schließlich ihren berühmten beidfäustigen Siegeshüpfer machen.

Was war los im zweiten Satz? „Im Zweiten war nix los. Im Ersten hab ich mit mehr Tempo gespielt, danach zu passiv. Dadurch konnte sie mich aussmashen. Detlef (Poste) hat mir in der Pause dann gesagt, ich soll ihr mit mehr Tempo ins Hinterfeld hineinspielen.“

Ist sie nicht nervös geworden bei dem Rückstand? Die Antwort ist knapp: „Nee, bin ich nicht.“

Nun kommt als nächste Gegnerin am Donnerstagmittag Mia Audina. Die indonesische Weltklassespielerin, die seit einigen Jahren für die Niederlande spielt, ist an drei gesetzt. Petra: „In Korea im April hab ich gegen sie verloren. In zwei Sätzen. Ich denke, die Pflicht ist für mich jetzt getan. Bisher war ich die Favoritin. Jetzt ist sieh es. Mal schauen.“

    

Letzte 32: Jens Roch - CHEN Hong (CHN) 5:15 1:15 (28 min)
Von den Meistern lernen - das hatte unser Deutscher Vizemeister heute 28 Minuten Gelegenheit. Er konnte noch so hochsteigen zum Smash, Chen verschluckte alle seine Schmetterbaelle. Die schaecheren spielte er sogar unerreichbar cross zurueck. Und wenn der Chinese seinerseits zu seinen Schmetterbaellen ansetzte, war bei Jens das Zucken ausgebrochen. Fuer Chen das erste Spiel im Turnier, falls er Sorgen davor hatte, waren sie unbegruendet. Nimmt man dieses Match zum Massstab, wird er Weltmeister.

    

Letzte 32: Nicole Grether - Kanako Yonekura (JPN) 1:11 11:9 11:13
Ein Traumspiel für Nicole - - hätte es werden können. "Einmal ist sie fällig", hatte sie vor dem Spiel über die Japanerin gesagt - diesmal war sie es allerdings noch nicht.
Nach einem verkorksten ersten Satz lieferte Nicole ein Spiel ab, wie man es von ihr noch kaum gesehen hat. Sie ging lange Ballwechsel mit, war schnell, machte Druck, spielte variabel - kurz sie zeigte alle Eigenschaften, die eine Weltklassespielerin haben muss.
Nach einem 2:6-Rückstand im zweiten Satz bekam sie die Japanerin mehr und mehr in den Griff. Es entwickelte sich ein Kampf auf Biegen und Brechen. Um jeden Punkte wurde auf hohem Niveau gefightet. 8:8 8:9 9:9 11:9
Im dritten Satz war sie sogar phasenweise überlegen, ließ die japanischen Betreuer arg zittern. Doch sie konnte sich nie absetzen. 3:0 3:3 4:3 5:3 6:4 6:6 7:6 7:7
Nicole spielte mit erstaunlichem Selbstbewusstsein, behielt auch in der Schlussphase ihre Linie bei und versuchte nicht nur mitzuspielen, sondern selbst Punkte zu machen. 7:8 N verliert Netzspiel.
7:9 N swipt seitlich aus.
7:10 N wird überspielt durch hohe Abwehr nach Smash.
N holt Aufschlag zurück.
8 :10 N Spektalulärer Vorhand Drop cross nach langem Ballwechsel.
8 :10 N Aufschlag aus - Saitenriss.
N holt Aufschlag zurück.
9:10 N durch Smash.
10:10 Y Aufschlagannahmefehler.
11:10 Kampf bis zum Erbrechen, Y nimmt zwei Ausbälle an.
Aufschlagverlust durch Konterabwehr nach langem Ballwechsel
11:11 Y gelingt erneut ein Konterschlag.
11:12 N seitlich aus.
11:12 Y lässte Ball fallen - drin.
11:13 Y drück Ball aus Netzbereich.
Würde Nicole 18 sein und nicht 28, würde man schreiben: A stars is born.

