Europameisterschaft 2013
Mannschafts-Wettbewerb "Mixed Teams"

   

12. bis 17. Februar 2013 in Ramenskoje (Region Moskau, Russland). Austragungsstätte ist der Palace of Sports "Borisoglebsky" Mahova Str. Ausrichter: National Badminton Federation of Russia. Referee: Ronny de Vos (BEL).

Der Austragungsort liegt 46 km südostlich von Moskau. Die Zeitdifferenz beträgt drei Stunden. 10 Uhr Ortszeit bedeuten 7 Uhr MEZ.
Zur Verbandswebsite. Zur Veranstaltungswebsite bei BE.

       

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Mannschafts-Europameisterschaft in Ramenskoje 2013

Gold: Deutschland
Silber: Dänemark
Bronze: Russland und England

              

       

Videos und Fotos

Video Halbfinale GER - RUS bei youtube (3:02 h)
Video Finale GER - DEN bei youtube (2:35 h)
Video mit Hightlights von Finaltag bei youtube (9:46 min)
EM-Übertragungen von badmintoneurope.tv (rechte Spalte klicken)
Zu einer umfangreichen Bildergalerie von Alexander Borisov

       

Unser Erfolgsteam: (v.l.) Sportdirektor Martin Kranitz, Marc Zwiebler, Michael Fuchs, Karin Schnaase, Olga Konon, Oliver Roth, Carla Nelte, Johannes Schöttler, Dieter Domke, Birgit Michels, Juliane Schenk, Ingo Kindervater, Johanna Goliszewski, Cheftrainer Holger Hasse, Herreneinzeltrainer Xuyan Wang. Foto: DBV

Der DBV hält zurzeit den U19-Titel von 2011, den Damenteam-Titel von 2012 und nun den Mannschaftstitel von 2013

   

Deutschland in Europa ganz oben

    

2012 ist es erstmals einer deutschen Mannschaft gelungen einen Mannschaftstitel im Erwachsenenbereich zu holen. Die Damen wurden Europameisterinnen bei der Team-EM in Amsterdam. Jetzt schaffte es auch die gemischte Mannschaft. Im zweiundzwanzigsten Anlauf. Seit 1972 wird die Mannschaft-EM jedes zweite Jahr ausgetragen. Deutschland war immer dabei, die Ausbeute war eher dürftig. 1972 und 2004 gab es Bronze. Vor zwei Jahren kündigte sich ein Aufschwung an: Es gab Silber. Nur die Dänen waren bei 1:3 im Finale noch nicht zu knacken. Dänemark ist Rekordsieger mit vierzehn Titelgewinnen. Außer Europas Top-Nation konnten sich bisher nur England und Schweden in die Siegerliste eintragen. Jetzt durfte sich endlich auch eine deutsche Mannschaft mit dem Titel krönen. Nimmt man noch den Titelgewinn der U19-Mannschaft 2011 in Vantaa hinzu, so hat der DBV zurzeit drei europäische Mannschaftstitel in seinem Besitz.

Die Arme zum Himmel: Cheftrainer Holger Hasse nach dem Siegpunkt des Damendoppels gegen Dänemark.

badminton.de zog mit Chef-Bundestrainer Holger Hasse nach seiner Rückkehr aus Russland eine Bilanz der Aufsehen erregenden Tage von Ramenskoje 

 

"Das Spiel genießen und Vertrauen in die eigenen Stärken haben"

  

(20.2.13) Bis Ende des letzten Jahres waren Sie Bundesjugendtrainer. In dieser Eigenschaft gelang es Ihnen, bei der letzten Europameisterschaft den Mannschaftstitel U19 zu holen. Jetzt gelang Ihnen dieses Kunststück gleich beim ersten offiziellen Auftreten als Chef-Bundestrainer mit der Nationalmannschaft erneut. Sieger-Gen? Oder Arbeitsweise? Oder zweimal Glück?
Jedes Team hat seine eigene Story. Das U19-Team 2011 war jung, hungrig und voller Visionen. Unser Team von Ramenskoje war sehr erfahren, mit Weltklasse-Leuten bestückt. Auch wenn wir im Trainer-/Betreuerteam einige gute Entscheidungen getroffen haben und hier und da helfen können: auf dem Court stehen und siegen die Spieler und das haben sie in Russland ja auch in eindrucksvoller Weise getan. Die Zusammenarbeit mit den Spielern und Betreuern war großartig. Und natürlich freue ich mich, Teil dieses Teams zu sein und meine Stärken mit einbringen zu können.

