Interview zu den Olympischen Jugendspielen

Für die deutsche Badminton-Nationalspielerin Fabienne Deprez steht Mitte August (14.-26.08.2010) DAS Highlight in ihrer Karriere an: die Teilnahme an den 1. Olympischen Jugendspielen in der Geschichte. Im Interview mit Claudia Pauli berichtet die 18-Jährige unter anderem, welche Ziele sie bei dem Großereignis verfolgt und welche Erwartungen sie an die Veranstaltung in Singapur hat.

 

Nach dem Abi zur Bundeswehr

Foto: CP.

TEIL 3 (letzter Teil)

(11.08.2010, CP) Für Fabienne Deprez beginnt das „Unternehmen Olympische Jugendspiele“ heute so „richtig“: Die 18-Jährige fliegt heute zusammen mit zahlreichen anderen deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmern nach Singapur. Im letzten Teil des großen Interviews erläutert die Gymnasiastin unter anderem ihren üblichen Tagesablauf und ihre Pläne für die Zeit nach dem Abitur.

 

badminton.de: „Wie sieht eigentlich ein typischer Tagesablauf bei Dir aus?“

FD: An den Tagen, an denen ich vor der Schule trainiere, ist es besonders hektisch. Denn dann bleibt mir nur eine halbe Stunde danach Zeit, um zu duschen, mich umzuziehen und zur Schule zu gehen. Dort bin ich dann bis 13.30 Uhr, anschließend esse ich gemeinsam mit den anderen aus dem Internat im Aufenthaltsraum, bevor um 15.00 Uhr das nächste Training beginnt. Mit anschließender Physiotherapie und Abendessen bin ich durchaus bis ca. 19.30 Uhr beschäftigt. Dann müssen noch die Hausaufgaben erledigt werden. Oftmals klingeln dann auch noch Freunde durch und fragen, ob ich Lust habe, mich mit ihnen zu treffen. Aber das geht einfach manchmal nicht, weil ich noch etwas für die Schule tun muss. Oder aber, weil ich ab und zu auch einfach zu müde dafür bin.“

 

badminton.de: „Du hast auch zahlreiche Freunde außerhalb des Badmintonumfeldes, wie es klingt.“

FD: „Ja, ich schaue schon, dass ich auch außerhalb Freunde habe, aus der Schule zum Beispiel. Wenn ich den ganzen Tag mit Badminton zu tun habe, bin ich manchmal froh, mal über etwas anderes reden zu können.“

 

badminton.de: „Wie gehen Deine Stufenkameradinnen und –kameraden insgesamt mit Deinen Erfolgen und Deiner Leistungssportkarriere um?“

FD: „Es kommt darauf an: Diejenigen, mit denen ich mich gut verstehe, sind immer sehr interessiert, fragen mich nach meinen Ergebnissen und bitten mich von den Turnieren zu berichten. Diejenigen, mit denen ich nicht so viel zu tun habe, werfen mir ab und zu schon mal böse Blicke zu und machen Bemerkungen, aus denen man raushört, dass sie ein wenig neidisch darauf sind, dass ich so viel unterwegs bin, aber trotzdem so viel Unterstützung von der Schule erfahre.“

 

badminton.de: „Wie schaffst Du es generell, die Anforderungen, welche die Schule an Dich richtet, und die des Leistungssports zu vereinbaren?“

FD: „Die 12. Klasse jetzt war schon schwer. Im Frühjahr habe ich durch die Jugend-WM in Mexiko und den Thomas und Uber Cup in Malaysia fast vier Wochen am Stück in der Schule gefehlt. Ich versuche, alles durch Nachhilfe aufzuholen.“

 

badminton.de: „Hast Du zu irgendeinem Zeitpunkt in Deiner – eigentlich ja noch jungen, aber dennoch schon sehr erfolgreichen – Karriere schon einmal an Deinem Weg gezweifelt und überlegt, den Leistungssport etwas weniger intensiv auszuüben?“

FD: „Gedanken dieser Art kommen vor allen Dingen dann, wenn es mal nicht so läuft. Dann fragt man sich: Ist es richtig, was Du machst? In diesen Momenten muss man dann an die schönen Momente denken und an die Erfolge. Diese zu erreichen, ist ja gerade das Schöne am Sport. Oder ich denke daran, wie viele nette Leute ich durch den Sport kennen gelernt habe und an welchen Orten ich schon war.“

 

badminton.de: „Sicherlich wirst Du in Singapur auch schnell Kontakte knüpfen.“

FD: „Darauf freue ich mich auch sehr. Ich gehe gerne auf Spielerinnen und Spieler aus anderen Nationen zu. Es macht mir Spaß, mit Leuten aus anderen Ländern zu quatschen. Da kommt mir mein Englisch-LK gelegen.“

