Zur Titelseite Copenhagen Masters.

Copenhagen Masters 2002 und 2003

Masters 2003: 27. bis 29. Dezember  -  Preisgeld 320 000 DKr.

  

Dänen hatten in allen drei Endspielen das Nachsehen

   

Die Endspielergebnisse
HE: WONG Choong Hann (MAS) - Kenneth Jonassen (DEN) 15:7 15:10 (39 min)
DE: XIE Xingfang (CHN) - Camilla Martin (DEN) 11:3 11:3 (27 min)
HD: Halim Haryanto & Candra Wijaya (INA) - Lars Paaske & Jonas Rasmussen (DEN) 15:11 15:4 (40 min)
Hier gibt es alle Ergebnisse.
Lesen Sie den Bericht bei worldbadminton.de: Camilla gets silver in her last Masters.

 

          


 

       

Masters 2002: 27. bis 29. Dezember. - Preisgeld 37 000 US$.

Aus Kopenhagen berichtet Manuel Rösler

    

Sonntag, 29.12. - Finaltag

  

Peter Gade top - Camilla flop

  

Niemand zweifelte ernsthaft an einem Sieg Camilla Martins am heutigen Finaltag des Copenhagen Masters. Schon gar nicht aus dänischer Sicht. War sie doch in den letzten Jahren im eigenen Lande äußert erfolgreich. Man denke nur an den WM-Titel im Jahr 1999 oder die Siege bei den Danish Open in den letzten beiden Jahren. Aber es kam ganz anders: Zhang Ning (Foto ©Schüppel) geriet während des Finals im Dameneinzel nie unter Druck. Nicht nur weil Camillas Clears zur kurz waren, auch weil sie kaum angriff und viele unerzwungene Fehler machte. Zhang Ning kam dadurch zu einem nie gefährdeten Zweisatzsieg und zu einem Scheck von ungefähr 4000 Dollar.
Rasmussen forderte Gade nicht
Deutlich freudestrahlender als Camilla zeigte sich Peter Gade (Foto ©Schüppel) nach Spielende. Der in Aalborg geborene Däne genoss den langen Applaus des Publikums sichtlich. Hatte er ihn doch so lange vermissen müssen. Sein Finalgegner und Landsmann Peter Rasmussen machte es ihm allerdings sehr leicht. Denn der immer freundlich wirkende Medizinstudent spielte einfach schlecht. Ihm gelang nichts. Viele Fehler am Netz, einige Clears ins Aus. Zwar kam er noch auf zehn Punkte in Durchgang eins, doch die verdankte er mehr Gades Leichtfertigkeit als seiner eigenen Stärke. Auch im zweiten Satz änderte sich nicht viel. Rasmussen konnte nie seine stärkste Waffe einsetzen: seinen Speed. Denn Peter Gade gab ihm nie die Gelegenheit dazu. Wenn Peter Gade es schafft, seine Form auch in Turniere, die außerhalb Dänemarks stattfinden, zu übertragen, wird er bald wieder ganz oben in der Weltrangliste stehen.
Lundgaard & Eriksen kein Gegner für "The Showman" und Candra
Sigit Budiarto & Candra Wijaya: Ein Doppel bei dem das Zusehen in Genuss ausartet. Die Leichtfertigkeit und Genialität Sigits, gepaart mit der Stabilität Candras macht das indonesische Doppel ansehnlich wie keine zweite Paarung.
Das mussten auch die beiden langen Dänen Jens Eriksen & Martin Lundgaard spüren, die gegen die Coolness und Abgeklärtheit der beiden Asiaten blass wirkten und zu keinem Zeitpunkt mithalten konnten. Wie nicht anders zu erwarten, verteidigten die Weltmeister von 1997 ihren Titel, den sie sich allerdings bereits gestern mit ihrem Sieg gegen Lee & Yoo (KOR) sicherten.
Alle Ergebnisse weiter unten.

