Thomas Cup 2006
Mannschafts-WM der Herren

 

Die deutschen Spiele

 

 


Aus Japan berichtet Martin Knupp
Fotos von Edwin Leung

 

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Mo 1. Mai17 Uhr: Achtelfinale war Endstandstation fuer deutsche Herren

   

Roman Spitko steigerte sich enorm - leider ist das Turnier fuer die deutschen Herren vorbei

      

Deutschland – Suedkorea 0:3

1.E: Björn Joppien – LEE Hyun-Il 17:21 20:22
1.D: Kristof Hopp & Ingo Kindervater – JUNG Jae-Sung & LEE Yong Dae 20:22 15:21
2.E: Roman Spitko – PARK Sung Hwan 14:21 21:18 18:21
2.D: Michael Fuchs & Tim Dettmann - HWANG Hi Man & HAN Sang Hoon und
3.E: Marcel Reuter – JANG Young Soo nicht mehr gespielt.

Grosser Auftritt von Roman Spitko heute, fuer den das Turnier offensichtlich zu frueh zu Ende geht. Nach schwachem Start gegen Indien steigerte er sich gewaltig und spielte gegen Bao Chunlai und Park Sung Hwan bemerkenswerte Spiele. Er hatte den Koreaner am Rande einer Niederlage. Doch in der Schlussphase entglitt ihm die Matchkontrolle. Bei 17:19 versemmelte er ein Toeten mit der Rueckhand ins Netz. Dann gewann er ein Drive-Duell, um anschliessend eine Aufschlagannahme ins Aus zu setzen. 18:20. Und den letzten Punkt erhielt der Koreaner, weil Roman einen Clear ns Seitenaus platzierte. 

Bjoern Joppien fuehlt sich wieder erstarkt

Knapp am Satzgewinn war auch Bjorn Joppien. Aber wie gestern reichte es wieder nicht ganz. Bjoern: "Dazu faellt mir nichts mehr ein. Zweimal Satzball gehabt und zweimal verpasst. Aber dennoch, das Spiel hat Spass gemacht, das Turnier ueberhaupt. Ich habe ein Niveau abgerufen, wie ich es in den letzten Spielen gegen diese Klasse von Gegnern nicht gebracht habe. Insoweit bin ich ganz zufrieden. Ich kann ein solches Spiel mitgehen. Das ist ein Fortschritt, wenn man bedenkt, dass ich von beiden in unseren letzten Begegnungen einen auf die Muetze gekriegt habe. "
Besonders schmerzlich ist dem Deutschen Meister dabei die Niederlage gegen Lin Dan beim Erdteilvergleichskampf im vorigen Juli in Manila in Erinnerung, wo er 3:15 2:15 unterging.
"Erfreulich ist auch, dass ich eine gute Leistung drei Tage hintereinander habe bringen koennen. Das war in der Vergangenheit auch nicht immer der Fall. Da hat mir nach guten Spielen oft die Kraft fuer's naechste gefehlt. Es ist natuerlich aergerlich, dass ich keinen Satz geholt habe. Das haette mir noch mehr gegeben. Aber es sollte nicht sein."

Ein Sieg und zwei Niederlagen lautet auch die Bilanz unseres Spitzendoppels Kindervater & Hopp. Wie schon gestern gegen China mussten sie auch heute wieder die Ueberlegenheit ihrer asiatischen Gegner anerkennen. Ingo nach dem Spiel: "Die Jungs spielen ja nicht langsam und fuer dieses Tempo haben wir heute wenig Fehler gemacht. Wenn man auf diesem Niveau mitspielen kann, ist es doch schoen. Schade, dass wir den Ersten nicht wenigstens gewonnen haben. Auf zwei beide sind wir ja noch rausgekommen. Aber wir koennen uns nichts vorwerfen, die beiden folgenden Punkte waren beide nach laengeren Ballwechseln und keine bloeden Fehler."

Wie faellt seine Gesamtbilanz aus?

