Stars - Nicole Grether

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Für Nicole Grether (li) und Doppelpartnerin Juliane Schenk wird es künftig hoffentlich häufig so strahlende Gesichter geben, wie hier nach ihrem Sieg bei der Mannschafts-WM 2005 gegen die Ukraine. Foto: Edwin Leung.

      

Nicole Grether wechselt von Berlin an den Bundesstützpunkt Mülheim

   

„Man muss mit den besten Spielern bereits im Training zusammenarbeiten“

   

(17.11.05) Nach der WM in Los Angeles im September führten Bundestrainer Detlef Poste und Nicole Grether ein grundlegendes Gespräch über die sportlichen Perspektiven unserer Rekordnationalspielerin im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2008 in Peking. Damals machte der Bundestrainer noch einmal sein Bestreben deutlich, es sei zum Erreichen des erklärten Ziels, bis 2007/08 mit den DBV-Athletinnen und -athleten in die Weltspitze vorzudringen, unbedingt notwendig, dass alle Kaderathleten gemeinsam an den Bundesstützpunkten trainieren. (Vgl. Bericht vom 23.6.05 „Mit einem chinesisch-dänisch-deutschen Trainingsmodell…“)
Diesem Wunsch ist Nicole Grether jetzt gefolgt. Sie wird nach Abschluss der laufenden Saison von Berlin nach Mülheim umziehen. Damit kann zukünftig auch unser zurzeit bestes Damendoppel Grether & Schenk täglich gemeinsam am „Damenstützpunkt“ trainieren und die Olympiaqualifikation für Peking in Angriff nehmen. Sehr zur Freude des Bundestrainers. Poste: „Für uns als DBV ist die Situation relativ klar: Juliane und Nicole haben mit dem bisherigen getrennten Training fast ihr maximales Potenzial erreicht. Aber es gibt durchaus noch Spielraum nach oben, vor allem in der taktischen Abstimmung und der Wettkampfführung unter Stress. Beide Bereiche können aber optimal nur gemeinsam erarbeitet werden. Das wollen wir jetzt versuchen und hoffen, dass dadurch eine Entwicklung unter die ersten zehn der Welt möglich ist. Platzierungen von 15 oder 20 in der Weltrangliste, wie wir sie bisher hatten, sind zwar schon eine gute Leistung, helfen uns aber als Verband nicht entscheidend weiter. Es ist abzuwarten, wie Nicole die Umstellung ihrer Gesamtsituation verträgt - aber die Chance, es mit unserem Topdoppel an einem Stützpunkt zu versuchen, müssen wir nutzen. Ich hoffe, Nicole wird sich wohlfühlen!"
Die Entscheidung zeigt, dass es die Nicole ernst meint, wenn sie davon spricht, dass es ihr Traum sei, sich zum drittenmal für Olympische Spiele zu qualifizieren. Auch die aktuellen Ergebnisse der laufenden Saison mit den drei Siegen von Belgien, bei den Bitburger Open und von Norwegen zeigen, dass mit der 31-Jährigen in Zukunft zu rechnen ist.

  

badminton.de sprach mit Nicole Grether über die Beweggründe für den Wechsel:

   

Nicole, du hast es bislang vorgezogen, in Berlin zu trainieren. Was waren die Beweggründe jetzt doch deinen Wohnort nach Mülheim zu verlegen?
Unser Bundestrainer Detlef Poste hat bereits in der Vergangenheit mehrere Gespräche mit mir über die sportliche Perspektive geführt. In diesen Gesprächen wurde immer wieder darauf verwiesen, dass eine weitere Förderung durch den DBV nur möglich ist, wenn einerseits die sportlichen Leistungen stimmen, andererseits auch meine Anwesenheit im Damenstützpunkt in Mülheim garantiert ist. So wurde bereits die finanzielle Unterstützung in den vergangenen Jahren reduziert mit der Begründung, dass nur Kaderathleten die am Stützpunkt trainieren eine optimale Förderung erhalten können. Aber meine Bedingungen in Berlin sind hervorragend. Ich verbinde mit dem Wechsel jedoch auch die Hoffnung und den Wunsch, dass ich das in den Jahren zuvor gezeigte Leistungsniveau noch weiter verbessern kann.

