Der zweimalige Deutsche Mannschaftsmeister FC Langenfeld zog sich aus der 1. Bundesliga zurück

 

(22.02.2010) Am Abend des 22. Februar teilte Günther Joppien, Teammanager der Erstligamannschaft des zweimaligen Deutschen Mannschaftsmeisters FC Langenfeld, mit, dass sich der Verein mit sofortiger Wirkung aus der 1. Bundesliga zurückgezogen habe. Grund ist die prekäre Personalsituation bei dem Titelträger von 1989 und 2004, die durch den unerwarteten Rücktritt des siebenmaligen Deutschen Meisters im Herreneinzel, Björn Joppien, noch einmal verschärft worden war.

Durch den Rückzug des Traditionsvereins fallen die Playdowns auch in dieser Saison aus, es wird keinen Absteiger aus dem Oberhaus in die zweithöchste deutsche Spielklasse geben. Bereits in den beiden vorangegangenen Spielzeiten waren die Abstiegsspiele nicht durchgeführt worden, da zuvor einer der betroffenen Vereine (2008/2009: SV Fortuna Regensburg während der Saison, 2007/2008: VfB Friedrichshafen vor den Playdown-Finalspielen) seinen Rückzug bekannt gegeben hatte.

Langenfeld rangierte vor dem letzten Doppelspieltag der Hauptrunde 2009/2010 mit 11:13 Zählern auf Tabellenrang fünf. Ursprünglich waren dem Verein gute Chancen zugeschrieben worden, dass er sich an den letzten beiden Spieltagen noch am SC Union Lüdinghausen (13:11, Rang vier) vorbeischieben und damit die erneute Teilnahme an den Halbfinalspielen um den Titel des Deutschen Mannschaftsmeisters schaffen könne. Seit der Saison 2002/2003 zählte der FCL in jedem Jahr zu den besten vier Teams, gar seit der Spielzeit 1982/1983 waren die Rheinländer ununterbrochen in der Eliteklasse vertreten.

 

Nachfolgend die Pressemitteilung von FCL-Teammanager Günther Joppien und -Mannschaftskapitän Mike Joppien vom 22.02.2010:

 

„Rückzug unserer Bundesliga-Mannschaft

 

Der FC Langenfeld gibt bekannt, dass er heute seine 1. Mannschaft aus der 1. Bundesliga zurückgezogen hat. Bundesligaspielleiter Bernd Mohaupt wurde darüber am Abend durch den Bundesliga-Obmann des FCL, Günther Joppien, in Kenntnis gesetzt.

Nach dem völlig unerwarteten sofortigen Rücktritt von Björn Joppien hat sich der Vorstand des FCL intensiv mit der entstandenen Situation auseinandersetzen müssen.

Björn war eine unersetzbare Stütze des Teams. Ohne ihn ist das Erreichen der Playoffs sowie in der Folge auch ein Verbleib in der 1. Bundesliga sehr unwahrscheinlich geworden. In den Playdown-Halbfinalspielen wäre zusätzlich Przemyslaw Wacha aufgrund der für ihn verpflichtenden Teilnahme an den zeitgleich stattfindenden Polish International nicht verfügbar. Noora Virta hätte aufgrund nicht ausreichender Spielanzahl in der Normalrunde keine Spielberechtigung. Des Weiteren hätte uns in einem entscheidenden Play-Down-Finale Fabienne Deprez wohl auch nicht zur Verfügung gestanden, weil sie in dem Zeitraum an der Jugend-WM in Mexiko teilnimmt. Darüber hinaus ist für uns der Ausfall von Kathrin Wanhoff, die im Januar eine Kreuzbandverletzung erlitten hat, ein herber Verlust.

Die gesamte Saison gestaltete sich bereits als schwierig, da ständige Ausfälle von Spielern durch Verletzungen oder anderweitige Verpflichtungen in ihren Nationalverbänden eigentlich nie ein Spiel in Bestbesetzung zuließen. Trotzdem war die Teilnahme an den Playoffs immer noch möglich. Doch nach Björns Rücktritt ist diese Chance nur noch rein theoretischer Natur. Durch das System der Playdowns und weiteren Ausfällen von Spielern in diesen entscheidenden Duellen, wäre der Abstieg höchstwahrscheinlich nicht zu verhindern.

Wir halten es für die fairste Lösung, jetzt den harten Schnitt zu ziehen und den anderen Vereinen die Playdown-Runde zu ersparen und Planungssicherheit für die nächste Saison zu geben.