Samstag, 28.12. - 2. Turniertag

Camilla jagt siebenten Titel
Nur im zweiten Satz des zweiten Gruppenspiels bereitete die Neu-Französin Pi Hongyan der Dänin Camilla Martin (Foto ©Ludwig) Schwierigkeiten. "Ich habe im ersten Satz richtig gut gespielt. Auch im zweiten Satz hatte ich bei 10-2 die Möglichkeit, das Spiel schnell zu beenden. Doch daraus wurde nichts, denn der Linienrichter war anderer Meinung", meinte eine leicht aufgeregte Camilla Martin nach Spielende. Und die gerade zur "Badmintonspieler/in des Jahres" gewählte Dänin war mit vielen Linienrichterentscheidungen überhaupt nicht einverstanden. Fortan galt ihr bösester Blick den Linienrichtern. "Es sind viele schlechte Linienrichter hier. Die gehören nicht zu einem solchen Turnier", schimpfte sie weiter.
Schließlich fing sie sich doch und konnte die Aufholjagd Pi Hongyan noch rechtzeitig stoppen. Am Ende zog sie dank eines 11:2 und 11:9 ins Finale ein und hat die Chance ihren siebenten Titel zu gewinnen. Dies wird die Chinesin Zhang Ning zu verhindern versuchen, die dank eines hart erkämpften Sieges gegen Mia Audina ins Finale einzog.

Rein dänisches Finale im Herreneinzel
Auch Camillas ehemaliger Lebensgefährte Peter Gade (Foto ©Schüppel) konnte dank starker Nerven im Spiel gegen "Angstgegner" Wong Choong Hann überzeugen.
"Wong spielte gut. Er hielt das Tempo recht hoch und versuchte ständig zu attackieren. Er hat seine Taktik in den letzten Monaten geändert. So ist es noch schwerer sein Spiel zu lesen. Ich musste sehr hart kämpfen", kommentierte Peter Gade den Zweisatz-Sieg. Er führte schnell 6:0 im ersten Satz, dann spielte sich der Malaye heran und glich aus. Doch Gade behielt - im Gegensatz zum Viertelfinalspiel bei den China Open - die Nerven und gewann Satz eins in der Verlängerung mit 17:15. In Durchgang zwei sah es lange nach einem dritten Satz aus, denn Wong führte und bestimmte das Geschehen auf dem Court. Doch Gade änderte seine Taktik und versuchte des Öfteren schnell ins Hinterfeld zu pushen, was ihm auch häufig gelang. Dank seines guten Jump-Smash konnte er diese gut vorbereiteteten Punkte dann auch abschließen. Sein Endspielgegner Peter Rasmussen präsentierte sich ebenfalls in Topform. Allerdings weist die "Head-to-Head"-Statistik (6:0) Peter Gade als klaren Favoriten aus. Es ist Peter Gades fünfter Finaleinzug beim Copenhagen Masters in Folge.

Wer soll Sigit & Candra stoppen?
Alles deutet auf eine Titelverteidigung in allen drei Disziplinen hin. Wobei sicher viele Experten dem indonesischen Traumdoppel Sigit Budiarto & Candra Wijaya die besten Chancen gegeben werden. Diese treffen im Finale auf Martin Lundgaard & Jens Eriksen. Letztere profitierten von einer Ellbogen-Verletzung Chan Chong Mings, die ihn und Partner Chew zur Aufgabe zwang. Niemand zweifelt ernsthaft an einem indonesischen Sieg.

Asiaten nur Staffage in Dänemarks Wohnzimmer - Von Thomas Ludwig (Beikheim)

Gewinnen heißt wissen

Früher zeigte der Cirkus Bygningens wilde Tiere und Akrobaten, heute sorgen im Zentrum der Millionenstadt Kopenhagen Badmintoncracks allererster Güte für Kurzweil. Vor allem die Dänen taten es mit Fleiß. Sie deklassierten die, die sich in die Kopenhagener Arena getraut hatten, wie einige Malayen, Südkoreaner und Indonesier, erst recht die wohl abkommandierten Chinesen.

Dass Fleiß allein normalerweise nicht genügt, weiß jeder, der auf dem Feld steht und sich plötzlich von allen guten Badmintongeistern verlassen wähnt, bar jeglichen Glaubens an sich und den Rest der Welt.