    

Letzte 32: Juliane Schenk - Tracey Hallam (ENG) 8:11 2:11
Die jungen Damen waren offensichtlich beide arg nervös, immerhim bot sich der Einzug unter die letzten 16 bei einer WM ohne eine Chinesin überwinden zu müssen. Bei 7:8  schlug zunächst Juliane einen hart erkämpften kurzen Aufschlag ins Netz und anschließend passierte Hallam das gleiche. Doch die Deutsche hatte ihre Nerven noch schlechter unter Kontrolle. Nach dem Ausgleich war der Satz plötzlich weg.
Im zweiten Satz lief dann überhaupt nichts mehr. Hallam ernährte sich mehr von Julianes Fehlern als von herausgespielten Punkten.
Juliane erklärte ihre eigentlich schwache Leistung später mit fehlendem Selbstbewusstsein: "Bis 8:8 war es eigentlich okay, obwohl ich vielleicht davon profitiert habe, dass sie nervös war. Nervöser jedenfalls als ich. Aber bei mir spürte ich nicht das Feeling vom erste Spiel. Mein Selbstbewusstsein ist nicht so hoch in letzter Zeit. Ich muss mir es erst durch viele lange erfolgreiche Ballwechsel erarbeiten."
Hat denn das umgebogene erste Spiel gegen die Indonesierin nicht geholfen? " Das hat nicht ausgereicht. Im zweiten Satz war dann überhaupt kein Wille mehr da, in lange Rallyes reinzukommen. Es war schade, weil die Gegnerin schlagbar ist. Aber ich konnte mir selbst nicht helfen."

Kam gegen Bao Chunlai nicht recht ins Spiel: Der Deutsche Meister Bjoern Joppien. Foto: ©Atorf.

Letzte 32: Björn Joppien - Bao Chunlai (CHN) 5:15 4:15
Man merkte gleich dass die Chinesen aus der Erfahrung von Chen Hong, dem Börjn schon mal einen Satz abgenommen hatte, gelernt hatten. Bao versuchte konsequent den Ball flach zu halten. Und dass war auch gleich erfolgreich. Dadurch kam Björn überhaupt nicht ins Spiel. Schnell stand es 0:6. Auch im weiteren Verlauf konnte dem Chinesen in keine Phase Parolie bieten. Dessen Schmetterbällen stand er hilflos gegenüber. Zunehmend traf er sogar das Feld nicht mehr. Die Betreuer und Mitspieler auf der deutschen Bank versenkten mehr als einmal ihre Gesichter in den Armen.  

        

Letzte 32: Kristof Hopp & Kathrin Piotrowski - Chen Qiqiu & Zhao Tingting (CHN) 5:15 4:15
Am Ende des ersten Satzes ging es noch darum, erreichen unsere beiden einen Punkt oder nicht. 14:0 führten die Chinesen, als Chen ich gnädig zeigte und eine Aufschlagannahme ins Aus schlug. Insgesamt wurden es dann neun.
Kristof nahm es gelassen: "Das Soll, was aufgrund der Auslosung möglich war, ist erfüllt. Für uns war nicht mehr drin bei diesem Turnier. Wir spielen zu selten auf diesem Niveau, um da mithalten zu können. Das Tempo der Chinesen ist zu hoch."
Mit der Leistung seinen Doppels mit Thomas Tesche war er dagegen gar nicht zufrieden: "Davon hab ich mir mehr erwartet. Es war eine Chance, viele Weltranglistenpunkte zu machen. Wer weiß, wie oft sich solche Chancen noch bieten."
Voll des Lobes war der Neu-Bischmisheimer, der schon vor zwei Jahren die WM in Sevilla miterlebte, dagegen über die Birminghamer WM-Ausrichtung: "Alles ist gut hier. Wie man es von den All-England kennt. Bestens organisiert wie selten auf der Welt."

