Thomas Cup       2006       Uber Cup
Mannschafts-WM der Herren und Damen

      

Do 27. April bis So 7. Mai in Sendai und Tokio.

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Martin Knupps Japanisches Journal

Taufik Hidayat als Player of the Year ausgezeichnet
(7.6.06) Beim Abschlussempfang, den die Nippon Badminton Association am gestrigen Abend fuer Spieler und Offizielle gab, wurde der Indonesier Taufik Hidayat mit dem Eddy-Choong-Award der IBF als Spieler des Jahres 2005 ausgezeichnet. Die Trophaee wurde ihm von IBF-Praesident Kang ueberreicht. Er erhielt sie damit zweimal hintereinander, denn schon fuer 2004 war er nach seinem Athener Olympiasieg vom Weltverband damit ausgezeichnet worden.

Thomas Cup and Uber Cup are both broken
(7.6.06) Es ist die Exclusiv-Story des chinesischen Journalisten Peng Guangjing von der Guangzhou Daily – den übrigens seine Hochzeitsreise auch nach Deutschland geführt hat („Fussen") - die badminton.de hier für den europäischen Teil der Welt verbreiten darf, weil Chefredakteur Martin Knupp bei der Recherche behilflich war. Bei genauerer Betrachtung der beiden Pokale Thomas Cup und Uber Cup, die gestern und heute den beiden Siegermannschaften überreicht wurden, zeigt sich, dass bei den beiden Badmintonspieler-Figuren, die oben die Pokale schmücken, tatsächlich die Schläger, die sie einstmals in der Hand hielten, abgebrochen. Sie sind einfach nicht mehr da, waren auch auf dem Floor nicht mehr aufzufinden. Es wurde nach einem Lexikon gerufen, um das Wort verstümmelt vom Deutschen ins Chinesische zu übersetzen. Paisan, seines Zeichens Leiter des Event-Committees der IBF und von Amts wegen zuständig für diesen Fall, erklärte zerknirscht, dass der IBF die Demolierung durchaus bekannt sei. Aber bisher habe niemand es für nötig gehalten, eine Reparaturmaßnahme einzuleiten. Er versprach aber, den unhaltbaren Zustand beheben zu lassen. Hier die Dokumentation:

Bundestrainer Poste mit mit Sandra Marinello (li) und Michaela Peiffer.

Detlef Poste über die Leistungen seiner Spielerinnen

Der Bundestrainer tanzte mit

(5.5.06) Nachdem nach dem Sieg des abschließenden Damendoppels das 3:2 gegen Hongkong feststand, bildeten die deutschen Damen auf dem Feld einen Kreis und feierten den Erfolg mit einem wilden Tanz. Mitten in diesem Kreis auch Chefbundestrainer Detlef Poste, der am Bundesstützpunkt Mülheim für das Damentraining verantwortlich ist.

„Es war einfach natürlich, dass ich nach dem Spiel hochgesprungen bin und mitgefeiert habe“, erklärte er einen Tag später. „Wir konnte ja auch zufrieden sein. Eine Badminton-Medaille für Deutschland bei einer WM ist ja immer noch außergewöhnlich.“

Der Erfolg ist umso erfreulicher, weil es unmittelbar vor dem Turnier gar nicht so gut aussah. Kathrin Piotrowski verletzt, Juliane Schenk krank und Nicole Grether schien nicht von der Bundeswehr los zu kommen.

Poste: „Das waren schlechte Nachrichten. Wir mussten 24 Stunden lang damit rechnen, ein nicht konkurrenzfähiges Team an den Start zu schicken. Doch bis auf Kathrin, die sich operieren lassen muss, haben wir es aber hingekriegt.“

Herausheben aus seiner Mannschaft möchte er Juliane Schenk: „Natürlich war der Auftritt insgesamt sehr gut. Aber Juli ist doch hervorzuheben. Sie hat ihre vier wichtigen Spiele gegen Singapore und Hongkong gewonnen. Dadurch hat sie ihre Leistungsentwicklung bestätigt. Bei der EM hatte sie ja auch schon Bronze gewonnen.“