In den Überlegungen zur nächsten Saison und darüber hinaus, hat auch die Tatsache eine Rolle gespielt, dass selbst bei einem Verbleib in der 1. Bundesliga einige neue Spieler verpflichtet werden müssen, was sich bisher als schwierig gestaltet hat. Infolge der Wirtschaftskrise haben sich 2009 die Sponsoreneinnahmen verringert und mit einem spürbar reduzierten Budget sind benötigte Neuverpflichtungen sowie eine Erweiterung des Kaders im für die 1. Bundesliga nötigen Maße nicht realisierbar. Bei einem Abstieg in die 2. Liga hätten uns wohl weitere Spieler verlassen.

Zudem gibt es momentan keine eigenen Vereinsspieler mit der erforderlichen Bundesligareife; die 2. Mannschaft steht vor dem Abstieg in die Oberliga.

Ebenso steht der FC Langenfeld weiterhin zu seinem Grundsatz, dass die Mannschaft im  Kern aus eigenen bzw. dem Verein langfristig verbundenen Spielern gebildet werden soll und nur um den ein oder anderen auswärtigen Spieler verstärkt wird. Ein Halten der Spielklasse allein durch weitere Verpflichtungen auswärtiger Spieler kommt für uns nicht in Frage. Eine Identifikation und Verbundenheit der Spieler mit dem Verein ist uns und den Zuschauern sehr wichtig.

Aus den vorgenannten Gründen haben wir uns für einen sofortigen Rückzug der 1. Mannschaft entschieden. In der nächsten Saison möchten wir mit einem veränderten Team den Neuanfang in der Regionalliga starten.

Die Entscheidung fiel uns selbstverständlich nicht leicht und wir sind betrübt, diesen Schritt gehen zu müssen, halten ihn aber in der aktuellen Situation für notwendig.

Wir danken allen Helfern, die uns in nunmehr fast 28 Jahren 1. Bundesliga tatkräftig unterstützt, gefördert und begleitet haben. Wir – vor allem die Spieler – bedauern es sehr, uns bei den Zuschauern nicht mehr in einem weiteren Spiel verabschieden zu können.

Den anderen Teams der 1. Bundesliga wünschen wir weiterhin alles Gute und den Playoff-Teilnehmern ein spannendes Saisonfinale.“

Reaktionen auf den Rückzug des FC Langenfeld aus der 1. Bundesliga

(23.02.2010) eingeholt von badminton.de

     

Hans Werner Niesner (Teammanager des BV Gifhorn):

 

„Natürlich ist es unheimlich schade, dass der FC Langenfeld nun nicht mehr dabei ist. Ich selbst habe noch gegen den FCL in der Bundesliga gespielt – damals für den VfL Wolfsburg. Es ist äußerst schade, dass ein Verein so einen Schritt gehen muss. Ich habe alle Achtung vor Björns Entscheidung. Dass er sich so gequält hat, haben wohl nur wenige Menschen mitbekommen. Man muss anerkennen: Die Gesundheit geht vor. Uns tut der Schritt des FC Langenfeld sehr leid, wir können ihn aber nachvollziehen. Wir wünschen dem FCL, der ja seit vielen Jahren eine hervorragende Nachwuchsarbeit betreibt, dass er mit den Nachwuchsspielerinnen und –spielern in nächster Zeit wieder den Aufstieg in die Bundesliga schafft, und alles Gute!“

 

Hans Werner Niesner wies zugleich darauf hin, dass er - zusammen mit Robert Neumann, dem Teammanager der Erstligamannschaft des VfL 93 Hamburg – einen Antrag vorbereitet habe, wonach die Playdowns generell abgeschafft werden sollten. Bei der außerordentlichen Bundesliga-Vollversammlung, die Mitte März in Berlin durchgeführt wird, soll dieser zur Abstimmung kommen. In der 1. Lesung wurde der Antrag bereits genehmigt. „Nun ist unser Anliegen noch aktueller geworden“, meinte der frühere Bundestrainer.  

 

Heinz Kelzenberg (Teammanager des TV Refrath):

 

Bundesliga-Schlusslicht TV Refrath reagierte noch am späten Montagabend mit einer Pressemitteilung auf die Neuigkeit. Nachfolgend ein Auszug daraus:

 

„Heinz Kelzenberg reagierte zunächst betroffen: „Ich habe große Achtung vor dieser seriösen und professionellen Vorgehensweise und bedauere, dass ein solcher Dinosaurier der Bundesliga von Bord geht“, dann jedoch angemessen freudig: „Natürlich wird jeder nachvollziehen können, dass ich glücklich darüber bin, dadurch den Klassenerhalt geschafft zu haben“.