   

        

Di 29. Juli

       

Nicole Grether – Harriett Johnson (WAL) 11:0 11:4

Ähnlich wie Björn Joppien hatte auch Nicole von der Auslosung her einen guten Einstieg ins Turnier. „Ich würde mal sagen, souveräner Auftritt heute“, lache sie hinterher. „Der erste Auftritt in einem Turnier ist ja doch immer was Besonderes. Man muss sich erst an die Halle gewöhnen, wie der Wind ist und so was. Bisher hatte ich noch nicht gegen sie gespielt. Ich hab gemerkt, wenn sie aus dem Stehen spielen kann, ist sie unangenehm, aber ich hab sie dann zum Laufen gebracht und da ging’s dann.“

Nächste Gegnerin ist jetzt die Japanerin Yonekura, an Platz acht gesetzt. „Ich hab zuletzt in Mauritius in diesem Sommer gegen sie gespielt. Den ersten gewonnen, im zweiten 9:5 geführt... aber leider verloren. Ich freu mich also auf das Spiel. Irgendwann ist sie fällig. Aber bis dahin bleibt sie natürlich Favoritin.“  

      

Björn Siegemund & Ingo Kindervater – Cai Yun & Fu Haifen (CHN)  6:15 9:15
Wahrlich keine leichten Auftaktgegner hatten dagegen unsere Deutschen Meister im Doppel. Ursprünglich nicht von den Bundestrainern nominiert, hatten sie nur dadurch noch Startrecht bekommen, dass nach der WM-Verlegung einige Plätze im Feld frei geworden waren.

6:15 mussten sie den ersten Satz abgeben. Trotz häufiger Angriffschancen für die Deutschen standen die Chinesen immer sicher in der Abwehr.

Auch im zweiten Satz war nichts zu holen. 0:4 2:4 3:8 5:12 7:13 :15.

Die Chinesen waren in allen Belangen überlegen. Sie konnten zwischendurch problemlos mit Tempovariierung spielen, machten das Netz gut dicht und verfügten über extrem steile Schmetterbälle. Den Deutschen blieb nur die kurzfristige Befriedigung nach einigen gelungenen Aktionen.
Daraus zog auch Björn seine Zufriedenheit nach dem Spiel. „Insgesamt war es doch ganz gut. Die sind halt tierisch schnell und daran ist man nicht gewöhnt. Wenn wir reingekommen sind in die Ballwechsel, haben wir gut mitgehalten. Man müsste sie halt mal drei Monate zum Training haben, dann würden wir auch besser damit zurecht kommen. Aber ich bin ganz froh, dass ich mich mit Ingo jetzt immer besser verstehe was die Aktionen auf dem Feld angehen. Da weiß mittlerweile jeder wie der andere läuft. Das macht Mut für die nächsten Turniere, darauf kann man aufbauen.“ 

Auch Ingo zeigte sich beeindruckt von der Schnelligkeit der Chinesen: „Die waren echt schnell. Ich glaube die besten Gegner gegen die ich bisher gespielt habe. Sie waren eine Nummer zu gross. Wenn wir es geschafft haben, sie von ihrem Tempo runterzuholen, haben wir mitgespielt. Die trainieren vermutlich untereinander viel häufiger auf diesem Niveau. Aber wir sind insgesamt in den letzten Monaten stetig besser geworden, wir haben unser System gefunden und haben keine großen Aussetzer mehr gehabt. Wir sind also gerüstet für die große Turniere die jetzt kommen.“ Letzteres bezieht sich auf die drei Asienturnier in Singapore, Indonesien und Malaysia Ende August, Anfang September.

      

Petra Overzier – Charmaine Reid (AN) 11:4 11:4
Ein paar mörderisch lange Ballwechsel verlangte die Kanadierin unserer deutschen Meisterin vor allem im ersten Satz schon ab. Aber Petra behielt stets die Matchkontrolle.