Auch Petra Overzier bereitete ihm nach durchwachsenem Start noch Freude: „Für Petra freut ich mich. Sie hatte gute Leistungen gezeigt in den vergangenen drei Monaten, hier dann aber schwächer begonnen. Ein schönes Erlebnis war für mich, wie sie vor dem Hongkong-Spiel die Verantwortung übernommen hat. Sie hat sich Videos angeschaut und wir hatten dann vereinbart, dass ich sie im Spiel gar nicht viel coache. Ich bin dann auch nur immer hin, um sie zu bestätigen.“

Sorgen bereitet ihm naturgemäß ein zweites deutsches Doppel, da hier gegenüber der internationalen Spitze noch Nachholbedarf besteht.

„Dennoch haben wir bewusst darauf verzichtet, die Paare aus taktischen Gründen auseinander zu nehmen und vielleicht sogar Xu Huaiwen einzusetzen. Wir haben gesagt, wir vertrauen den Doppeln, die jetzt zusammenspielen so wie sie sind und geben ihnen damit die Chance zur Weiterentwicklung. Hoffentlich nutzen sie sie.“

Letzte Busfahrt unserer Damen vom Stadion.

Raus aus dem Haus

(5.5.06) Höchst ärgerlich für die deutsche Delegation war das Erreichen des Halbfinales wohntechnisch gesehen. Die ursprüngliche Heimreise war für Donnerstag gebucht. Sportdirektor Martin Kranitz: „Wir müssen mit unseren Mitteln schon haushalten. Jeder Tag mehr geht gleich ins Vierstellige.“
Die Herren folgen dann auch termingerecht. Die Damen mussten jedoch einen Tag länger bleiben um am Donnerstag noch das Halbfinale gegen China zu spielen. Die Umbuchung der Flüge bei Japan Airlines klappte problemlos. Aber zum Entsetzen der Deutschen verkündete das Keio Plaza Hotel plötzlich, dass es auf einem Räumen der Zimmer bestehen müsse. Es sei komplett ausgebucht. Kranitz: „Ärgerlich und umständlich, gerade in dieser Phase des Turniers. Zudem haben wir noch gesehen, dass die Koreaner die ja ausgeschieden sind, früher als vorgesehen ihre Koffer gepackt haben.“

Doch alle Intervention nutze nichts. Die verbliebene deutsche Delegation musste für eine Nacht in ein anderes Hotel umziehen. Am meisten betroffen war Physiotherapeut Andy Richter, der die Fülle seinen Gerätschaften schon enmal hatte zusammenpacken müssen, weil von Sendai noch Tokio umgezogen wurde: „Bis zwei Uhr nachts hab ich gepackt. Ich kann nicht glauben, dass in einem Hotel mit 49 Stockwerken keine fünf Zimmer frei sein sollen.“

  

Juliane auf dem Turnierplakat

(5.5.06) Eine aus deutscher Sicht erfreuliche Überraschung bot das ockerfarbene Turnierplakat mit dem für die Thomas- und Uber-Cup-Veranstaltung geworben wurde. In zwei Halbbögen waren einige Spieler vor einer Weltkugel abgebildet. Bei genauerem Hinsehen entdeckte der Betrachter plötzlich, dass unter ihnen Juliane Schenk zu finden war. Sie war vom Veranstalter ausgewählt worden, die europäischen Frauen zu repräsentieren. Weiter waren abgebildet: Lin Dan, Xie Xingfang (China), Taufik Hidayat (Indonesien), Peter Gade (Dänemark) sowie Reiko Shiota, Shoji Sato und Kumiko Ogura aus Japan. Bleibt nur zu hoffen, dass der Ausrichter keinen Aerger mit Julianes Management bekommt. DBV-Praesident Dieter Kespohl war jedenfalls von dem Plakat so begeistert, dass er eines fuer seine Sammlung von Badmintondevotionalien einkoecherte. 