 

badminton.de: „Welche Abi-Fächer hast Du noch?“

FD: „Als zweiten Leistungskurs habe ich Sport, drittes Abi-Fach ist Mathe, viertes Pädagogik.“

 

badminton.de: „Du musst nach Deiner Rückkehr von den Olympischen Jugendspielen noch etwa ein Dreivierteljahr parallel für die Schule und im Leistungssport arbeiten. Danach möchtest Du gerne als Mitglied der Sportförderkompanie bei der Bundeswehr anfangen, ist das richtig?“

FD: „Zur Bundeswehr möchte ich in jedem Fall. Ich weiß nur noch nicht so genau, ab wann. Denn 2011, wenn ich mein Abi mache, beginnt auch die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2012 in London. Ich weiß nicht, ob das vielleicht noch zu hoch gegriffen ist. Das muss man schauen.“

 

badminton.de: „Ansonsten ist Rio de Janeiro 2016 bei Dir eingeplant?“

FD: „Genau, das ist mein richtig großes Ziel!“

 

badminton.de: „Arbeitest Du eigentlich auch mit einem Mentaltrainer zusammen, wie einige deutsche Top-Spieler, die älter sind als Du?“

FD: „Bislang noch nicht, aber es wäre mein Wunsch, mit einem Mentaltrainer zusammen zu arbeiten. Im Badminton geht viel über die mentale Schiene, und da wäre das sicherlich hilfreich.“

 

badminton.de: „Vielen Dank für das ausführliche Gespräch, Fabienne, und alles Gute für Singapur!“

 

 

Das Ziel ist eine Medaille

Fabienne Deprez Mitte Juli beim Training in Mülheim an der Ruhr. Foto: CP.

 

TEIL 2

(02.08.2010, CP) Lesen Sie heute, wie Fabienne Deprez das Qualifikationsturnier für die Youth Olympic Games erlebt hat und welche Ziele sie sich für das Top-Event gesetzt hat.

 

badminton.de: „Was ist in Dir vorgegangen, als feststand, dass Du die Qualifikation für die 1. Olympischen Jugendspiele in der Geschichte geschafft hast?“

Fabienne Deprez (FD): „Ich hatte gedacht, dass ich mir bei dem Qualifikationsturnier für Europa vielleicht einen Platz von den fünf zur Verfügung stehenden sichern könnte. Dass ich das Turnier sogar gewinnen konnte, hat mich überwältigt – vor allem da ich nur an Nummer zwei gesetzt war. Aber die haushohe Favoritin, Carolina Marin aus Spanien, ist im Finale gegen mich irgendwie eingebrochen.“

 

badminton.de: „Welches Ziel verfolgst Du nun in Singapur?“

FD: „Das Ziel ist auf jeden Fall, eine Medaille zu gewinnen. Sie ist zum Greifen nahe. Bei der Jugend-WM bin ich in diesem Jahr Fünfte geworden und habe bei meiner Niederlage gegen die amtierende Weltmeisterin, die auch in diesem Jahr wieder den Titel gewonnen hat, ein gutes Spiel gemacht. Ich habe gemerkt, dass ich an den Asiaten dran bin. Die Thailänderin ist für die Olympischen Jugendspiele allerdings zu jung, sie wird also nicht in Singapur starten.“

 

badminton.de: „Teilnehmen dürfen an den Badmintonwettbewerben im Rahmen der Olympischen Jugendspiele ja nur Spielerinnen und Spieler der Jahrgänge 1992 und 1993. Außerdem werden nur die Einzeldisziplinen ausgetragen. Wer sind aus Deiner Sicht im Dameneinzel die Mit-Favoriten auf den Gewinn einer Medaille?“

FD: „Aus Europa sicherlich Carolina Marin und vielleicht die Engländerin Sarah Milne. Die Asiaten sind natürlich immer gefährlich. Aber dadurch, dass Carolina Marin und ich bei der WM das Viertelfinale erreicht haben, konnten sich weitere Europäer qualifizieren. Die Zusammensetzung des Starterfeldes hat sich entsprechend geändert.“

 

badminton.de: „Wann hast Du eigentlich davon erfahren, dass es 2010 erstmals Olympische Jugendspiele geben wird?“

FD: „Ich habe erst relativ spät davon erfahren, das muss so Ende 2008, Anfang 2009 gewesen sein. Holger Hasse hat mich damals gefragt, was ich von Olympischen Jugendspielen halte, und ob ich mich dafür qualifizieren möchte. Ich war direkt begeistert davon, dass es nun so etwas gibt, und habe mich ziemlich schnell entschieden, die Quali in Angriff zu nehmen. Denn eine solche Chance bekommt man nur einmal im Leben. Ich habe natürlich auch Glück, dass ich Jahrgang 1992 bin. Damals waren die Olympischen Jugendspiele noch so weit weg, aber ich habe da schon gedacht: Das wäre eine coole Sache!“

