Badminton im Internet

Tim Schoeneberg hat eine Vision: möglichst viele Liveübertragungen von Badmintonspielen im Internet. Foto: privat.

     

badminton.de-Gespräch mit Tim Schoeneberg von LiveView Network, jenem Livecam-Internetportal, das die Bundesligaheimspiele des TV Refrath und des BV Gifhorn live im Internet präsentiert

      

Den beiden ersten Bundesligisten könnten noch weitere folgen  

        

Von Dirk Oertker und Martin Knupp
(8.10.09) Die Firma LiveView Network aus Ratingen überraschte im August mit der Nachricht, dass sie auf ihrem Internetportal liveview-net.de die Bundesligaspiele des TV Refrath übertragen wolle. Nach dem ersten Spieltag der neuen Saison meldete sie dann bereits die Zusammenarbeit mit einem zweiten Erstligisten. Auch die Spiele des BV Gifhorn werden künftig live im Internet zu sehen sein. badminton.de sprach mit Tim Schoeneberg, dem Leiter "Sponsoring und Vertrieb" bei LiveView Network.


Herr Schoeneberg, wie waren Sie mit der Übertragung des ersten Refrather Heimspiels zufrieden?
Tim Schoeneberg: Für uns war die erste Heimspielübertragung, wie auch das erste Auswärtsspiel der Refrather eine wichtige Erfahrung für die kommenden Spiele. Im Nachhinein bin ich nicht hundertprozentig zufrieden, da einige Besucher unseres Portals mit "ruckelnden Bildern" zu kämpfen hatten. Dies trat auf, da wir eine zu hochwertige - was Größe und Bildqualität angeht - Übertragung anbieten wollten. Andere Anbieter übertragen in einem deutlich kleineren Fenster, was die Computer einfacher verarbeiten können. Dennoch muss ich sagen, dass wir sehr viele positive Rückmeldungen erhalten haben. Im Laufe dieser Woche haben wir nun neue Kameras getestet, welche am kommenden Wochenende eingesetzt werden. Dann wird es hoffentlich für alle Besucher eine optimale Übertragung in Bildqualität und Ton geben.

"LiveView Network" war ja für die Badmintonszene ein neuer Name. Was bietet Ihre Firma? Was sind die aktuellen Ziele?

Schoeneberg: Unsere Firma bietet Livesportübertragungen im Internet an. Wir haben mit Golfübertragungen angefangen, welche einen großen Erfolg darstellen. So hatten wir beispielsweise bei der Mieler Golfwoche über 35.000 Besucher auf unserer Seite. Da wir uns aber nicht nur auf den Golfsport konzentrieren wollen, erweitern wir derzeit unser Angebot. So haben wir neben dem Badminton-Projekt einen Vertrag mit einem Tennisverein abgeschlossen, bei dem demnächst auch eine Kamera installiert wird. Des Weiteren bieten wir ein Art "Aktuelles Sportstudio" nur für den Frauenfußball an. Ganz neu im Angebot ist der Hundesport. Wichtig ist, dass unser Angebot für unsere Besucher immer kostenlos ist.

Der TV Refrath war der erste Badmintonverein, der eine Zusammenarbeit einging. Wie kam die Zusammenarbeit mit Manager Heinz Kelzenberg zustande?

Schoeneberg: Da ich selber aus dem Badmintonsport komme und noch immer aktiv bin, kenne ich die Problematik des Badmintonsports. Egal ob Bundesliga oder internationales Spitzenturnier, so gut wie nie bekommt der Badmintonfan Bilder in TV oder Internet zu sehen. Daher war es meine Idee, die Bundesliga mit unserer Firma live im Internet zu präsentieren. Da ich Personen aus dem Umfeld vom TV Refrath kenne und weiß, dass in Refrath die Halle bei den Spielen immer voll ist, habe ich Heinz Kelzenberg auf meine Idee angesprochen. Dieser war sofort begeistert und wollte unser bundesweites Pilotprojekt mit uns angehen. Immerhin wurden bis dahin noch nie alle Heim- und Auswärtsspiele eines Vereins im Internet übertragen. Daraufhin hat unsere Firma mit SportA - der Sportrechteagentur von ARD und ZDF - die ja die Rechte an diesen Spielen hält, verhandelt und die Lizenz für die kommende Spielzeit erworben. Somit stand einer Zusammenarbeit mit dem TVR nichts mehr im Wege.