Du hast in Berlin gut trainieren können?
Ja. Es sind nicht nur die optimalen Trainingsbedingungen mit den hervorragenden Trainern die ich für den sportlichen und auch für den mentalen Bereich habe, es sind auch eine Vielzahl anderer Faktoren, die mir als Voraussetzungen für meine sportlichen Erfolge gelten.

Kannst du ein paar nennen?
Mein intaktes soziales Umfeld, die optimale Betreuung durch den Olympiastützpunkt, die Bundeswehr. Aber auch meine Sponsoren wie Yonex, EnergieDienst AG und Check it out Fitness Sport und letztlich auch meine Eltern. All denen habe ich viel zu verdanken.

Bisher hast du hauptsächlich mit deinem Privattrainer Bram Fernardin gearbeitet?
Ja, so ist es. Mit Bram habe ich wirklich einen super Trainer, der sich immer auf meine möglichen Bedingungen einstellen konnte. Aber nicht nur Bram hat mich über Jahre begleitet. Ich habe auch eine Mentaltrainerin, mit der ich regelmäßig arbeite. Wie gesagt, hier in Berlin gibt es eine Vielzahl von Personen in meinem Umfeld, die sehr viel für mich tun. Einige aufzuzählen birgt die Gefahr, dass ich den einen oder anderen vergesse. Deshalb lasse ich es.

    

"Für mich ist der Wechsel nach Mülheim jedenfalls ein großes Risiko und eine Herausforderung zugleich, welcher ich mich aber stellen möchte."

       

Dann aber noch einmal zurück zu den Beweggründen, die genannten sprechen ja eher gegen eines Wechsel.
Ich habe das Gefühl, dass ich noch lange nicht meinen Zenit sportlicher Leistungen erreicht habe. Eine Umsetzung meiner weiteren Ziele, unter anderem eine Teilnahme an einer dritten Olympiade kann ich nur unter der Bedingung realisieren, wie sie nun mal durch den DBV vorgegeben wird. Und mein Traum ist es, mich noch einmal für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Ob der Wechsel nach Mülheim die richtige Entscheidung ist, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Für mich ist es jedenfalls ein großes Risiko und eine Herausforderung zugleich, welcher ich mich aber stellen möchte.

Weißt du schon, wann der Umzug stattfinden soll?
Der genaue Umzug nach Mülheim steht terminlich noch nicht fest, aber ich denke es wird Juni werden. In den ersten Monaten des Jahres macht es wenig Sinn, weil wir eh pausenlos auf Turnieren sind.

Du wirst aber weiter als Sportsoldatin bei der Bundeswehr bleiben?
Ich werde weiterhin der Sportfördergruppe der Bundeswehr angehören. Ich bin in Potsdam stationiert, bin Stabsunteroffizier – in Klammern weiblich, wie das offiziell heißt.

Behältst du deine Wohnung in Berlin oder ziehst du ganz um?
Meine Wohnung in Berlin werde ich nicht aufgeben. Da bin ich froh, dass ich die gefunden habe, mitten in Charlottenburg.

Und für EBT Berlin wirst du auch weiter spielen?
Klar. Ich bin dem Verein dankbar, was er für mich in der Vergangenheit geleistet hat. Die Truppe ist super und es macht mir riesig Spaß mit solch tollen Teamkollegen spielen zu können. 

Werdet ihr denn in diesem Jahr Deutscher Mannschaftsmeister?
Wär super, wenn wir wieder bis ins Finale kämen wie in der letzten Saison. Favorit in der Bundesliga ist für mich aber Bischmisheim.

          

"Ich will auch ein Zeichen setzen für die anderen Kaderathleten, die bisher noch gar nicht am Stützpunkt trainieren, meinem Entschluss zu folgen."