Wissen ist Macht. Nicht der mit der besten Technik gewinnt, nicht mal jener, der sie mit der nötigen Kondition auch umsetzt. Spieler ohne Skrupel gewinnen die Matches, frei von Gedanken an Wenn und Aber. Oder wie mir Mia Audina (Foto ©Ludwig) auf die Frage, ob sie beim Stand von 9:10 noch gewinnen wollte, antwortete: "Eigentlich schon." --- Sie verlor.

Der Zweifel steckt im Detail, subversiv nagt er am Ego des Spielers. Nur jener Spieler gewinnt, der weiß, dass er gewinnt. Die beiden dänischen Peterlesbuben lieferten nicht etwa ein Lausbubenstück - vielmehr war es ein Husarenritt, wie sie ihre Gegner mit taktischer Geradlinigkeit regelrecht in die Knie zwangen. Vor allem Peter Rasmussen nutzte seine Linkshändigkeit gnadenlos aus und griff über den kurzen Weg die Vorhand seiner asiatischen Kontrahenten immer und immer wieder an, mit Erfolg.

Eine Augenweide, wie die sonst oft so überlegenen Sportfreunde aus dem fernen Asien vom Court geputzt wurden. So wie es oft den Europäern mit ihren Minicrews im fernen Osten ergeht. Ohne moralische Unterstützung erscheint der Weg zum Sieg eher verschwommen. Mit dem Wissen um die Möglichkeiten sollte den Europäern nicht bange werden um ihre Zukunft im Badmintonweltzirkus.

 

Freitag, 27.12. - 1. Turniertag 

Von einem 16-jährigen Chinesen…

Im Gesicht sieht er aus wie ein zwölfjähriger Schuljunge.  Seine großen Augen und die freche Frisur unterstreichen den ersten Eindruck. Der aktuelle Jugend-Weltmeister im Herreneinzel von 2002 Chen Jin spielte beim Copenhagen Masters sein erstes großes Turnier außerhalb seines Landes. Und er schlug gleich kräftig zu: Im ersten Gruppenspiel musste Asienmeister Sonny Dwi Kuncoro in drei Sätzen dran glauben. Dass sich nach seinem Sieg alle Journalisten um ihn versammelten, war ihm offenkundig sehr unangenehm. Nicht nur weil Chen kein Wort Englisch spricht. In seinem zweiten Spiel hatte er aber gegen Europameister Peter Rasmussen in zwei Sätzen keine Chance. Dennoch, sein fantastisches Netzspiel und Racket-Speed lassen in Zukunft Großes vom dem jungen Chinesen erwarten. Man muss sich das ja auch noch mal durch den Kopf gehen lassen: 16 Jahre jung. In Deutschland würde er noch in der Altersklasse U 17 spielen können…

Gade-Show gegen Koreaner
Mit 15:0 und 15:5 schoß Peter Gade den Koreaner Lee Hyun Il  ab. Letzterer war völlig von der Rolle. Sicher ist die Atmosphäre (Zuschauer sitzen hier nicht mal einen Meter vom Court entfernt) gewöhnungsbedürftig, aber bei Lee schien es, als würde er sich auch in einem Jahr nicht daran gewöhnen können. Er schlug beinahe jeden Ball ins Aus. So konnte Peter Gade seine Leistungsfähigkeit nicht wirklich testen. "Natürlich war es leichter als erwartet. Aber ich fühle mich immer gut hier in diesem Gebäude. Ich bin zufrieden", sagte ein glücklicher Peter Gade. Morgen gegen Wong Choong Hann wird es sicher schwieriger. Steht doch hier die Revanche für die Viertelfinal-Niederlage bei den China Open vor einer guten Woche an.

Sigit & Candra machen ersten Schritt in Richtung Titelverteidigung
"Ich bin sehr enttäuscht. Aber was will man machen, Sigit und Candra spielen nun mal sehr stark", so Jonas Rasmussen nach der Zweisatz-Niederlage im Doppel. Chancen hatten er und sein Partner Lars Paaske gegen die Weltmeister von 1997 schon, doch der Klassenunterschied war unübersehbar. Die Indonesier waren schneller am Shuttle und attackierten einfach effektiver. Selbst wenn Sigit des Öfteren sein berühmtes "Was geht mich das Spiel an" raushängen liess, dominierten beide während des gesamten Spiels. Einzig die Koreaner Lee & Yoo werden wohl im Kampf um die Doppelkrone mitreden dürfen. Leider spielen beide Paarungen in einer Gruppe und werden sich gegenseitig rauskicken müssen.