"Gegen die Inder im ersten Spiel mussten wir gewinnen, das war klar. Die Chinesen gestern waren so schnell, sowas habe ich noch nicht erlebt. Und wir haben ja schon gegen einige Spitzendoppel gespielt mittlerweile. Die beiden kamen mir extrem gut vor. Aergerlich, dass wir als Mannschaft gegen Indien verloren haben. Es ist naemlich schoen beim Thomas Cup dabei zu sein, weil man bei diesem Turnier gleich gegen mehrere Spitzendoppel antreten kann und nicht nur wie beim normalen Turnier, wenn man ein Spiel verliert wieder abreisen kann. Heute war unser bestes Spiel. Wir haben mal wieder oben dran geschnuppert." 

Erwartete Niederlage gegen Titelverteidiger China

    

Marcel Reuter knöpfte Chen Jin einen Satz ab

    

Deutschland – China 0:5

1.E: Björn Joppien – Lin Dan 20:22 7:21
1.D: Kristof Hopp & Ingo Kindervater – FU Haifeng & CAI Yun 8:21 13:21
2.E: Roman Spitko – BAO Chunlai 20:22 8:21
1.D: Michael Fuchs & Tim Dettmann – XIE Zhongbo & GUO Zhendong 12:21 12:21
3.E: Marcel Reuter – CHEN Jin 21:16 7:215:21.

Das Spiel gegen China verlief erwartungsgemäß. Aufmerksamkeit erregte nur Marcel Reuter, der einen Satz gegen German-Open-Sieger Chen Jin gewann. Der Wiebelskirchener spielte frech mit und musste erst klein beigeben, als Chen in kaputt gespielt hatte. Marcel: „Im ersten Satz hab ich Vollgas gegeben. Hab versucht alles reinzutun in der Hoffnung dass er mich vieleicht nicht ganz so ernst nehmen wuerde. Bei elf hat er dann wohl gemerkt, dass er aufpassen muss. Aber ich habe auch danach alle meine Möglichkeiten genutzt und es hat gereicht.“

Nach dem Spiel war Marcel körperlich so fertig, dass er seine Mannschaftskameraden nicht mal zu einer „Welle“ animieren konnte. „Im Zweiten und Dritten hat er alles bekommen und jeden Ball zurück gespielt. Jeder Angriffsschlag von mich hat Kraft gekostet und ich war körperlich fertig.“
Dennoch war er zufrieden mit seiner Vorstellung: „Ich hätte vor dem Spiel nicht damit gerechnet, überhaupt einen Satz gewinnen zu können. Wenn man dann sieht, dass auch die Weltklasse zu schlagen ist und nicht unerreichbar weit weg ist, dann gibt das schon Mut weiter zu trainieren.“
Chancen muessen genutzt werden
Beeindruckt von Marcels Vorstellung war auch Bundestrainer Jeroen van Dijck:“ Ich bin sehr zufrieden mit Marcel. Erstaunlich, wie gut er sich entwickelt hat vor allem in den letzten drei Monaten. Er trainiert seit einem Jahr richtig hart, aber er hatte bisher noch keine Belohnung dafür bekommen, durch Turnierergebnisse meine ich. Aber vor kurzem hat er Pang geschlagen, gegen Palyama drei Sätze gespielt, heute gegen Chen einen Satz geholt – das ist ein weiterer Schritt für ihn. Immerhin gehört sein Gegner zur absoluten Weltklasse und er ist wahrscheinlich auch in Bestform, denn für Chinesen und Indonesier sind ja Thomas Cup und WM die wichtigsten Turniere überhaupt.“

