Nachrichten von der IBF - Attraktivere Präsentation / New Performance of the Game

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Schwärmt von einer großen, vereinigten Badmintonwelt: IBF-Vize Punch Gunalan.

Martin Knupp sprach mit IBF-Vize Gunalan über die Kehrtwendung der Asiaten in Sachen Regeländerung

  

"Ich habe nichts dagegen, wenn in Clubs nach anderen Regeln gespielt wird, als bei großen Turnieren"

  

(8.3.05) IBF-Vizepräsident Punch Gunalan weilte auf dem Weg zur Eröffnung des IBF-Elitetrainingszentrums in Saarbrücken, die am 6. März stattfand, bei den German Open in Mülheim. Martin Knupp, der Gunalan seit den siebziger Jahren kennt, unterhielt sich mit ihm vor allem über die Ungereimtheiten im Zusammenhang mit der Frage, warum die Asiaten plötzlich eine Kehrtwendung in Sachen Regeländerung vollziehen.


Nicht einmal zwei Jahre ist es her, dass die Zählweise auf drei Gewinnsätze bis sieben von den Asiaten niedergestimmt wurde. Und jetzt plötzlich dieser radikale Vorstoß. Der normale Durchschnittsbadmintonspieler in Europa ist arg verwirrt…

Dass eine Änderung herbei muss, war vielen damals schon klar. Es war die Vorgehensweise, die den Versuch scheitern ließ. Der Antrag wurde eingebracht von Norwegen, einem Land, das auf der Badmintonweltkarte keine Bedeutung hat. Die ganze Aktion ist zu jener Zeit völlig an den Top-Nationen China, Korea und vor allem auch Indonesien vorbeigelaufen.

Aber das IBF-Council hatte zuvor dem Antrag auf einjährige Erprobung der Zählweise doch zugestimmt?

Das IBF-Council - aber nicht die führenden Badmintonnationen. Wer kann sich im Fussball vorstellen, dass eine gravierende Regeländerung ohne Einbeziehung der bedeutendsten Fussballnationen wie etwa Brasilien, Deutschland, Italien zustande kommt?

Aber im Council waren doch die führenden Nationen vertreten.

Damals war Madame Lu Shenrong IBF-Präsidentin. Sie ist zwar Chinesin, hat in ihrem Verband aber nichts zu sagen gehabt. Sie hat die Council-Entscheidung zugelassen, ohne sich der Unterstützung der führenden Nationen zu versichern.

Lu hat also als Präsidentin nicht richtig taktiert?

Ich will mich über Madame Lu nicht äußern.

Ist die Vorgehensweise denn jetzt eine andere?

Deutlich. Ich beziehe alle mit ein. Ich habe alle aufgerufen sich Gedanken zu machen, wie wir die Darbietung des Spiels attraktiver können. Jeder kann Ideen entwickeln, experimentieren, testen. Auch die Top-Nationen sind somit eingebunden. Daher will ich zum Beispiel auch Chinas Chefcoach Li Yongbo ins Council gewählt haben. Damit gebe ich ihm dann Gesamtverantwortung.

Aber Li Lingwei, die chinesische Weltmeisterin ist doch schon drin und steht wieder auf der Kandidatenliste…

Ich denke, sie wird nicht erneut kandidieren. Li Yongbo hat die Macht im chinesischen Verband und er soll Verantwortung für die gesamte Badmintonwelt übernehmen. Ich finde es nicht länger hinnehmbar, dass nur ganz wenige Nationen immer die Sieger stellen. Wir müssen Badminton weiterentwickeln. Müssen einen wirkliche Weltgemeinschaft werden. Ich will zum Beispiel einen Schwarzen auf dem Siegertreppchen sehen. Deshalb gibt die IBF Geld für die dezentrale Leistungsentwicklung aus und finanziert zum Beispiel die fünf Trainingszentren in verschiedenen Teilen der Welt, wie das hier in Deutschland, in Saarbrücken.

Einige altvertraute Personen sind nicht mehr auf der Kandidatenliste fürs IBF-Council?

Ich brauche Leute die arbeiten. Die die das weltweite Badminton voranbringen. Zukünftig wird nur noch je ein einziges Council-Mitglied für Turniere zuständig sein, oder für die Regeln oder die Finanzen. Aber fünf für die Kontinente und fünf für die Entwicklungshilfeprogramme. Da sollen unsere Schwerpunkte liegen. Und es gibt maximal zwei Amtsperioden.

Und warum ist das alles nicht schon vor zwei oder drei Jahren geschehen? Auf uns Europäer wirkte es immer so, als seiest du der große Verhinderer.

Lass es mich so sagen: Ich habe heute mehr Einfluss als damals.

