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Wie kommt man zurück auf die Erfolgsspur? Lässt sich Björn Joppien (li) von Bundestrainer Poste überzeugen? Foto: Leung.

Deutschlands Nummer eins soll am Olympiastützpunkt in Saarbrücken statt in Langenfeld trainieren

  

Wie wird Björn sich entscheiden?

       

(9.12.05) Chefbundestrainer Detlef Poste macht weiter Druck, was das gemeinsame Training seiner Nationalspieler angeht. Nur so sieht er eine Realisierungschance für seinen erklärten Plan (s. Meldung vom 23.6.05), Deutschland in die Weltspitze zu führen. Nachdem er zunächst Nicole Grether überzeugen konnte, dass es für ihre weitere Entwicklung günstiger sei, wenn sie nicht weiter allein an ihrem Wohnort Berlin trainiere (s. badminton.de-Gespräch vom 17.12.05), besprach er die gleiche Problematik mit Björn Joppien. Der fünffache Deutsche Meister trainiert seit eh und je in seinem Langenfelder Heimatverein unter seinem Trainer Xu Yan Wang und hatte sich in der Vergangenheit lediglich bereit erklärt, eine bestimmte Anzahl von Tagen in Saarbrücken mitzutrainieren.
An der Besprechung im November nahmen auch Björns Vater Günther, der Teammanager des Erstligisten FC Langenfeld, und der für den Leistungssport zuständige DBV-Vizepräsident Dietrich Heppner teil.
Detlef Poste legte vor allem zunächst dar, dass bei Björn seit nahezu zwei Jahren eine unübersehbarer Leistungsstagnation zu beobachten sei. Wenn hier eine Wende herbeigeführt werden soll, könne dies nur über einen Wechsel zum OSP Saarbrücken geschehen, wo Björn unter der Leitung von Bundestrainer Jeroen van Dijk mit den anderen Herren des Nationalkaders und einer Vielzahl guter internationaler Spieler vom IBF-Trainingscenter gemeinsam trainieren könne.
Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, wurde von den DBV-Vertretern deutlich gemacht, dass es nur unter diesen Umständen in Zukunft noch eine optimale Förderung geben könne. Im Fall, dass Joppien sich dagegen entschiede, bliebe er zwar weiterhin Mitglied des Nationalkaders und würde zu den Nationalmannschaftswettbewerben auch nominiert, müsse sich aber um die Finanzierung seiner sonstigen Turnierbesuche und seine Betreuung selbst kümmern. Da ein Wechsel mitten in der Saison wenig Sinn mache und die Verlagerung des Lebensmittelpunktes auch einen Vorlauf benötige, wurde als denkbarer Wechseltermin Juni 2006 genannt. Bei dem Gespräch vereinbarte die beteiligten Parteien die Veröffentlichung einer von allen abgesegneten Verlautbarung. Sie hat folgenden Wortlaut:

Ausgangslage
Seit Anfang 2005 ist es das Ziel des DBV, bei der WM 2007 und/oder den Olympischen Spielen 2008 Spieler unter die Top Acht der Welt zu bekommen. Vor diesem Hintergrund war Anfang des Jahres 2005 mit Björn Joppien eine Vereinbarung getroffen worden, dass er als Ergänzung zu seinem Haupttrainingsstandort Langenfeld für 40 Tage pro Jahr am OSP Saarbrücken mittrainieren soll. An diese Vereinbarung war die  Aufrechterhaltung der Förderung durch den DBV mit einem Platz bei der Sportförderkompanie der Bundeswehr verknüpft. Es wurde zudem vereinbart, dass diese Lösung nach einem Jahr überprüft werden solle.
Nach Ansicht der Leistungssportverantwortlichen im DBV hat sich dieses "Mischsystem" aus Training in Langenfeld, 40 Tagen in Saarbrücken mit einer starken Unterstützung durch den DBV als nicht weiter Erfolg versprechend erwiesen und kann auch vor dem Hintergrund der Forderungen des DSB (Zentralisierung der Topspieler) nicht weiter aufrechterhalten werden.
Aus diesem Anlass fand am 6.11.2005 ein Gespräch zur zukünftigen Förderung von Björn Joppien durch den DBV mit Vizepräsident Heppner, Bundestrainer Poste, Björn Joppien und Günther Joppien als Berater statt.

Vorgebrachte Anmerkungen aus Sicht der DBV-Verantwortlichen
Die 40 Tage Training wurden von Björn nicht eingehalten. Dies sei allerdings auch auf längere Krankheitsperioden zurückzuführen. Die Zusammenarbeit in den gemeinsamen Trainingseinheiten war gut, das Coaching auf Wettkämpfen offen, aber problematisch, weil die Trainer den Spieler zu wenig kennen würden. Die sehr schlechte Leistung im letzten halben Jahr werde bei der Beurteilung nicht berücksichtigt, hier wird lediglich die nicht optimale Trainings- und Wettkampfplanung von Björn hinterfragt.
Unabhängig von dieser Periode sehen die DBV-Verantwortlichen seit knapp zwei Jahren eine Stagnation in den Ergebnissen und in der Weiterentwicklung als Spieler. Seit Anfang 2004 waren an guten Erfolgen lediglich Siege gegen Kaldau (WR 14), Roslim Hashim (23), Hariyanto (24) und Ponsana (12) zu verzeichnen, dagegen gab es viele klare Niederlagen gegen absolute Topspieler, aber auch gegen Spieler wie z.B. Jim Andersen (76), Lee Tsuen (29), Ahn (30), Jang (43) und weitere.
In der Spielerentwicklung wird auf die gute Entwicklung der Stärken Sprungkraft, variabler Angriff, Netzspielgefährlichkeit hingewiesen, aber auch auf die seit längerem bestehenden Schwächen im Lauf nach hinten unter Druck, in der Abwehr (speziell Rückhand), in der Wettkampfhärte und in der Belastungsverträglichkeit bei verschiedenen Belastungen.

