Europameisterschaften 2004

   

Vom 16. bis 24. April in Genève/Genf (Schweiz)

         
  
  

      

Zur Hauptseite EM 2004 Genf.
Zur Mannschafts-EM.
Zur Individual-EM 2004.

Bundestrainer bei der Arbeit in Genf: Cheftrainer Asger Madsen (re) mit Co-Trainer Detlef Poste...
...und Co-Trainer Stefan Dreseler. Fotos: Knupp.

Wie fällt die Bilanz von Bundestrainer Asger Madsen nach der Europameisterschaft 2004 in Genf aus?

   

"Es macht Freude mit der Mannschaft"

   

(28.4.04) Erstmals wieder Mannschaftsbronze für Deutschland seit 1972. Dazu zweimal Bronze in den Individualwettbewerben. Martin Knupp sprach mit Bundestrainer Asger Madsen über seine Bilanz von Genf.

           

Die Mannschaft hat den dritten Platz geholt, ein freudiges Ergebnis?
Ich hatte das mehr gehofft als erwartet, deshalb auch eine so große Freude. Schweden, unser stärkster Gruppengegner, hat eine starke Mannschaft, sehr ausgeglichen. Ich war nervös vorher, denn eine Niederlage hätten alle Außenstehenden als Enttäuschung empfunden. Es war wie im Februar in Presov im Viertelfinale der Europaqualifikation im Thomas Cup gegen Frankreich. Wir Insider wissen, Frankreich hat eine sehr Herrenmannschaft, aber dennoch wäre für die Öffentlichkeit eine Niederlage ein Fiasko gewesen.
War die Mannschaftsaufstellung im Halbfinale bei der Niederlage gegen die Niederlande richtig?
Ich denke ja. Jens Roch hat deshalb gespielt, weil Björn bis dahin alle wichtigen Spiele gegen Dicky Palyama verloren hat. Jens dagegen hatte gegen Dicky schon gewonnen und seine Spielweise ist für Dicky unangenehmer. Auch hatte Björn Probleme mit seinem Fuß, er hatte ihn durchgetreten. Außerdem lag für ihn und für uns bei diesem Turnier die erste Priorität bei der Olympiaqualifikation, die musste Björn im Einzelturnier schaffen. Und Jens hat nicht enttäuscht. Er hat 9:6 im Dritten geführt und das zeigt, dass er durchaus das Leistungsvermögen hat, Dicky zu schlagen. Leider zeigt sich Jens Leistungsfähigkeit zur Zeit noch nicht in Turnierergebnissen. Aber er kommt! Wir wollten natürlich eine andere Spielreihenfolge. Aber beim Losen haben wir verloren. So waren gleich die beiden ersten Spiele die schwersten für uns. Das war ungünstig.

Und dann hat im dritten Spiel Xu Huaiwen enttäuscht?
Huaiwenn hätte die Wende bringen können. So hätten wir noch gewinnen können, denn die anderen Spiele waren wir stark. Huaiwen hat hier in Genf nicht optimal gespielt. Sie hat im Zweiten 4:0 geführt, aber dann jeden Überblick verloren. Aber – ich gebe allen Respekt an die Holländer.

Dafür lief es im Bronzespiel gegen England besser?
Besser als ich erwartet hatte. Unser Damendoppel war im Entscheidungsspiel so sicher... Ich glaube, dass ihnen dieser Sieg soviel Selbstvertrauen gegeben hat, dass sie später auch im Individualturnier dieses Level gehalten haben. Sie haben jetzt alle Möglichkeiten offen, sind jetzt unter den top Drei in Europa mit Olsen & Jörgensen und Audina & Bruil. Die beiden ergänzen sich hervorragend. Beide spielen mit Power und sind sehr ballsicher. Und Juliane hat außerdem eine hohe Variabilität in ihren Schlägen.

Kam Juliane Schenks Erfolg im Einzelturnier, wo sie bis unter die letzten Acht kam, überraschend?
Bis zum Spiel gegen Kelly Morgan war alles normal. Aber gegen sie, die in der Weltrangliste deutlich vor ihr steht, hat Juliane eine wunderbare Leistung gebracht, mit Willen und Intensität. Ich hatte das Gefühl, dass es Morgan geradezu unangehm war, auf dem Feld zu sein, so viel Energie hat Juliane ausgestrahlt.