Wird sich das unter dem neuen Präsidenten nicht ändern, wenn Thapparansi jetzt aufhört?

Ich arbeite mit Kang Young Joong seit langem zusammen. Er denkt wie ich.

Aber verändern denn so gravierende Visionen wie Rallypoint–Zählweise oder andere Feldlinien oder Smash-Aufschläge von der Grundlinie unser vertrautes Badmintonspiel unter Umständen völlig? Gibt das nicht zuviel Widerstand in der normalen Badmintonwelt?

Wir haben keine andere Wahl. Man sieht es hier ja bei den German Open wieder: Spiele von über einer Stunde, nur den Ball hin und her  – fürs Fernsehen völlig unbrauchbar. Wir müssen handeln. Ich habe nichts dagegen, wenn die Badmintonspieler auf Clubniveau oder beim Geselligkeitsbadminton nach anderen Regeln spielen als sie bei den Top-Events gelten. Aber in jenem Bereich müssen unbedingt Änderungen herbei. Und zwar so schnell wie möglich. Die Darbietung unseres Spiels muss für die Zuschauer attraktiver werden. Ich hoffe, es klappt rechtszeitig vor dem Beginn der nächsten Olympiaqualifikation.

Testphase für Regeländerungen hat begonnen

Es geht um die Präsentation des Spiels

(15.2.05) Die IBF hat den Nationalverbänden in einem Rundschreiben Einzelheiten über die Vorgehensweise mitgeteilt, mittels der veränderte Regeln getestet werden sollen.
Die ganze Aktion läuft unter der Überschrift „Presentation of the Game“ und hat zum Ziel, Badminton für den Zuschauer aufregender-spannender-attraktiver zu machen. Gleichzeitig soll die Zeitdauer eines Spiels verkürzt werden, da es für Fernsehübertragungen zu lang sei und außerdem aufgrund der extremen physischen Anforderungen Verletzungen bei den Spielern gefördert werden würden (s.u. Meldung vom 15.12.04). Federführend ist eine eigens dafür gebildete Arbeitsgruppe, die unter der Leitung von IBF-Vizepräsident Punch Gunalan steht.

Im Verlauf  des Jahres sollen am Rande von Grand-Prix-Turnieren – etwa vor den Viertelfinal- oder Halbfinalspielen - Einlagewettkämpfe unter gewissen veränderten Regeln mit ausgeschiedenen Spielern durchgeführt werden. Zu diesen Spielen sollen auch Presse und Fernsehen eingeladen werden. Hinterher soll dann ein Meinungsbild über die Auswirkungen der jeweils konkret angewandten Änderungen bei Zuschauern, Spielern, Trainern, Pressevertretern und Offiziellen eingeholt werden.

Insgesondere sollen Änderungen ausprobiert werden in Bezug auf…
…Zählweise: Jeder Ballwechsel wird gezählt („Rally point system“). Ein Satz bis 21 Punkte, ab 20-beide, muss eine Partei zwei Punkte Vorsprung haben, bei 30-beide entscheidet der nächste Ballwechsel. Hier soll vor allem die benötigte Gesamtdauer für Spiele ermittelt werden.
…Feldbegrenzungen: Hintere Doppelaufschlaglinie fällt weg. Dadurch können auch hohe Aufschläge im Doppel gemacht werden.
Das Feld hat nur noch eine Seitenlinie. Hier soll herausgefunden werden, ob hierfür die bisherigen Einzel- oder Doppellinien günstiger wären.
…Aufschlag: Der Aufschläger soll von der Grundlinie auch überkopf (à la Tennis) aufschlagen dürfen.
…Kleidung: Es soll darauf hingewirkt werden, dass attraktivere Spielkleidung hergestellt wird.

Erfahrungen sammeln

Bei den Korea Open im Januar wurde mit ersten Untersuchungen bereits begonnen. (Vgl. IBF V-P unveils new experiments at Korea Open auf worldbadminton.net.) Hier bestätigte sich eine Beobachtung, auf die Gunalan in seinem Schreiben auch verweist. Es zeigte sich, dass die Spieldauer bei Anwendung des Rally-point-systems extrem verkürzt wird – und die Sieger die gleichen blieben.
Punch Gunalan hatte mit Council-Kollege Rudy Hartono – die beiden bestritten einst das legendäre All-England-Finale 1974 - eigene Untersuchungen beim Endspiel der Indonesian Open im vergangenen Dezember angestellt.
Danach hätte der erste Satz des Herreneinzelfinales zwischen Taufik Hidayat und Chen Hong (15:10) statt 38 Minuten nur 13 Minuten gedauert, wäre bis 15 gespielt worden. Und Hidayat hätte 15:12 gewonnen. Wäre bis 21 gespielt worden, hätte der Indonesier 21:19 in 18 Minuten gewonnen.