 

badminton.de: „Huaiwen Xu, die seit etwa einem Jahr in den USA lebt, ist anlässlich der Olympischen Jugendspiele eine große Ehre zuteil geworden: Sie ist als Mentorin für die Sportart Badminton ausgewählt worden. Hast Du eine Idee, was die Mentoren in Singapur mit und für Euch machen werden?“

FD: „So genau weiß ich es bislang nicht. Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass sie in der Halle sein werden, uns unterstützen, uns Tipps geben usw. Ich freue mich darauf, Huaiwen wiederzusehen. Ich habe sie schon ewig nicht mehr gesehen.“

 

badminton.de: „Solltest Du die Gelegenheit haben, Wettkämpfe in anderen Sportarten anschauen zu können. Welche Wettbewerbe würden Dich besonders interessieren?“

FD: „Die Wettkämpfe im Tischtennis würde ich mir sehr gerne ansehen bzw. im Prinzip finde ich alles, was mit einem Schläger zu tun hat, interessant. Kampfsportarten wie Ringen oder Judo hingegen würde ich mir weniger gerne ansehen.“

 

badminton.de: „Du bist ja schon in sehr jungen Jahren bei internationalen Großereignissen dabei gewesen. Wie bewertest Du dies rückblickend?“

FD: „Es hat mir Einiges gebracht, dass ich meine erste WM bereits 2007 gespielt habe, als ich erst 15 war. Gerade die Asiaten sind teilweise sehr abgebrüht auf dem Feld und versuchen, Dich mit Psychotricks zu beeinflussen. Das kannte ich dadurch schon längere Zeit und konnte mich darauf einstellen.“

 

badminton.de: „Wenn Du Deine Spielweise mit der jener Top-Spielerinnen vergleichst, die Mitte 20 oder älter sind. Woran fehlt es Dir im Vergleich zu jenen vielleicht noch?“

FD: „Ich bin konditionell und auch teilweise im taktischen Bereich noch nicht so stark. Ich kann bis zu einem gewissen Punkt konditionell mithalten, aber sobald das Match dann sehr lange dauert, werde ich derzeit noch schwächer. Aufgrund der Schule habe ich derzeit halt nur ein- bis zweimal wöchentlich die Möglichkeit, auch vormittags zu trainieren. Das merkt man.“

 

 

 

Es geht in die heiße Phase

Foto: Dr. Claudia Pauli.

 

TEIL 1

(16.07.2010) Lesen Sie heute, welche Termine für Fabienne Deprez in den kommenden Wochen im Hinblick auf die Youth Olympic Games anstehen und wie sich die zweifache Deutsche Jugendmeisterin 2010 auf das Turnier vorbereitet. Zu anderen Themenkomplexen nimmt die amtierende DM-Dritte bei den Aktiven dann in regelmäßigen Abständen bis hin zu den Olympischen Jugendspielen Stellung.

 

badminton.de: „Fabienne, Deine Stufenkolleginnen und –kollegen haben nun etwa sechs Wochen lang Sommerferien – also Freizeit pur. Bei Dir hingegen ist der Terminkalender voll, oder?“

Fabienne Deprez (FD): „Genau, ich habe von meinem Trainer Xu Yan Wang zwar die erste Woche der Sommerferien freibekommen, worüber ich sehr glücklich bin. Aber danach steht die direkte Vorbereitung auf die Olympischen Jugendspiele an.“

 

badminton.de: „Wie wirst Du die Woche Ferien verbringen?“

FD: „Ich hab erstaunlicherweise mal gar nichts geplant. Ich werde einfach schauen, was der Tag bringt. Es ist auch mal schön, morgens aufzustehen und zu wissen: Heute muss ich nichts tun, ich gucke einfach, wozu ich wann Lust habe.“

 

badminton.de: „Das heißt, Du trainierst anderthalb Wochen gar nicht?“

FD: „Ich mache in der Zeit für mich alleine Krafttraining und gehe joggen. Das schon. Aber ich habe halt Schlägerpause. Das ist auch ganz gut so, denn ich hatte seit Weihnachten keinen richtigen Urlaub mehr.“

 

badminton.de: „Im ersten halben Jahr 2010 hat in Deinem Terminkalender schließlich ein Großereignis das nächste gejagt - nicht nur bei den Jugendlichen, sondern auch bei den Erwachsenen …“