Juliane hat nun Petra Overzier im letzten Moment aus dem Olympiakader verdrängt.
Dass Petra im Achtelfinale gegen Hallam verloren hat, damit muss man rechnen. 9:11 im Dritten, da kann man auch gewinnen. Dass es aber beim allerletzten Quali-Turnier so unglücklich für sie geworden ist, liegt auch daran, dass sie vorher in einigen großen Turnieren Gegnerinnen, die nicht so gut waren, nicht hat schlagen können. Sie hat bei Japan Open gegen Shimezu aus Japan verloren und vorher auch gegen Morgan, Beenhakker oder Andrievskaya. Für Petra persönlich tut es mir natürlich leid, weil ich weiß, dass sie sehr gut trainiert.

Viel Freude müsste aber Björn Joppiens Leistung machen?
Es scheint, wenn er unter Leistungsdruck steht, spielt er besser. Es sieht so aus, dass er jetzt die Erfahrung und Persönlichkeit bekommt, mit diesem Druck umzugehen. Die Spieler vor denen er Angst und Respekt hat, nehmen immer mehr ab. Es sind vielleicht noch fünf auf der Welt. Was mich auch besonders freut an der Zusammenarbeit mit ihm - dass er Ratschläge annimmt. So habe wir nach den Swiss Open darüber gesprochen, dass er noch fitter werden muss, um im Extrembereich der Weltklasse auch viele längere Ballwechsel hintereinander durchstehen zu können. Das ist nämlich ein Existenzkampf über Sieg und Niederlage. Und das kann er jetzt besser.

Das Mixed Siegemund & Pitro hat auch den Sprung nach Athen geschafft.
Bei denen hat mich gefreut, wie sie bei den beiden letzten Asienturnieren gespielt haben. Das waren Highlights. In Korea habe sie gegen Bruil & Bruil gewonnen. In Japan haben sie gegen die Taiwanesen Tsai & Cheng phänomenal gut gespielt. Das war Weltklasse. In Genf haben sie eine ähnlich gute Leistung gegen Blair & Munt gebracht. Und vorher schon im Mannschaftsspiel gegen Schweden, wo sie das schwierige erste Match machen mussten. Die beiden Schweden haben später immerhin Bronzemedaille geholt.
Ich kann nur hoffen, dass sich Björn und Nicol während in der Vorbereitung auf Athen noch mehr im physischen Bereich verbessern. Da sie spielerisch das Potenzial haben, wäre dann alles möglich.

Mit der EM ist die Saison noch keineswegs zu Ende...
In zwei Woche fahren wir nach Jakarta. Wir haben uns in Europa für die Mannschafts-WM Thomas und Uber Cup qualifiziert. Für die Frauen ist es das Ziel, die Gruppe zu gewinnen. Gegen Taiwan und Südafrika ist das möglich. Dann müssen wir abwarten, welchen Gegner wir bekommen im Viertelfinale.
Die Männer werden wohl hinter Korea Zweiter, dürfen damit in der Zwischenrunde spielen. Ziel ist das Erreichen der Zwischenrunde. Dann muss man sehen. Klar ist, dass wir gegen alle Asiaten Schwierigkeiten in den Herrendoppeln und im dritten Einzel haben. Bei den Damen sind wir da besser ausgestattet.

Wann beginnt die Olympiavorbereitung?
Damit fangen wir zwei Wochen noch dem Thomas Cup an. Wir trainieren erst in Deutschland. Dann gibt es eine Woche mit Holland, Frankreich und Schweden in Holland ein europäisches Trainingslager. Und als Turnier spielen wir im Juli noch die Malaysia Open.

Das hört sich alles nach einer positiven Stimmung an?
Ja klar. Es macht Freude mit der Mannschaft und auch, weil ich sehe, wie viel Entwicklungspotenzial da ist und wo es hingeht. Da ist noch viel drin…

badminton.de sagt vielen Dank und wünscht weiterhin gute Aufschläge.


© 2004 Deutscher Badminton-Verband e.V.