Juliane tat in Sendai und Tokio durch ihre beherzte Spielweise auch viel dafür, ihren Namen, ihr Ansehen und vor allem ihr Gesicht in der internationalen Badmintonwelt weiter zu verankern. Nach Camilla Martins Abtreten und seit die Spitzenpositionen in Europa durch Asiatinnen besetzt sind, hat das europäische Frauenbadminton in der internationalen Szene kein Gesicht mehr. Juliane ist auf dem Weg, ihm wieder eines zu geben. Kurz vor dem Verlassen der Halle nach dem China-Halbfinale stand sie umringt von chinesischen Reportern und erklärte denen, sie würde gerne mal ein paar Monate in China trainieren.

Die deutsche Beschwörung

(5.6.06) Aufsehen erregen unsere beiden Mannschaften immer, wenn sie vor ihren Spielen nach der offiziellen Präsentation noch einmal aufs Feld zurückkehrten, um in einer ritualisierten Beschwörung den Kampfgeist zu wecken und den für den Court zuständigen Badmintongott gnädig zu stimmen.

So erregten die Mädchen sogar in Tokio Beifallsstürme der 10 000 Zuschauer, als sie mit Tröten hintereinander auf Feld marschierten, einen Kreis bildeten, eine Wellenbewegung entfachten und ihren Schlachtruf erschallen ließen. Zum Abschluss wurden dann noch die schwarz-rot-goldenen Mützen in die Höhe geworfen. Die Zuschauer dankten es lautstark und 15 herbeigestürmte Fotografen hatten außergewöhnliche Bilder.

Einlauf.
Beschwoerung.
Aktivierung.
Trommeltanz.

Nicole Grether muss auf’s Hundertste warten

(4.5.06) „Das Halbfinalspiel gegen China wäre mein hunderstes Länderspiel gewesen und natürlich ein herrlicher Höhepunkt in meiner Karriere“, bedauerte Rekordnationalspielerin Nicole Grether, als sie am Morgen des Spiels der Damen bei den deutschen Herren im Bus saß, um die Heimreise anzutreten. Ihr Bundeswehrlehrgang, an dem sie zur Zeit im Allgäu teilnimmt, duldet keine längere Abwesenheit. Nur mit Mühe war sie vom DBV überhaupt für die Endrunde losgeeist worden. „Aber auch so war es ein tolles Erlebnis für mich. Ich habe schon so oft in der Uber-Cup-Mannschaft gespielt und nie hat es soweit nach vorne gereicht. So freu ich mich natürlich tierisch über die Bronzemedaille. Knackpunkt war aus meiner Sicht gleich das erste Spiel gegen Singapore. Da konnten Juliane und ich das abschließende Doppel gewinnen. Damit war unser Weg m Turnier frei. Das Spiel gestern gegen Hongkong war auch sensationell. Vor allem, weil wir das auch ohne einen Sieg von Huaiwen geschafft haben, das ist gut für’s Selbstvertrauen. Bei unserem Doppel zum Schluss haben wir vorher gewusst, dass Hongkong, alles ins zweite Doppel gepackt hat. Aber dennoch weiß man vorher nie, wie es läuft. Doch wir haben nichts anbrennen lassen.“

Nicoles Hunderstes steht also noch aus: „Vielleicht klappt es ja sogar, es in Berlin auszurichten, das würde mich besonders freuen“, lacht sie.

Immer diese Holländer

(4.5.06) Was das niederländische Uber-Cup-Team zustande brachte, verdient bewundernde Anerkennung. Sie stehen nämlich ebenso wie die deutschen Damen im Halbfinale. Und dabei hatten sie im Viertelfinale gegen Japan nur vier Damen im Einsatz. Mit weniger kann man nicht mehr spielen. Und eine davon war mit Ginny Severien noch eine revitalisierte Spielerin, die in letzter Zeit international überhaupt nicht mehr in Erscheinung getreten ist. Coach Martijn van Dooremalen hatte sie aus dem Hut gezaubert. Außerdem kam hinzu, dass Mia Audina ihr Auftakteinzel verlor. Und dass die Japaner Heimvorteil hatten. Da kam man unseren niederländischen Dauer-Länderspielpartnern nur kopfschüttelnde Bewunderung entgegen bringen. Es war ein Marathonmatch von vier Stunden und fünfzig Minuten, das am Mittwochabend ablief. Der niederländische Erfolg birgt allerdings einen Wermutstropfen für die japanischen Zuschauer in sich. Die ausverkaufte Halle muss nach dem Ausscheiden der Herren gegen Indonesien an den restlichen Tagen auf die einheimischen Stars verzichten.