Und mit dem BV Gifhorn verlief es ebenso?
Schoeneberg: Mit Herrn Niesner hatte ich zuerst nur flüchtigen telefonischen Kontakt. Als dieser aber großes Interesse an diesem Projekt zeigte, haben Hans Werner Niesner vom BV Gifhorn, Sven Menzhausen von der Stadt Gifhorn und ich uns vor Ort im Sportpark Flutmulde in Gifhorn getroffen. Bereits nach wenigen Minuten stand fest, dass das NBV-Team Gifhorn in der gerade begonnenen Badmintonsaison bei allen Heimspielen live im Internet zu sehen sein wird.

 

Hier sind die Internet-Übertragungen abzurufen:

www.liveview-net.de/cams/Refrath,
www.liveview-net.de/cams/Gifhorn.

    

Nach welchem Geschäftsmodell läuft die Finanzierung Ihres Internetportals?
Schoeneberg: Die Seiten sollen im Endeffekt über Sponsorenwerbung finanziert werden. Die Sponsoren erhalten bei uns eine erstklassige Werbemöglichkeit zu geringen Preisen. Zwei Monate nach Eröffnung des Refrather Portals konnten wir bereits weit über 75.000 Besucher registrieren. Bei den ersten beiden Übertragungen waren mehrere tausend Besucher gleichzeitig auf unserer Seite, und das obwohl wir noch die von mir oben genannten Probleme hatten. Für unsere Sponsoren lohnt sich ein Engagement auf jeden Fall. Einen bestimmten Betrag dieser Werbeeinnahmen geben wir zudem an den jeweiligen Verein für die Jugendarbeit weiter.

Die Ankündigung von Liveübertragungen von allen Spielen sorgte bei Badmintonfans für Wirbel. Der technische Aufwand, den Ihre Firma betreibt, ist jedoch nicht unerheblich.

Schoeneberg: Bei den Bundesliga-Heimspielen übertragen wir mit zwei Kameras, sodass von beiden Spielfeldern Live-Bilder zu sehen sind. Zum einen übertragen wir mit einer in der Halle fest installierten Kamera und zum anderen mit einer mobilen HD-fähigen Kamera, mit welcher wir auch die Auswärtsspiele des TVR live übertragen werden. Die fest installierte Kamera steht dem Verein 24 Stunden am Tag zur Verfügung, sodass neben Bundesligasport auch Trainingseinheiten sowie Spiele anderer Mannschaften übertragen werden können. Wir wollen in Zukunft unser Angebot im Badmintonsport weiter ausbauen. So können wir uns vorstellen, auch internationale Badmintonevents und Länderspiele zu übertragen.

Wie wird die Übertragung bei Auswärtsspielen technisch und personell gewährleistet? Kommt einer Ihrer Mitarbeiter mit oder ist das Vereinssache?

Schoeneberg: Bei der mobilen Kamera arbeiten wir mit hoher UMTS-Übertragung, sodass wir keinen festen Internetanschluss bei den Auswärtsspielen benötigen. Zumindest zum Start ist es so geplant, dass immer jemand von uns vor Ort ist.

Wie ist die Aufgabenverteilung? Was übernimmt LiveView Network, welche Pflichten müssen die Vereine erfüllen?

Schoeneberg: Wir übernehmen im Prinzip so gut wie alle Aufgaben. Die Vertragsabschlüsse mit SportA, die Installation der Kameras, die Pflege der Internetseiten, die Sponsorenaquise und auch die Übertragung mit der mobilen Kamera. Bedingung für den Verein ist, dass dieser einen Internetanschluss in der Halle zur Verfügung stellen kann und guten Sport zeigt.

Auch andere Bundesligisten können demnach mit Ihnen Kontakt aufnehmen?

Schoeneberg: Die Chancen auf weitere Kooperationen mit Vereinen und auch anderen Ausrichtern stehen sehr gut – jedenfalls aus unserer Sicht. Wir setzen uns mit jedem Interessenten zusammen und werden eine Lösung finden. Eine grundlegende Anforderung für mögliche Bewerber ist, wie gesagt, der Internetanschluss. Finanzieren kann ein solches Projekt im Prinzip jeder Verein.

Wo sehen Sie LiveView Network in ein paar Jahren? Wird sich ihre Firma in erster Linie auf mediale Randsportarten beschränken?

Schoeneberg: Wir werden in den kommenden Jahren unser Angebot weiter ausbauen. Neben Golf, Tennis, Badminton und Frauenfußball sollen weitere Sportarten folgen. Dabei werden mit Sicherheit auch weiterhin mediale Randsportarten im Vordergrund stehen, da die Lizenzgebühren für "große“ Sportarten utopisch sind. Ausschließen sollte man jedoch nie etwas. So ist es uns zum Beispiel gelungen, einen Vertrag für ein internationales Spitzen-Golfturnier in den USA zu unterzeichnen.

Dann wünschen wir Ihrem Unternehmen und vor allem natürlich dem Badminton-Projekt viel Erfolg.


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