Das blieb auch im zweiten Satz so. Zwei der vier Punkte von Reid resultierten dabei noch aus Aufschlagannahmefehlern von Petra.  Bundestrainer Asger Madsen: „Guter Auftritt! Eine Fortsetzung der Leistungen, die Petra in diesen Jahr gezeigt hat. Sie ist gute in der Abwehr, auch gut am Netz. Und von hinten weiß man nicht, was kommt. Mehr zu sagen, dazu war die Gegnerin allerdings nicht gut genug.“ Auch Petra war mit ihrer Leistung zufrieden: „Ich denke, dass ich das Spiel souverän durchgezogen hab. Ich hatte schon mehrfach gegen sie gespielt und immer gewonnen.“ Nächste Gegnerin ist die für Schottland spielende Chinesin Yuan Wemyss. Petra: „Zu ihr kann ich nichts sagen. Ich habe noch nie gegen sie gespielt.“  

      

Kristof Hopp & Kathrin Piotrowski – Julian Hristov & Diana Dimova (BUL) 15:5 15:2

Leichtes Spiel für unser Mixed. Kathrin: „Ich bin zufrieden. War relativ einfach zu spielen. Ich bin froh, dass wir die erste Runde gewonnen.“ Jetzt kommen morgen Nachmittag die gesetzten Chinesen Chen Qinqiu & Zhao Tingting. „Naja – das müssen wir dann mal sehen...“

  

Jochen Cassel & Joachim Tesche – Kevin Han & Howard Bach (USA) 13:15 14:15
Der erste Satz verlief lange ausgeglichen, wogte am Ende hin und her, jede Seite war mal im Vorteil. 6:6, 10:10, 10:11, 12:11; 12:13. Dann hatten unsere allerdings eine erschreckende Konzentrationsschwäche. Erst drückte Jochen eine Aufschlagannahme ins Aus, unmittelbar danach schlug Joachim die nächste ins Netz. Der Satz war mit weg.

Nach dem Coaching durch Trainer Stefan Dreseler begannen beide offenbar mit Wut im Bauch den Ausgleichsversuch. Schnell wurde eine 4:0-Führung erzielt, die in der Folge stetig ausgebaut wurde. Bei den Amerikanern nahm Kevin Han, der bei der Mitgliederversammlung der IBF noch in panamerikanischer Solidarität die Abstimmungskarte von Uruguay hochgehalten hatte, eine Verschnaufpause. Schließlich stand es 12:1 für unsere beiden.  Nur der knubbelige Bach fegte während jener Phase unverdrossen übers Feld. Und er schaffte es dabei, die Wende einzuleiten. Unmerklich hamsterten sich die Amerikaner, die mit ihrem Weltranglistenplatz 33 sechs Plätze hinter den Deutschen liegen, Pünktchen für Pünktchen heran. Dabei war es keineswegs so, dass unsere Deutschen Vizemeister zusammengeklappt wären. Die Amerikaner gewannen nur die Ballwechsel, waren sie auch noch so lang. Hier zeigte sich überdeutlich die größte Schwäche der Deutschen: Sie bekommen den Ball nicht tot. So lieferten sie zwar etliche schön anzusehende Rallyes, aber letztlich waren es alles Muster ohne Wert. Bei 12:10 gewannen sie ihren dreizehnten Punkt, eine kurze Hoffnung für die erst nach und nach das Bedrohliche der Lage wahrnehmenden deutschen Beobachter, sie könnten den Sack doch noch zumachen. Doch es war nur ein kurzes helles Aufflackern vor dem Erlöschen. Als die Deutschen nach dem 13:14 noch einmal ausglichen, hatten die Amerikaner sogar die Stirn, nicht zu verlängern. Das Ende kopierte Satz eins: Joachim schlug eine Aufschlagannahme ins Netz. Ein Trauerspiel.