Was die übrigen Spiele anging, gab sich van Dijck realistisch: „Es war ein gutes Match insgesamt. Wir haben über drei Stunden gespielt. Wir konnten nicht mit einem Sieg rechnen. Auch die Doppel sind besser als unsere. Vor allem an der Aufschlagphase müssen wir noch weiterarbeiten, besonders beim dritten Schlag. Obwohl wir das schon seit einiger Zeit auf dem Programm haben, sind die Chinesen da noch viel besser. Das hat man heute gesehen.“
Mit den beiden vorderen Einzeln war er nicht uneingeschraenkt zufrieden. „Die Chinesen sind natürlich super, aber unsere müssen lernen, Chancen die sie bekommen, auch zu nutzen. Björn hat 20:18 geführt, auch Roman lag 20:19 vorne. Beide haben den Satz aber verloren. Das wird eine Herausforderung für uns Trainer, sie hier entschlossener zu machen.“

Deutschland verfehlt Platz zwei in der Gruppe

   

Kloß im Hals - Indische Curry-Smash zu scharf für unsere Herren

 

   

Deutschland – Indien 2:3

1.E: Björn Joppien – Chetan Anand 21:17 21:12
2.E: Conrad Hückstädt – Anup Sridhar 20:22 21:14 6:21
3.E: Roman Spitko – Arvind Bhat 14:21 21:17 16:21
2.D: Kristof Hopp & Ingo Kindervater – Zhomas Kurian & Jaseel P. Ismail 21:9 21:16
1.D: Michael Fuchs & Roman Spitko – Rupesh Kumar & V. Diju 18:21 12:21

 

Gleich im erste Auftritt hier in Sendai haben unsere Herren die Chance auf einen Viertelfinalauftritt in Tokio verspielt. Gegen Indien gab es eine knappe 2:3-Niederlage. Wenn morgen nicht das Wunder eines Sieges über China geschieht, wird man damit Gruppendritter und bekommt es im Achtelfinale mit einem Gruppenersten zu tun.

Dabei fing alles bestens an. Björn Joppien zeigte sich in blendender Verfassung und startete stark. Vorgehensweise: Kurze Aufschläge – Ablegen – Versenken. Über 6:0 ging er 9:4 in Führung. Nur Mitte des Satzes kam er kurzfristig ins Schwimmen. Bis 15:14 kam Anand heran. Er schickte unseren Deutschen Meister zunehmend durchs Feld. Aber der konnte sich aus dem Druck befreien. Bei 18:15 gelang ihm ein spektakulärer verzögerter Smash cross. Das gab genug Selbstvertrauen für den Rest des Spiels. Björn hinterher zufrieden: „Souverän in zwei Sätzen gewonnen! Hatte ich eigentlich auch erwartet, ich hab noch nie gegen ihn verloren. Nur Mitte des Satzes hat er mich mit einigen verdeckten Schlägen in Schwierigkeiten gebracht. Aber ich hab das durch gute Qualität am Netz dann hingekriegt.“

Erstaunlich gut begann auch Conrad Hückstädt im zweiten Einzel. Ihm gelangen einige aufsehenerregende Netzfinten. Aber er konnte sich nicht entscheidend absetzen. Immer wenn er mit seinen Clears zu kurz wurde, kamen tödliche Smashs seines Gegners. Er erste Satz ging trotz der guten Leistung verloren. Im Zweiten dominierte Conrad dann, aber sein Gegner konzentrierte sich wohl schon auf den Dritten. Und den begann er so rasant, dass Conrad gleich derart in Rückstand geriet, dass er ohne Chancen blieb. „Ich hab schon einen Kloß im Hals“, erklärte er nach dem Spiel. „Gerade weil es ein Mannschaftsspiel war. Im Einzel hätte ich noch etwas Gutes herauslesen können, aber beim Mannschaftsspiel nutzt das wenig. Da muss jetzt ein anderer diese Niederlage ausbügeln. Woran es im Detail lag, darüber hab ich jetzt keinen Nerv, nachzudenken. Als ich den zweiten Satz begann, hab ich nicht darüber nachgedacht, dass er erste knapp verloren war. Im Dritten hab ich es nicht geschafft, in meinen Rhythmus zu kommen. Ich hatte gleich hohen Rückstand und da ist es bei der Zählweise schwierig, noch aufzuholen.“

Roman überfordert

Dann kam Roman Spitko, der neben seinem Doppel auch noch im Einzel im Einsatz war. Nachdem Marc Zwiebler wegen seiner Langzeitverletzung ausgefallen war, hatten die deutschen Trainer auf ihn als Einzelspieler zurückgegriffen, der ja seine Fähigkeiten in dieser Disziplin bei den German Open Aufsehen erregend unter Beweis gestellt hatte, als er den koreanischen Silbermedaillengewinner Shon schlug.