Die Japanerinnen waren am Boden zerstört. Sie saßen weinend in einer Ecke der Halle. Fast eine halbe Stunde währte die Agonie. Ihr koreanischer Coach Park Joo-Bong hockte zusammengesunken auf seinem Stuhl und war zu keiner Regung fähig. Die Enttäuschung war so groß, dass nur einer der Teamoffiziellen es zustande brachte, die Hand zum Trost zu reichen.

Mia Audina – Kaori Mori 15:21 22:20 17:21
Judith Meulendijks – Eriko Hirose 21:14 17:21 21:15
Karina de Wit – Kanako Yonekura 21:23 23:13 14:21
Audina & Meulendijks – Kumiko Ogura & Reiko Shiota 21:11 21:16
De Wit & Ginny Severien – Tomomi Matsuda & Aki Akao 13:21 21:14 21:15.

Jubelnde.
Niedergeschlagende.
Zerknirschte.

Pech für Malaysia

(4.5.06) Aufregung beim Viertelfinalspiel der Herren zwischen Malaysia und Korea. Im ersten Satz des zweiten Einzels zog sich Malaysias Nummer zwei Wong Choong Han einen Achillessehenriss zu. Eine deutliche Schwächung für das Team. Sogar der erwartete Sieg gegen Korea geriet in Gefahr, da die Koreaner durch den unerwarteten Punkt 2:1 führten. Vorher hatte Lee Chong Wei das erste Einzel geholt, Chan & Koo aber das erste Doppel verloren. Doch das zweite Doppel und Hafiz Hashim im abschließenden Einzel sorgten für die beiden restlichen Punkte.

Als Ersatz für Wong wird Kuan Beng Hong im dritten Einzel zum Einsatz kommen. Doch für das Halbfinale gegen Dänemark sehen die Malaysier aber ihre Chancen als gesunken an. Im direkten Vergleich haben alle ihre Einzelspieler eine negative Bilanz gegen das dänische Supertrio Gade, Jonassen und Kaldau.

Ein Turnier zieht um

(2.5.06) Vier Turniertage in Sendai – dann musste das ganze Turnier nach Tokio umziehen. Die ganze Logistik für die Riesenveranstaltung wurde also zweimal auf die Beine gestellt. Ein gewaltiger Aufwand, den sich die Japaner leisteten. Für jede der Mannshcaften und für die pressseleute standen Busse bereit. Der Bus mit der deutschen Mannschaft machte sich Dienstagvormittag u 10.30 Uhr auf die fünfstündige Reise nach Tokio. Für den späten Nachmittag hatte Bundestrainer Detlef Poste sowohl für die Damen als auch für die ausgeschiedenen Herren ein Training in der Turnierhalle angesetzt. Die Lichtverhältnisse und die Windbedingungen sollten erkundet werden.