     

    

 

Mo 28. Juli


Jens Roch – Nabil Lasmari 15:4 15:8

(28.7.) Jens Roch hatte das zweifelhafte Vergnügen gleich in der ersten Spielrunde aufs Feld zu müssen. Doch der Ludwigshafener war gut vorbereitet und hatte mit 4:0 einen Blitzstart. Er konnte ihn dann bis 10:2 ausbauen, ohne dass sein schwergewichtiger Gegner große Chancen zur Gegenwehr hatte. Auch im zweiten Satz blieb er bis zum 6:2 dominant. Dann zog er sich eine kleine Zerrung am Rücken zu, was ihm ein wenig die Matchkontrolle nahm. Er legte sich sogar neben dem Feld auf den Boden, um eine kleine Dehnübung zu machen. Außerdem stellte sich Lasmari besser auf die kurzen Aufschläge ein. Jens: „Durch die Rückenzerrung hat er ein wenig aufholen können. Doch ich war eigentlich sicher, dass ich gewinne. Zuletzt hatte ich ihn beim Turnier in der Dominikanischen Republik im Halbfinale geschlagen.“

Erstaunlich die Spielleistung von Lasmari, der in der Weltrangliste immerhin auf Platz 54 steht. Er wirkt zwar kompakt, ist aber erstaunlich beweglich und hat schnelle Angriffsschläge zur Verfügung. Roch: „Man unterschätzt das, der ist nicht dick, sondern eher stämmig. Und ist voll austrainiert. Er hat kein Gramm Fett am Körper.“

Ein guter Gewöhnungsgegner also für unseren zweiten Vertreter im Einzel. Denn nun kommt für ihn schon das Endspiel gegen den an eins gesetzten Chen Hong. Der Chinese, der in der ersten Runde Freilos hatte, saß auch während des ganzen Spiels hinter dem Feld und beobachtete ihn. Jens, darauf angesprochen: „Es ist Björn Joppien, der ihm so viel Respekt vor uns Deutschen eingeflößt hat. Gegen ihn hat er sich immer schwergetan.“

Drum ist er auch optimistisch für das Match am Mittwochnachmittag. Ich fühle mich fit und für ihn ist es das erste Spiel bei dem Turnier. Angst habe ich jedenfalls keine.“

       

Björn Joppien – Arturo Ruiz 15:5 15:3

(28.7) Klare Sache für unseren Deutschen Meister. Björn nach dem Sieg: „Ich habe mir vor dem Spiel mehr Gedanken gemacht, als nötig gewesen wäre. Besonders, weil ich noch nie gegen ihn gespielt hatte und ich nicht wusste, was auf mich zukam. Ich will hier in Birmingham zeigen, was ich kann und da musste man auch gegen einen solchen Gegner aufpassen. Besonders in der ersten Runde.“

Erwartungsgemäß kommt in der zweiten Runde nun Chinas Nachwuchsstar Bao Chunlai, ebenfalls sein Erstrundenmatch klar gewann. Der 20-Jährige wurde von seinen Medien schon gleich unter Druck gesetzt. „Enttäusch uns nicht noch mal“, war dort zu lesen, in Anspielung darauf, dass er schon einige wichtige Spiele in den Sand gesetzt hat. So im Vorjahr beim Thomas Cup gegen Hafiz Hashim und in diesem Jahr bei der Mannschafts-WM im Halbfinale gegen Hidayat. Björn hat daher auch keinen unnötigen Respekt: „Warum sollte ich auch. Ich habe schon gegen andere Chinesen gute Spiele gemacht. Und gegen Bao habe ich sogar schon gewonnen. Vor ein paar Jahren bei den German Junior in Bottrop.“

     