Dass nun zum vierten Mal in den letzten fünf Jahren die Abstiegsfrage durch den Rückzug einer der acht Bundesligamannschaften geklärt wurde, macht Refraths Bundesligamanager allerdings nachdenklich: „Wie wollen wir mit unserer Sportart weiter nach vorne kommen, wenn so etwas regelmäßig passiert?“ fragt er und weist auf zahlreiche Fragestellungen hin, die in naher Zukunft rund um die Bundesliga geklärt werden müssten: „Es gibt super viele Baustellen, das ist jedem bewusst. Ich freue mich, an den anstehenden Verbesserungen als Erstligist mitwirken zu dürfen und bin stolz darauf, im kommenden Jahr eine zweite Chance in der Bundesliga zu bekommen“.

Vielfach hatte Kelzenberg  in den letzten Wochen und Monaten betont, dass es ungerecht sei, als Tabellenletzter nach 14 (von 14!) Spieltagen immer noch um den Klassenerhalt kämpfen zu dürfen und hatte mehrfach den sogenannten „Playdown-Modus“ in Frage gestellt. Einen Tag, nachdem feststeht, dass sein Klub weiter erstklassig ist, stellt er fest: „Wir wären der verdiente Absteiger gewesen, doch es hat aus verschiedenen Gründen jemand anderen erwischt. Ich denke, ich bin jedoch nicht der einzige, der der Meinung ist, dass der TV Refrath dauerhaft in die 1. Bundesliga gehört. In diesem Jahr sind wir jedoch mehr oder weniger mit zwei blauen Augen davon gekommen“.“

 

Michael Schnaase (Teammanager des SC Union Lüdinghausen):

 

„Ich finde das sehr schade für den FC Langenfeld. Ich kann jedoch auch nachvollziehen, was ich in der Pressemitteilung gelesen habe. Besonders leid tut es mir für Björn Joppien. Schon im Spiel bei uns sah man, dass es ihm nicht gut ging und er deutliche Probleme hatte. Er hast so viel erreicht, für sich selbst und für den deutschen Badmintonsport. Nun ist es wichtig, dass er an seine Gesundheit denkt. Für die Bundesliga ist es schade, dass sie so eine gute Mannschaft verliert. Ich kann jedoch die Gründe nachvollziehen. Ohne Björn wäre es sicherlich ganz schwer für den FCL geworden, alles aufrecht zu erhalten. Der Verein hat immer so viel Engagement gezeigt und sehr viel geleistet für die Jugend, insofern tut es mir sehr leid – ganz besonders auch für Karlheinz Schulz, der in meiner Jugendzeit Landesjugendwart war. Das kann leider jedem Verein passieren. Langenfeld hat jahrzehntelang geglänzt durch seine Nachwuchsarbeit und wie Lüdinghausen stets Eigengewächse in seiner 1. Mannschaft gehabt. Ich wünsche dem Verein alles Gute und bin mir sicher, dass der FCL wieder kommen wird. Dass wir jetzt erstmals in unserer Vereinsgeschichte in den Playoffs sind, ist für Lüdinghausen natürlich etwas sehr Erfreuliches. Unser Ziel war es von Beginn der Saison an, dies aus eigener Kraft zu schaffen. Und wir waren auch guter Zuversicht, dass wir es schaffen können. Unser Ziel war es, am kommenden Wochenende zwei Punkte zu holen. Dann wären wir vor Langenfeld geblieben, auch wenn der FCL beide Spiele gewonnen hätte. Berlin wird am Wochenende wohl nicht in Bestbesetzung antreten können, weil derzeit die Qualifikation der Asiaten für die WM-Endrunde läuft. Man spielt jetzt sicherlich relaxter, aber wir wollen nach wie vor an den letzten beiden Spieltagen zwei Punkte holen.“

 

Auch der ehemalige Nationalspieler betonte, dass er den jetzigen Modus als nicht mehr zeitgemäß erachtet. „Wenn eine Mannschaft im Verlauf der Hauptrunde so viele Punkte gesammelt hat, dass sie auf Platz fünf der Tabelle steht, kann es nicht sein, dass sie trotzdem am Ende der Saison eventuell absteigen muss – nur weil vielleicht an dem Wochenende, an dem die Playdowns ausgetragen werden, viele Stammspieler fehlen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die meisten Vereine für eine Neuregelung sind. Letztlich sollten wir den Sport wieder mehr herausstellen und weniger das Taktieren“, meinte Michael Schnaase.

 


© 2004 Deutscher Badminton-Verband e.V.