Die deutsche Delegation ließ mit Sendai die Hauptstadt der Präfektur Miyagi hinter sich. Im Zweiten Weltkrieg war sich durch amerikanische Bomben schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Nahezu alle Gebäude wurden vernichtet, auch alle Sehenswürdigkeiten. Drei in einem Waldgebiet gelegene prächtige Mausoleen früherer Herrscher wurden in den achziger Jahren rekonstruiert. Sie stellen heute die größte Sehenswürdigkeit der Stadt dar und sind die Hauptattraktion der „Loople“-Tour. Auf einem einstündigen Busrundkurs können Touristen ein- und aussteigen, wo es ihnen beliebt. Zum Beispiel können sie sich das ehemalige Wohnhaus des Literaten Bansui Doi anschauen, der unter anderem Homer ins Japanische übersetzt hat. Der klassische Holzbau mit verschiebbaren Innentüren wurde dem meister nach dem Krieg von seinen ehemaligen Schülern geschenkt, weil dessen eigenes Haus auch im Bombenhagel untergegangen war. Im Natural History Museum der Universität kann man einer Wandtafel entnehmen, dass die japanischen Inseln vom asiatischen Festland aus besiedelt worden ist. Die zweite Hauptattraktion der Stadt wartet noch auf ihre Rekonstruktion. Vom „Sendai-Castle“ sind nach sechsjähriger Arbeit erst die riesigen Stützmauern des Plateaus wieder hergestellt, auf dem vor dem Krieg eine prächtige Palastanlage gestanden hat. Sie bestand, wie man es von der verbotenen Stadt in Peking kennt, aus vielen grüößeren und kleineren Holzgebäuden mit den charakteristischen geschwungenen Dächern. Ihre Wiederherstellung wird vermutlich noch etliche Jahre in anspruch nehmen. Besucher suchen das Plateau dennoch reichlich auf, weil man von dem Hügel einem wunderbaren Blick auf die Skyline der Millionenstadt Sendai hat.

 

Gesunkene Ansprüche

(2.5.06) Gerätselt wurde zunächst darüber, warum sich die Indonesier mit den Koreanern bereits im Gruppenspiel einen Kampf auf Biegen und Brechen lieferten, wo doch der Sieger im Halbfinale auf China treffen würde und der Unterlegene in die chinafreie Turnierplanhälfte wanderte. Aufklärung brachte eine Befragung indonesischer Journalisten. Größere Angst als vor den Chinesen im Halbfinale hatten die Indonesier vor einer Niederlage gegen Malaysia. Mit dem Erzrivalen musste sich aber der Verlierer auseinandersetzen – und zwar schon im Viertelfinale. Die Chancen dabei schätzte man höchsten 50:50 ein. Erstens haben die Malaysier in diesem Jahr ein starkes Team beisammen, zum andern sind die Indonesier gehandicapt, weil Taufik Hidayat Trainingsückstand nach einer Rückenverletzung hat und Candra Wijaya verletzt sein soll. Es hätte also sein können, dass Rekordgewinner Indonesien beim Thomas Cup 2006 bereits im Viertelfinale scheitert. Eine Blamage. Gegen China im Halbfinale kann man schon verlieren, immerhin gibt es dann noch Bronze. Um dieses Minimalziel zu erreichen, musste Korea unbedingt besiegt werden.

Taufik Hidayat - Lee Hyun Il 21:16 10:21 8:21
Candra Wijaya & Sigit Budiarto – Jung Jae Sung & Lee Yong Dae 16:21 14:21
Soni Dwi Kuncoro – Shon Seung Mo 21:9 21:15
Luluk Hadiyanto & Yulianto Alven – Hwang Ji Man & Han Sang Hoon 22:24 21:17 21:14
Simon Santoso – Park Sung Hwan 21:18 21:16. 

Lenkte als deutsches Ross die Aufmerksamkeit auf sich: Ueber Marcel Reuters schwarz-rot-goldene Pferdemaehne berichtete sogar die Boulevardzeitung THE STAR in Malaysia.

Kreativitätspreis für den Fächermeister-San

(2.5.06) Zwei Blickfänge gab es in der Halle. Einer davon war Marcel Reuter, der im schwarz-rot-goldener Pferdemaehne zum Mädchenschwarm und Journalistenobjekt wurde. Der andere war ein japanischer Kimonoträger, der mit zwei riesigen Fächern inmitten der Zuschauer stand und bei den spielen Japans immer wieder mit ausladenden zeremoniellen Bewegungen Beifalls- und Aufmunterungstürme initiierte. Und die 5600 Zuschauer machten besonders beim Gruppenspiel Japan gegen Dänemark jede Menge Action. Doch es nutzte nichts. Die Dänen blieben beeindruckend cool und schienen allen Radau an sich abprallen zu lassen. Nicht einmal Satzverluste wie bei den beiden Doppeln brachten sie aus dem Konzept. Am Ende mussten die Japaner ein 0:5 hinnehmen und der Fächermeister-San hatte seine Instrumente vergeblich geschwungen. Immerhin hatte er für großartige Stimmung gesorgt – Kreativitätspreisverdächtig.