FD: „Ja, im Februar stand zunächst die Mannschafts-EM an, dann im März das Qualifikationsturnier für die Olympischen Jugendspiele, im April die Jugend-WM in Mexiko und im Mai der Thomas und Uber Cup.“

 

badminton.de: „Wie geht es dann nach der einen Woche Urlaub für Dich weiter?“

FD: „Am Freitag, den 23. Juli fahre ich nach Berlin, wo am Samstag der sogenannte Olympic Youth Day stattfindet – mit Fackellauf, Verteilung der offiziellen Kleidung und so weiter. Diese Veranstaltung ist ein Pflichtevent, das heißt, alle 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Olympischen Jugendspielen aus Deutschland werden dort sein.“

 

badminton.de: „Hattest Du schon zu dem ein oder anderen Teilnehmer aus einer anderen Sportart Kontakt bzw. kennst Du jemanden aus der deutschen Delegation? Du bist ja die einzige deutsche Starterin im Badminton.“

FD: „Nein, bislang kenne ich niemanden. Um sich Kennenzulernen, für´s Teambuilding und um gemeinsam Spaß zu haben, ist der Youth Olympic Day sicherlich eine gute Gelegenheit.“

 

badminton.de: „Du sprachst davon, dass alle deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer am 24. Juli in Berlin ihre Ausstattung erhalten. Die deutsche Delegation wird also wie bei den Olympischen Spielen in einheitlicher Kleidung antreten?“

FD: "Ja, wir werden alle extra für die Olympischen Jugendspiele eingekleidet. Meines Wissens handelt es sich dabei sogar um die gleiche Kleidung wie jene, die die Athleten 2008 für die Olympischen Spiele in Peking erhalten haben.“

 

badminton.de: „Was wird generell ähnlich wie bei den Olympischen Spielen sein, was anders? Kannst Du darüber schon etwas sagen?“

FD: „Es wird – genauso wie bei den Olympischen Spielen – eine Eröffnungs- und eine Schlussfeier geben. Darauf freue ich mich schon sehr. Genauso gibt es ein olympisches Dorf. Das Programm der Spiele ist allerdings im Vergleich zu den Olympischen Spielen etwas abgespeckt. Im Badminton zum Beispiel werden ja nur die Einzeldisziplinen ausgetragen. Im Schwimmen sind es ebenfalls weniger Disziplinen. Und manche Sportarten werden auch nach anderen Regeln ausgetragen, im Basketball zum Beispiel bilden weniger Spieler als üblich eine Mannschaft. Im Unterschied zu den Olympischen Spielen gibt es bei uns ein sogenanntes Culture and Education Programm. Dabei geht es darum, dass olympische Werte wie Freundschaft und Respekt vermittelt werden. Die Teilnahme an Veranstaltungen davon ist Pflicht.“

 

badminton.de: „Wann reist Du nach Singapur?“

FD: „Ich fliege am 11. August. Das heißt, alle deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer fliegen an dem Tag dorthin. Denn sich gegenseitig zu unterstützen und ein Team zu bilden, soll auch damit gefördert werden. Es wird wohl zwei Maschinen geben – eine ab München und eine ab Frankfurt. Ich fliege ab Frankfurt.“

 

badminton.de: „Wann genau findet Dein Wettkampf statt?“

FD: „Badminton wird vom 15. bis 19. August gespielt. Da ich erst am 26. August zurück fliege, bleibt eine Woche Freizeit, um Singapur zu erkunden und am CEP teilzunehmen. Leider verpasse ich den Langenfeld-Cup, der am letzten Augustwochenende stattfindet. Ich hätte in diesem Jahr zum letzten Mal teilnehmen dürfen. Aber das nehme ich natürlich gerne in Kauf, wenn ich dafür bei den Olympischen Jugendspielen starten kann.“

 

badminton.de: „Worauf wird im Training bis zu den Olympischen Jugend-Spielen der Schwerpunkt gelegt?“

FD: „Wir werden daran arbeiten, das Niveau, das ich jetzt habe, zu halten bzw. noch auszubauen. Jetzt noch etwas Neues anzufangen, würde keinen Sinn machen. Mir kommt es ganz gelegen, dass ich nun noch einmal zwei bis drei Wochen ohne Schule habe, so dass ich bis Singapur zweimal täglich trainieren kann.“

 

badminton.de: „Deine Familie wird ebenfalls in Singapur vor Ort sein, oder?“

FD: „Ja, meine Eltern sind sogar schon einige Tage vor mir dort. Sie können dann schon mal die Lage abchecken … Sie haben sich direkt Karten für die Eröffnungs- und für die Schlussfeier besorgt und natürlich auch für das Badmintonturnier. Mein Vater liest schon ständig Reiseführer über Singapur …“

 

 


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