Badmintologie

  

Zur Titelseite Badmintologie.

  

   

Manfred Blauhut aus Leipzig wurde Badmintologe des Jahres 2000

  

       

Das Badminton-Jahrhundert fest im Blick

   

          

Von Katja Förster - Quelle: Badminton Sport 3/2001

   
       

Die Berichterstatterin ist gespannt. Mit der Frage aller Fragen im Sinn besucht sie den Millenium-Wissenschaftler: Wie sieht das Arbeitsstübchen eines praktizierenden Badmintologen aus? Bitte eintreten, aber Vorsicht...

...denn in dem Wissensstübchen herrscht geordnetes Chaos. Berge archivierter Badminton-Sport-Ausgaben auf dem Boden fordern bedachte Schritte, denn Eselsohren sind nicht erlaubt. Die Sammlung angeknabberter Bleistiftstummel zeugt von den geistigen Anstrengungen der letzten 12 Monate. An den Wänden prangt ein ausgeklügeltes Regalsystem. Neben Standardwerken wie dem Knupp’schen Lexikon und der federleichten Badmintonfibel findet das geschulte Auge hier auch ein Exemplar der limitierten Ausgabe von »Badmintologie: Lehre vom Kommen, Sein und Gehen des Badminton«. Doch damit nicht genug: Für gute Freunde (und hartnäckige Reporter!) öffnet Manfred Blauhut sogar seinen Tresor. Hier lagern Antiquitäten - in Form von illustren DDR-Federballzeitungen, die ihm den vielleicht entscheidenen Vorsprung im Kopf-an-Kopf-Rennen gegen anerkannte Badmintologen wie Claus-Jürgen Rüther oder Horst Rosenstock geliefert haben.

Diplomsportlehrer
Bedauerlicherweise ist die Badmintologie trotz ihres Boomes in den vergangenen zwei Jahren noch immer eine nahezu unbekannte und - abgesehen vom hochdotierten Badmintobelpreis - schlecht bezahlte Wissenschaft. Diesen Trend hat der heute 47-jährige Leipziger Blauhut schon früh erkannt und sich mit seinem Beruf als Diplomsportlehrer ein sicheres Standbein geschaffen. Zusammen mit seiner Frau und zwei Kindern (Tochter 17, Sohn 15) lebt er in der Messestadt Leipzig.
„Manne“ – wie er überall nur heißt - ist der beste Gegenbeweis dafür, dass Wissenschaftler angeblich nichts mit der Praxis am Hut hätten. Er beherrscht das praktische Badmintonspielen min-destens ebenso gut wie dessen Theorie.

Einer der Erfolgreichsten seines Clubs
Seine ersten Erfahrungen mit Ball und Schläger sammelte der Sachse bereits 1966 in der BSG Fortschritt seiner Geburtsstadt Meerane. Seit 1975 gehört er zum festen Kern des heutigen Regionalligisten HSG DHfK Leipzig und ist in seinen Funktionen als Übungsleiter, Kinderwart, Vorstandsmitglied und aktiver Spieler ohne Frage einer der engagiertesten und überdies erfolgreichsten Mitglieder seines Vereins. Bereits 1977 wurde er DDR-Studentenmeister im Einzel und setzte in den Folgejahren noch einige DDR-Vizemeistertitel dazu. Nach der Wende gewann er mehrfach die sächsischen und südostdeutschen Altersklassenmeisterschaften und holte zwei dritte Plätze bei den DM im Einzel und Doppel. Sein größter Erfolg aber ist der fünfte Platz bei den Europameisterschaften der Senioren O45 vor zwei Jahren in Innsbruck.
Außerhalb des Badmintonsports ist der „Workoholic“ zudem noch ein geschätzter Mitarbeiter im Organisationskomitee Deutsches Turnfest 2002. Bleibt da eigentlich noch Zeit für „echte“ Hobbies?
Darauf angesprochen, räumt Manfred Blauhut gleich mit zwei weiteren Vorurteilen gegen Wissenschaftler auf. Von wegen humorlos und zwei linke Hände! Läßt es die Zeit zu, trainiert der Familienvater seine Lachmuskeln bei Kabarett-Besuchen und seine feinmechanischen Fähigkeiten beim Tüfteln an der Modelleisenbahn.
Bleibt eigentlich nur noch eine Frage offen: Gibt es etwas, was dieser Mann(e) nicht kann? Nun..., in Insiderkreisen kursiert da eine Geschichte: Im Entscheidungsspiel zur DDR-Mann-schaftsmeisterschaft der Jugend im Jahr x, setzte Jugendtrainer y vier Damen statt der zugelassenen drei ein und brachte Leipzig somit vorzeitig um den Meistertitel. Man-o-Manne!
Aber gut zu wissen, auch Badmintologen sind nur Menschen!
In diesem Sinne - herzlichen Glückwunsch.

 


© 2004 Deutscher Badminton-Verband e.V.