Geschafft: Deutsche Damen bleiben im Rennen. Foto: Edwin Leung.

badminton.de sprach mit Juliane Schenk nach dem Spiel gegen Singapore, das im entscheidenden Doppel gewonnen wurde

 

"Wir haben die Herausforderung angenommen“

 

(30.4.6) Ein spannendes Doppel zum Schluss. War es nicht nervenaufreibend?
Ja, für die Mannschaft insgesamt ein toller Sieg. Und unser Doppel war gut. Vor allem Nicole hat prima gespielt, weil sie doch erst gestern angereist ist. Wir haben wenig Fehler gemacht und die taktischen Vorgaben gut eingehalten.
Welche waren das?
Wir wussten, dass unsere Gegnerinnen viel Druck und Tempo machen würden, beim Sudirman Cup im vorigen Jahr hatten wir gegen die beiden schon mal verloren. Wir wollten in der Abwehr konstruktiv und offensiv spielen, um nicht zu sehr in die Defensive gedrängt zu werden.
Und wie war es mit der Nervosität?
Wir haben die Herausforderung vorher angenommen. Trotz der objektiv schlechten Bedingungen sind wir mit Lockerheit und Spaß in das Spiel eingestiegen. Es war das entscheidende Spiel, ich war krank gewesen und hatte schon Einzel gespielt, Nicole war bis zwei Tage vorher bei einem Bundeswehr-Lehrgang. Alles Gründe fürs Verlieren. Wir aber hatten eine hohe Akzeptanz für diese Bedingungen und haben aufgrund dessen auch zwei Sätze unseren Druck aufrecht erhalten können.
Auch in der kritischen Phase im zweiten Satz, als die Gegnerinnen von 16:12 auf 16 beide herangekommen sind, seid ihr überraschend ruhig geblieben.
Das ist uns diesmal gelungen. Wir hatten ja leider in der Vergangenheit schon einige Male solch engen Spiele gegen Weltklassedoppel nicht durchgezogen. Aber diesmal haben wir sowohl emotional als auch physisch durchgehalten. Und Detlef Poste hat uns von außen auch immer wieder positive Energie hereingegeben.
Und wie war das Einzel vorher?
Ich bin zufrieden. Obwohl es im zweiten Satz mit Höhen und Tiefen durchsetzt war. Der erste war ganz konstant. Aber im zweiten bin ich von 90 Prozent immer wieder auf 50 Prozent abgesackt. Da hab ich schon gemerkt, dass ich krank gewesen war. Aber ich habe mich da ganz gut regulieren können. Zwischen den Ballwechseln hab ich mir lange Pausen verschafft und mich über Konzentration und Selbstregulierung gezielt auf den nächsten eingestellt. Obwohl es für mich tough war, hab ich das Spiel mit viel Ruhe nach Hause gebracht.

    

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Dejavu für Juliane

(30.4.06) Eine kuriose Szene erlebt Juliane Schenk im zweiten Satz des Damendoppels gegen Singapore beim Stande von 4:3. Nachdem sie einen perfekten Netzdrop gespielt hatte, blieb ihrer Gegnerin nicht anderes übrig, als mit einem Verzweiflungsschlag den Ball senkrecht nach oben in den Hallenhimmel zu schlagen. Normalerweise ein Ball zum finalen Töten. Diesmal aber flog der Ball perfekt senkrecht acht Meter in die Höhe und ebenso senkrecht wieder runter. Mit diesem genau über dem Netz herunterfallenden Ball war Juliane nun konfrontiert. Was tun? War der Ball überhaupt in ihrer Feldseite? Bestand nicht die Gefahr, ihn dort zu schlagen und einen Fehler zu machen? Zeit genug zum Überlegen war da. Beim Abwägen entschied sich Juliane – so sah es jedenfalls für den Zuschauer aus – gar nichts zu tun. Eine Fehlentscheidung, Der Ball fiel zur Überraschung der bereits abdrehenden Gegnerinnen auf der deutsche Feldseite knapp hinter dem Netz nieder.
Später klärte Juliane auf, dass ihre Nicht-Reaktion eine Vorgeschichte hatte. „Es war ein Dejavu. Bei der EM in Den Bosch als wir im Mannschaftsspiel gegen England gegen Emms & Kellogg spielten, ist die gleiche Situation auch passiert. Da hab ich den Ball versenkt. Der Schiedsrichter hat mir allerdings Fehler gegeben, weil der Ball nicht in meinem Feld gewesen waere. Als er jetzt so runterfiel, dachte ich nur: Nicht schon wieder. Und dann hab ich gar nichts gemacht. Das war auch falsch.“
Glücklicherweise nahmen es die Deutschen mit Humor. Besonders Nicole Grether konnte sich ein Lachen nicht verkneifen und auch „Juli“ schloss sich nach der ersten Verärgerung an.