Juliane Schenk – Dian Novita SARI 4:11 11:9 11:3

Zwar sind die indonesischen Damen längst nicht mehr so gut wie zu Susi Susantis und Sarwendahs Zeiten, aber dennoch sind Siege von deutschen Spielerinnen gegen Kontrahentinnen aus dem Land der Supermacht eine Rarität. Dabei sah es am Anfang gar nicht gut aus für unsere ehemalige Jugendeuropameisterin. Sie quälte sich durch den ersten Satz. Und auch im zweiten Satz lief es zunächst nicht besser. 0:3. Die kleine Indonesierin war flink, spielte variabel, mitunter sogar trickreich. 4:6. Den deutschen Zuschauern schwante nichts Gutes, zumal die Insider wussten, dass sich Juliane am Tag zuvor eine Zerrung im Oberschenkel zugezogen hatte, um die sich Physiotherapeut Andy Richter aufopfernd kümmern musste. Doch dann nahm das Spiel unversehens doch noch seine Wende. Der deutsche Teamchef Martin Kranitz hinterher: „Ich habe das schon mehrfach bei Juliane erlebt -  das ist, wie wenn plötzlich bei ihr ein Schalter umgelegt werden würde. Das fasziniert mich immer wieder.“
Es war jetzt ein andres Spiel. Die Lüdinghausenerin verteilte jetzt selbst die Bälle und schickte ihre Gegnerin durchs Feld. Und ihre Gegnerin wurde zunehmend hilfloser. Auch ihre Trainerin Big Verawaty, die Weltmeisterin von 1980, konnte sie in der Fünf-Minuten-Pause nicht wieder auf die Beine bringen.

Den Fall des letzten gegnerischen Clears verfolgte Juliane an ihrer Grundlinie fast im knien: Aus! Game und Match: Juliane Schenk. „Ich bin natürlich überglücklich“, freute sie sich hinterher mit strahlenden Augen. „Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, da es zunächst gar nicht lief. Aber ich bin einfach dran geblieben und hab mir immer gesagt: Irgendwann macht sie auch Fehler.“

     

Björn Siegemund & Nicol Pitro – CHEW Choon Eng & CHIN Eei Hui (MAS) 13:15 14:17

Während Juliane die Wende herbeikämpfte, musste sich auf dem entgegengesetzten Feld in der Halle unser Mixed in einem Hexenkessel bewähren. Etwa hundert malaysische Fans unterstützten ihre Spieler mit Knallröhren und Geschrei. In verspottendes „Thank you“ gab es für jeden deutschen Fehler, ein entsetztes Oiiii für Fehler des eigenen Teams. Und davon gab es reichlich. Doch unsere beiden konnten kein Kapital daraus schlagen. Zu häufig wurde Nicol abgeschossen, zu häufig verlangsamte Björn das Spiel durch Versuche, mit verzinkten Schläge zum Vorteil zu kommen. Im zweiten Satz hatten sie bis ganz zum Schluss die Nase vorn, am Ende aber nicht die Willenskraft und Energie, wenigstens diesen Satz für sich zu entscheiden. Eine große Chance wurde nicht genutzt.  

     

Thomas Tesche & Kristof Hopp – Stanislav Pukhov & Nikolaj Zuev 9:15 11:15

(28.7.) Im Vorhinein war klar, dass es keine leichte Aufgabe für unsere beiden werden würde. Pukhov & Zuev hatten immerhin auf EBU-Ebene in letzter Zeit etliche Erfolge erzielen können. Zudem war Hopp durch eine Schulterverletzung gehandicapt.

Dennoch verlief der Auftakt erfreulich. 6:3. Doch bei 8:8 hatte die Russen sie ein und gingen auch gleich 10:8 in Führung. Die Deutschen versuchten zwar den russischen Angriffen durch flache Abwehr zu entgehen, doch es gelang nur unzureichend. 9:15 hieß am Ende.

Im zweiten Satz der gleiche Verlauf. Hopp&Tesche verschafften sich aggressiv eine 8:4-Führung. Doch wieder konnten sie sie nicht halten. Zwar gewannen sie noch etliche Mal das Aufschlagrecht, aber zu Punkten wurden sie nicht genutzt. Nach 46 Minuten war das Spiel vorbei.

 


© 2004 Deutscher Badminton-Verband e.V.