Betrachten wir zunächst das Halbfinale gegen Russland. Zwei zu erwartende Einzel-Siege für uns standen drei starke russische Doppel gegenüber. Dann ging auch noch das Auftakt-Mixed deutlich verloren.

Wir haben im gesamten Turnier nicht so sehr auf den Gegner und die möglichen Punkte geschaut. Wie gesagt, wir haben ein sehr starkes Team und hatten Vertrauen darin, jedes Spiel gewinnen zu können, egal, ob und die Nummer 3 oder die Nummer 55 gegenüber steht. Gegen Russland hatten wir mit dem Mixed zwar einen schlechten Start, das hat uns aber nicht aus der Ruhe gebracht. Sozonov und Sorokina haben im Mixed gegen Michael und Birgit ein super Spiel gemacht – bei uns lief es nicht optimal. Dafür lief es bei Marc, Juliane, Ingo und Johannes sehr gut.

Herrendoppel-Trainer Uwe Ossenbrink mit Johannes Schöttler & Ingo Kindervater (v.l.) im Russlandspiel.

Was hat Kindervater & Schöttler in ihrem Doppel gegen Ivanov & Sozonov, die ja immerhin Superseries-Viertelfinalniveau haben, so stark gemacht, dass sie deutlich in zwei Sätzen den dritten Punkt für Deutschland geholt haben?
Ingo und Johannes haben in diesem Doppel genial gespielt. Zeitweise hat einfach alles geklappt und sie haben Traumschläge produziert. Beide haben grundsätzlich großes Vertrauen in ihre eigenen Stärken und wollen immer ihr eigenes Spiel dem Gegner aufzwingen. Das macht sie innerlich stark. So auch diesmal. Zudem sind beide super Teamplayer, die für die Mannschaft alles geben. Dass sie den dritten Punkt zum Einzug ins Finale holen konnten, hat sie wahrscheinlich zusätzlich motiviert.

Im Finale gegen Dänemark war die Konstellation ähnlich. In den zwei Einzeln waren wir Favorit, in den Doppeln die Dänen. Wobei Marc gegen Vittinghus durchaus auch hätte verlieren können. Aber er hat, vor allem im dritten Satz sensationell gespielt.
Wie gesagt, wir waren nicht so sehr fokussiert darauf, wer auf der anderen Seite steht. Juliane kann man gegen Line Kjaersfeldt schon als Favoritin bezeichnen. Allerdings hat die Dänin unlängst in Irland auch schon ein Erwachsenen-Turnier gewonnen und dabei unter anderem Olga Konon geschlagen. Marc ist zwar amtierender Europameister – allerdings war das Spiel von der Ausgangslage her offen. Vittinghus ist Nr. 17 der Welt, also drei Plätze vor Marc,  und hatte zudem im direkten Vergleich zu ihm mit 4:2 eine positive Bilanz. Der erste Satz lief auf sehr hohem Niveau. Im zweiten Satz konnte Vittinghus durch eine nochmalige Erhöhung des Tempos schnell davonziehen. Aber Marc hat es dann sehr clever gemacht, ihm den Rhythmus geklaut und Vittinghus im dritten Satz durch eine Taktikumstellung und Weltklasse-Aktionen zur Verzweiflung gebracht.

Der Matchpunkt gegen Dänemark: Juliane schmetterte von hinten, Birgit sprang vorne in den Abwehrball rein und fing ab.

Und dann kam ein Auftritt unseres Damendoppels, der mitreißender nicht sein konnte. Pedersen & Juhl stehen nicht zu Unrecht auf Platz drei der Weltrangliste. Sie gelten als das beste europäische Doppel zurzeit. Wie kam es zur Partnerschaft Michels & Schenk und wie wurden die beiden eingestellt und was haben sie vollbracht.
Pedersen und Juhl sind in der Tat ein Weltklasse-Doppel. Allerdings haben Juliane und Birgit das Wort Weltklasse in diesem Spiel noch einmal neu definiert (schmunzelt).

Weil sie in dieser Zusammensetzung und Form noch eine Klasse höher anzusiedeln sind?
Wir wissen ja, dass Juliane auch eine sehr gute Doppelspielerin ist – immerhin war sie 2004 zusammen mit Nicole Grether schon bei den Olympischen Spielen dabei und hat durch die Bundesliga auch genügend Praxis. Und Birgit kann als erfahrene Doppel-Expertin auf dem gleichen Top-Level wie die Däninnen spielen. Dass beide zusammen eine brandgefährliche Mischung für jeden Gegner bedeuten können, wussten wir.