 

Viele Namen
(30.4.06) Besucher bei den beiden deutschen Auftaktspiele um Samstag war Wataru Hirokawa, der ehemalige Deutschland-Chef von Turniersponsor YONEX. Er war mit dem Zug aus Tokio angereist. Obwohl er einen Aufruf an die deutsche Badmintonszene gestartet hatte, Freunde, Kollegen und Bekannte in Japan zu mobilisieren, waren andere deutsche Fans allerdings nicht auszumachen. „Vielleicht kommen welche in Tokio“, tröstete er sich. „Dort leben mehr als hier in Sendai. Auf die Frage, ob er sich nach seinem siebzehnjährigen Aufenthalt in Deutschland schon eingewöhnt hätte, erklärte er offen: „Oh das ist schwer. Viele Dinge haben sich geändert. Wenn du zum Beispiel die U-Bahn Tickets nicht richtig benutzt, bist du plötzlich eingeklemmt. Und in der Firma hatte ich bei uns in Willich 20 Leute. Da wusste ich genau, was jeder tat. Hier in der Zentrale haben wir 300 und ich bin nun dauernd am fragen wer wie heißt und wer für was zuständig ist. Es ist schrecklich manchmal.“

Als Anerkennung fuer Xu Huaiwens EM-Titel von Den Bosch: Leasingvertrag fuer einen Ford KA. Foto: Walinsky.

Huaiwen auf dem Weg zur Straße

(29.4.06) Zwei wichtige Schritte, um eine deutsche Autofahrerin zu werden, hat unsere Nummer eins Xu Huaiwen bereits hinter sich gebracht. In der Woche vor dem Uber Cup hat sie die theoretische Fahrprüfung bestanden und einen fahrbaren Untersatz hat sie auch schon. Was vielleicht nicht allgemein bekannt ist: Das Ausfüllen des TÜV-Fragebogens kann auch von Nicht-Deutschsprachigen mit Hilfe eines Dolmetschers erfolgen. Diese Hilfe hat Huaiwen genutzt. Er übersetzte ihr die Fragen vom Bogen, bevor sie ihre Kreuzchen machte. Obwohl Huaiwen gut deutsch spricht eine verständliche Hilfe, wenn man bedenkt, wie vertrackt gelegentlich die Formulierungen auf den Bögen snd. „Drei Fehler hab ich gemacht“, erklärte sie. „Aber es hat gereicht.“
Ein Auto hat sie auch schon. Diese Überraschung gab es für sie vor dem Bundesligafinale, in dem Bischmisheim den Titel gegen Berlin holte. Bischmisheims Vereinschef Frank Liedke hatte vermittelt, dass ein Saarbrücker FORD-Händler ihr als Leasing-Fahrzeug einen Ford KA zur Verfügung stellt. Einzelheiten wusste Xu noch nicht: „Das ging alles so schnell. Wenn ich wieder zurück bin, werde ich das erfahren. Und dann werde ich auch die restlichen Fahrstunden machen. Ich habe zwar schon ein China einen Führerschein gehabt, aber hier fühle ich mich doch noch unsicher.“


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