Camilla mit Rotschopf
Nichts Neues im Dameneinzel: Camilla Martin - die jetzt rot gefärbte Haare hat - gewinnt souverän, ebenso die Chinesin Zhang Ning. Während  Pi Hongyan überraschend Schwierigkeiten gegen Judith Meulendijks (NED) bekam, letzlich aber doch in drei Sätzen gewann. Morgen treffen Camilla und Pi aufeinander. "Gegen Pi Hongyan bin ich zwar der Favorit, aber Hongyan ist in letzter Zeit besser geworden. Wenn wir im Training sind, sind wir ungefähr gleichstark", so Camilla Martin zur morgigen Partie. Ihr Handicap ist, dass sie gerade von einem einwöchigen New York-Trip zurückkehrte und in der Zeit nicht trainieren konnte.

Masters fürs kommende Jahr gesichert
Wie Dänemarks Sportdirektor Thomas Lund meldet, ist mit dem Circusbygningen der Austragungsort für das Copenhagen Masters 2003 sichergestellt. Allerdings sei das Jahr 2004 weiterhin offen. "Für die Zeit nach 2003 ist noch nichts unterschriftsreif", erklärte Lund. Das ehemalige Circusgebäude wurde in diesem Jahr an einen ausländischen Besitzer verkauft.

Ergebnisse im Überblick

Herreneinzel
Gruppe 1:
Chen Jin - Kuncoro 15:11 9:15 15:13, Peter Rasmussen - Chen 15:5 15:1, Rasmussen - Kuncoro 15:4 15:0;
Gruppe 2:
Peter Gade - Lee Hyun Il  15:0 15:5, Wong Choong Hann - Lee 15:9 15:5, Gade - Wong 17:14 15:12;
Finale: Peter Gade (DEN) - Peter Rasmussen (DEN) 15:10 15:5
Dameneinzel
Gruppe 1:
Pi Hongyan - Judith Meulendijks 11:3 8:11 11:1, Camilla Martin - Meulendijks 11:5 11:2, Martin - Pi 11:2 11:9.
Gruppe 2:
Mia Audina - Jun Jae Yun 11:7 11:5, Zhang Ning - Jun 11:3 11:8, Zhang - Audina
11:8 4:11 11:9;
Finale: Zhang Ning (CHN) - Camilla Martin (DEN) 11:4 11:5.
Herrendoppel
Gruppe 1:
CHAN Chong Ming & CHEW Choon Eng (MAS) beat FU Haifeng & CAI Yun (CHN) 15:13 4:15 15:6, Lundgaard & Eriksen (DEN) - Fu & Cai 15:7 15:13, Lundgaard & Eriksen - Chew & Chan o.K. DEN
Gruppe 2:
Budiarto & Wijaya (INA) - Jonas Rasmussen & Lars Paaske (DEN) 15:10 15:11, Lee & Yoo - Rasmussen & Paaske 15:13 15:12, Budiarto & Wijaya - LEE Dong-Soo & YOO Yong Sung (KOR) 15:11 15:10. 
Finale: Sigit Budiarto & Candra Wijaya (INA) - Martin Lundgaard Hansen & Jens Eriksen (DEN) 15:9 15:8.

               



COPENHAGEN MASTERS 2002
Zu wenig Druck von Camilla: Siegerin Zhang Ning. Foto ©Michael Schüppel.
Hatte Applaus lange vermissen müssen: Peter Gade. Foto ©Schüppel.
Unterstrichen mit einem Sieg ohne Satzverlust ihre Sonderklasse: Candra Wijaya (li) & Sigit Budiarto. Foto: © Schüppel.
Verspricht viel für die Zukunft: U-19-Weltmeister Jin Chen. Foto: ©Schüppel.
Badmintonspielerin des Jahres: Camilla Martin. Foto ©Thomas Ludwig.
Nur knappe Gruppenniederlage gegen spätere Siegerin: Mia Audina. Foto ©Ludwig.

© 2004 Deutscher Badminton-Verband e.V.