Aber Zuversicht alleine bringt bekanntermaßen noch nicht den Sieg.
Ziel war es für unsere beiden Damen, das Spiel zu genießen und Vertrauen in die eigenen Stärken zu haben. So konnte man sie dann auch in den entscheidenden Spielphasen erleben. Konzentriert, fokussiert, aber zugleich auch (lächelt) tiefenentspannt. Mit hoher Variabilität und hohem Tempo haben sie Pedersen und Juhl dann nie richtig zur Entfaltung kommen lassen.

Das seit Januar neu zusammengestellt deutsche Bundestrainerteam war erstmals in dieser Konstellation bei einer Großveranstaltung beisammen. Ist der Chef zufrieden?

Ja, wir waren zum ersten Mal in dieser Konstellation zusammen. Es hat sehr gut harmoniert. Nach so einem Auftakt-Erfolg kann es in der Hinsicht ja nur noch bergab gehen…

Das meinen Sie scherzhaft?
Allerdings, Spaß beiseite: Jeder bringt seine Stärken mit ein. Alle haben viel Vertrauen zueinander und jeder hilft dem anderen. Wir kennen uns ja auch schon länger und unsere Arbeitsweise sowie unsere Grundwerte sind ähnlich. Das gilt aber nicht nur für die Trainer, sondern für den ganzen Betreuer-Stab. Physiotherapeut Norbert „Chobby“ Sammer hat super Arbeit geleistet, vor allen Dingen mit Birgit, die ja in den vergangenen Woche noch im Bundesligaspiel verletzungsbedingt aufgeben musste und in Ramenskoje anfangs nicht eingesetzt wurde. Martin Kranitz ist so erfahren, hat die Organisation fest im Griff und achtet auf viele kleine Details. Unser Videospezialist Hanno Felder ist nicht nur ein echter Professor, sondern ein in allen Belangen kompetenter und sympathischer Ansprechpartner. Kurzum: Mit dem Team hat es richtig viel Spaß gemacht.

Und dann gibt es jetzt so etwas wie einen Mannschaftsführer?

Ja, ich habe die Position des „Teamcaptains“ neu installiert. Diese Verantwortung hat Johannes Schöttler in großartiger Manier übernommen.

Für das Training der Herreneinzelgruppe am Olympiastützpunkt Saarbrücken ist im DBV seit Anfang des Jahres Xuyan Wang (li) zuständig. Fotos: Martin Kranitz

Wie war die Atmosphäre im deutschen Team während der Woche in Ramenskoje?

Sie wäre noch besser gewesen, wenn wir für einige Spieler in der teilweise eingeschränkten russischen Infrastruktur mehr Steaks organisiert hätten. Daran müssen wir noch arbeiten (lächelt). Aber im Ernst: Die Atmosphäre war sehr gut. Zumal wir mit einem großen Team nach Russland gefahren sind und allein mit den Ersatzleuten immer noch ganz souverän mindestens eine Medaille gewonnen hätten. Wenn man bedenkt, dass wir  Spieler wie den amtierenden Vize-Europameister Oliver Roth nur einmal einsetzen konnten, blutet einem schon das Herz. Aber diese Leute haben es vorbildlich gemacht. Sie haben sich hundertprozentig für das Team eingesetzt – im Training und bei den Spielen hinter dem Court und sie haben daher einen großen Anteil an dem Titel.

Der Teamgeist hat also gestimmt?

„Teamgeist“ ist ja inzwischen im Ausland eine bekannte deutsche Spezialität geworden. Das Wort wird mittlerweile nicht mehr übersetzt, sondern in Verbindung mit deutschen Badminton-Mannschaften direkt verwendet. Das ist eine Stärke, auf die wir uns auch in Zukunft immer wieder besinnen sollten. Nicht umsonst halten wir derzeit drei der wichtigsten kontinentalen Mannschaftstitel.

Ja, diese Momentaufnahme ist in der Tat erstaunlich und natürlich erfreulich. Die deutschen Teams sind förmlich dabei, zu Chinesen Europas zu werden. Herzlichen Glückwunsch noch mal und Ihnen und dem ganzen Team alles Gute.
Danke.


Der Sportpalast "Borisoglebsky" in Ramenskoje. Foto: Martin Kranitz

© 2004 Deutscher Badminton-Verband e.V.