Vorgebrachte Anmerkungen aus Sicht von Björn Joppien und Günther Joppien
Der Wille zur guten Zusammenarbeit mit dem DBV war/ist da. Die DBV-Trainer haben sich gut verhalten und waren bemüht, Björn zu unterstützen. Problem im Jahr 2005 waren die vielen Erkrankungen und Verletzungen, ausgehend von einem Bundeswehrlehrgang im Dezember 2004. Eine nicht optimale Steuerung während der Krankheitsphasen wird eingeräumt - hier wurde z.T. auch wegen Sponsorenverträgen dann doch gespielt. Die weitere Entwicklungschance in die Weltspitze wird durchaus optimistisch beurteilt, wenn jetzt wieder kontinuierlich trainiert werden kann. Björn würde sich eine Fortführung der bisherigen Förderung durch den DBV wünschen.

Einschätzung von DBV-Seite bezüglich der Entwicklungsmöglichkeiten von Björn Joppien
Der DBV sieht Björn Joppien unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht auf einem Weg unter die Top Zehn der Welt. Nur etwa ein Drittel des Jahres steht ein internationaler Gegner als Trainingspartner zur Verfügung (meist Wacha), sonst "nur" die Spieler des FCL. Die Verantwortlichen des DBV sind der Meinung, dass die sportliche Entwicklung von Björn nach etlichen Jahren hervorragender Aufbauarbeit in Langenfeld jetzt durch einen Wechsel an einen anderen Standort und zu einem neuen Trainer am besten weitergeführt würde.
Zudem hat sich am Bundesstützpunkt Saarbrücken seit Anfang des Jahres strukturell eine Menge verändert. Es ist absehbar, dass die Bedingungen für ein Herreneinzeltraining sehr gut sind/werden, weil neben den DBV-Kadern Zwiebler, Spitko (teilweise im HE), Domke, Kastens und Reuter durch die Kooperation mit den Vereinen Bischmisheim, Beuel und Ludwigshafen einige Monate pro Jahr gute Spieler (aktuell de Pauw, Yunyong, Druzchenko) im Training sind. Darüber hinaus startet Anfang 2006 die Auswahlgruppe der IBF ihr Training, so dass für gemeinsames Matchtraining sicher weitere vier bis fünf Spieler mit einer Spielstärke vergleichbar mit Marc Zwiebler anwesend sein werden. Der DBV sieht daher in einem Wechsel die größten Entwicklungsmöglichkeiten.

Konsequenzen
Ein Umzug wird daher aus DBV-sicht als unabdingbar angesehen. Björn würde dann weiter mit einem Platz in der Sportförderkompanie gefördert und er würde darüber hinaus eine noch weiter optimierte Wettkampfförderung (Turnierbesuche) erhalten. Auch in Bereichen wie Wohnungssuche usw. wurde Hilfe zugesagt.
Der Umzug muss bis zum Juni 2006 erfolgen.
Als einzige Alternative zu dem geforderten Wechsel sieht der DBV, dass der FC Langenfeld die gesamte sportliche Ausbildung und Förderung von Björn zukünftig alleine übernimmt. Björn würde zu hundert Prozent in Langenfeld trainieren, Verein/Trainer müssen den gesamten Bereich Training und Wettkampf alleine steuern, der Trainer müsste sich auf diese Aufgabe, die auch die weltweite Turnierbetreuung umfasst, konzentrieren können.
Langenfeld/Björn müssen auch alles selbst finanzieren. Internationale Trainingspartner müssen beschafft werden. Bei einer solchen Lösung belässt der DBV Björn Joppien im Kader, der Bundeswehrplatz läuft aber zum 31.10.2006 aus und nach der EM 2006 endet auch die Wettkampfförderung - außer wenn Björn für eine WM, eine EM oder für die Thomas-Cup-Mannschaft nominiert wird.

badminton.de fragte bei Björn Joppien nach, ob er seine Entscheidung über einen Wechsel schon gefällt habe. Dies sei noch nicht der Fall, erklärte der 24-Jährige: “Bis März muss ich mich ja erst entscheiden. Ich kann mir also Zeit lassen. Ich werde mir meine Entscheidung bis dahin in jeglicher Konsequenz überlegen.“
Björn sollte eigentlich beim IBF-Jahresabschlussturnier World Cup starten, für den er sich aufgrund seiner Weltranglistenplatzierung qualifiziert hatte. Eine Kieferoperation verhinderte jedoch seine Reise nach China: „Ich hatte einen entzündeten Kiefer. In der letzten Woche ist mir in der Zahnklinik in Köln ein Stück vom Kieferknochen weggebohrt worden. Nächsten Montag werden die Fäden gezogen und dann hoffe ich, wieder trainieren zu können.“
Die Zahnbeschwerden waren das jüngste Glied in einer Kette von Krankheiten und Verletzungen, mit denen sich der Langenfelder in diesem Jahr herumplagen musste. Zuvor hatte er schon den für den Herbst geplanten mehrwöchigen Feldwebellehrgang bei der Bundeswehr (s. Meldung vom 11.10.05) wegen eines verdrehten Rückenwirbels absagen müssen. Björn: „Sobald es geht, fange ich natürlich wieder an zu trainieren. Ich will alle drei Grand-Prix-Turniere im Januar inclusive der German Open spielen. Ich hoffe es klappt.“


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