           

Was erhoffst du dir, wenn du jetzt am Damenstützpunkt in der Gruppe trainierst?
Das ist wirklich eine schwierige Frage. Teilweise habe ich sie ja bereits beantwortet. Hauptsächlich geht es mir darum, dass ich mit meiner Freundin Juliane Schenk optimaler trainieren kann. Immerhin haben wir unsere bisherigen Erfolge erreicht, ohne dass wir ein wirklich gemeinsames Training hatten. Darum verspreche ich mir von täglichem gemeinsamen Training sehr viel. Natürlich will ich auch ein Zeichen setzen für die anderen Kaderathleten, die bisher noch gar nicht am Stützpunkt trainieren, meinem Entschluss zu folgen. Andere wirklich erfolgreiche Sportarten machen es uns immer wieder vor, dass man mit den besten Spielern bereits im Training zusammenarbeiten muss. Besonders ist dies jedoch wichtig, weil unsere Decke an wirklich guten Spielern sehr dünn gesät ist. Gerade deswegen wäre es auch wichtig für uns, dass auch Huaiwen Xu, unsere WM-Bronzemedaillengewinnerin, am Stützpunkt in Mülheim trainiert. Hier würden vor allem unsere Einzelspieler wie Juliane, wie Petra Overzier, aber auch ich, ganz wesentlich vor allem längerfristig profitieren.
Was ich aber auch nicht vergessen möchte ist, dass ich mit meinem Entschluss in Mülheim trainieren zu wollen, auch etwas an den DBV zurückgeben möchte. Dieser hat mich über Jahrzehnte mit seinen Möglichkeiten unterstützt.

Warum glaubst du, ist es mit eurem Doppel, mit dem ihr ja schon einmal ganz nah dran ward an den asiatischen Spitzen-Doppeln, im vergangenen Jahr nicht so recht weitergegangen ist?
Die Frage ist so leider nicht korrekt gestellt, da sie eine Behauptung beinhaltet, die nicht richtig ist. Die Qualifikation für Athen ist schon eine tolle Leistung gewesen. Natürlich ist in diesem Zusammenhang auch unsere Weltranglistenplatzierung zu sehen. Um dies zu erreichen, hatten wir eine enorm hohe Belastung auf uns genommen. Wir mussten viele Turniere besuchen, um eine entsprechende Weltranglistenplatzierung erreichen zu können.

Die Bewertung, die in der Frage steckt, ist unter der Voraussetzung getroffen, dass ihr den Blick von eurem Leistungsstand aus nach vorne richtet. Gute Ergebnisse in Europa erzielt ihr ja immer noch.
Nach der Olympiade wurden die Karten neu gemischt. So hatten wir mit Detlef Poste einen neuen Bundestrainer, der auch seine Vorstellungen davon hatte, wie der nächste Vierjahreszyklus aussehen sollte. Wir hatten nun einmal nicht die Möglichkeit, nach Athen an mehr Turnieren teilzunehmen, als wir gespielt haben. Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir nicht weiter trainiert hätten oder uns nicht weiterentwickelt haben. Wenn man sich die aktuellen Ergebnisse anschaut, dann haben wir Erfolge, die wir in den Jahren zuvor nicht unbedingt hatten. Im Doppel haben wir eine akzeptable Platzierung unter den Top 20. Mit meinem Wechsel nach Mülheim verspreche ich mir, dass dieser Weg sich so fortsetzen lässt. Daran wollen wir weiter hart arbeiten.

   

"Ich will mit dem Entschluss, in Mülheim zu trainieren, auch etwas an den DBV zurückgeben."

         

Und mit deiner Partnerin Juliane Schenk verstehst du dich gut?
Juliane hat sich ja auch super in den letzten Monaten entwickelt und es macht mir riesig Spaß mit ihr zu spielen. Im Einzel zählt sie nun wohl schon als Nummer zwei in Deutschland und ich wünsche mir, dass sie in naher Zukunft an der Vorherrschaft unserer Nummer eins kratzt. Abschließend möchte ich noch sagen, dass ich mich auf Mülheim freue. Ich weiß aber gleichzeitig, dass dies auch ein Risiko für meine sportliche Entwicklung darstellt. Meine Bedingungen sind super, diese nun zu toppen wird sicher nicht leicht für den DBV.

badminton.de sagt vielen Dank und wünscht dir viele Punkte, Nicole.


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