Heute war er von dieser Leistung weit entfernt. Ihm gelang nicht viel. Er fand lange kein Rezept gegen den in der Bundesliga für Neubiberg spielenden Bhat. Erst Mitte des zweiten Satzes bekam er das Spiel in den Griff. Doch der Schluss des dritten Satzes glich wieder dem ersten. Das Spiel war zerfahren, es gab kaum längere Ballwechsel  Riesenprobleme bereiteten ihm seine eigenen Aufschläge. Bei kurzen setzte ihn der Gegner unter Druck, hohe schlug er etliche Male ins Aus, was dem Gegner immer gleich einen Punkt bringt. Bis 12:14 war Roman noch dabei, danach vergrößerte sich Bhats Führung zunehmend.

Kristof Hopp & Ingo Kindervater spielten ein beeindruckendes Spiel und ließen ihren Gegnern keine Chance. Druckvoll und konsequent schickten sie die Inder vom Feld. Im Unterschied zum Einzel, wo man von deutscher Seite zufrieden war, dass Hückstädt vor Spitko in der Weltrangliste platziert ist und daher an zwei spielen konnte, war es im Herrendoppel von Nachteil, dass Kindervater & Hopp zurzeit knapp hinter Fuchs & Spitko stehen.

Die Entscheidung fiel also im ersten Herrendoppel. Und  erneut war es ein zerfahrendes Spiel. Unseren beiden gelang nicht viel. Kaum lange Ballwechsel kamen zustande. Die Anzahl der gelungenen Aktionen, die von der deutschen Bank mit Trommeln und Sirenen begleitet wurden, blieb gering. Unsere waren viel zu oft in der Defensive und auch am Netz kamen sie oft zu spät um noch abwärts spielen zu können. Und wenn sie mal in den Angriff kamen, brachten sie ihn nicht durch. Die deutliche 12:21-Niederlage im zweiten Satz brachte nicht nur dem Doppel die Niederlage sondern auch der Mannschaft.

 

Trainer Jereon van Dijck: „Wir wussten vorher, dass es richtig hart werden würde. Aber nach Björns Sieg dachte ich, wir hätten es gepackt. Anfangs sah es auch gut bei Conrad aus. Er hat einen guten ersten Satz gespielt. Schade, dass er ihn nicht nimmt. Wir wissen, weil er ja jetzt berufstätig ist, kann er nicht mehr so viel trainieren. Daher ist ein dritter Satz schwer für ihn. Roman habe ich schon besser gesehen. Es war nicht sein Tag. Außerdem war es für uns von Nachteil, dass Kristof & Ingo wegen der Weltranglistenplätze im zweiten Doppel spielen mussten und Roman & Michael im ersten.“

Auch Team-Manager Martin Kranitz war die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben :“Es gibt Tage das läuft es nicht. Heute war so einer. Schade, damit werden die Herren aller Wahrscheinlichkeit nach im Achtelfinale auf Korea oder Indonesien treffen. Das Spiel war offen. Dass die Inder stark sein würden, hatten wir erwartet, weil sie bei der Asienqualifikation immerhin Thailand und Singapore hinter sich gelassen hatten. Wir hatten auch nicht viele Infos über die Spieler, da es teilweise eine junge Mannschaft haben, die noch nicht viel in Europa gespielt haben. Roman hatte nicht seinen besten Tag. Und dann lag auch noch die Last von zwei Spielen auf seinen Schultern.“


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