In dem Rundschreiben werden die Nationalverbände aufgefordert, der IBF eigene Erfahrungen mit der Auswirkung von veränderten Regeln mitzuteilen. Wer solche Erfahrungen mit veränderten Regeln gemacht hat, kann sie dem DBV mitteilen. Sie werden von Martin Knupp (martin.knupp @ t-online.de) im Auftrag von DBV-Präsident Dieter Kespohl gesammelt. Das DBV-Präsidium befindet dann darüber, welche Vorschläge an die IBF weitergeleitet werden. Die auf diese Weise weltweit gesammelten Erfahrungen sollen dann im Verlauf des Jahres bei den entsprechenden Sitzungen dem IBF-Council vorgestellt werden.

Auch malaysische Zeitung berichtet über die angedachten Veränderungen der IBF

Im nächsten Jahr soll bereits feste getestet werden

(20.12. MK) Auch die malaysische Tageszeitung THE STAR hat am 18. Dezember über die revolutionären Pläne der IBF berichtet. Unter der Überschrift 

Sweeping changes about to hit the courts next year

sind in den Ausführungen von IBF-Vizepräsident Punch Gunalan (Malaysia) noch einige ergänzende Detaiis zu der badminton.de-Meldung vom 15.12. (s.u.) zu finden.

So sollen bereits zügig im nächsten Jahr zahlreiche Tests bei internationalen Turnieren durchgeführt werden. Vorgesehen dafür sind die sog. "Satellite Tournaments" in Asien (vergleichbar den EBU-Turnieren in Europa) aber auch bereits ausgewählte Grand-Prix-Turniere.
Hauptaugenmerk soll zunächst auf der Zählweise liegen. Erklärtes Ziel dabei: Ein Spiel soll nicht länger als eine halbe Stunde dauern. Es ist sogar zu lesen, dass Turniere nicht länger als einen Tag dauern könnten.  Was die Linienveränderung angeht, soll die hintere Aufschlaglinie für das Doppel wegfallen.
Und noch etwas lernt der nur durchschnittlich des Englischen mächtige mitteleuropäische Leser beim Lesen des Artikels: den Ausdruck "guinea pig". Dafür ist allerdings nicht Gunalan verantwortlich sondern Reporterin Rajes Paul. Der Verfasser dieser Zeilen gesteht, ihn nie zuvor gehört zu haben. Wer ihn ebenfalls nicht kennt - hier kann Aufklärung gefunden werden.  

           

Bündel von Veränderungen in der Pipeline

Wer hat der IBF plötzlich in den Allerwertesten getreten?

Von Martin Knupp

(15.12.04) Warum wird man immer mal wieder im Alltag des Lebens an die Meinung der Gallier über die Römer erinnert? Vor zwei Jahren haben die Asiaten in der IBF noch alle Versuche der Europäer, Änderungen im Regelwerk herbeizuführen, erbarmungslos abgeschmettert. Erinnert sei an den unsäglichen Zählweisenkrieg 2000 bis 2003, als das  "Drei Gewinnsätze bis sieben-Experiment" von den Asiaten zunächst akzeptiert und dann wieder niedergestimmt wurde.

Jetzt hat IBF-Vizepräsident Punch Gunalan, der starke Mann in der IBF-Führung weil er gleichzeitig als Generalsekretär der Asian Badminton Confederation (ABC) die Fäden der Top-Nationen in der Hand hält, am Rande eines 20000-Dollar-Turniers im indischen Lucknow gegenüber der Zeitung "The Times of India" ausführlich über derzeitige IBF-Pläne berichtet, Badminton mediengerechter aufzubereiten.

Danach steht zurzeit alles auf dem Prüfstand. Sogar Schläger und Feldlinien sollen auf ihre Tauglichkeit überprüft werden.

Hier einige der Gedankenspiele...

- die Volleyballzählweise könnte übernommen werden,

- ein Match sollte spätestens in einer halben Stunde beendet sein,

- ein Tagesspielplan sollte in drei Stunden beendet sein,

- Klamotten sollen bunter werden,

- wo technologische Unterstützung möglich ist, soll sie genutzt werden,

- Spannung soll dadurch entstehen, dass Spieler Linienrichterentscheidungen anfechten können und es dann unter Nutzung von Videokameras zum Beweis auf dem Bildschirm kommt (wodurch auch die Anzahl der Linienrichter auf vier verringert werden soll),

- Spieler von niedrigerem Leistungsniveau sollen nicht mehr mit Bällen aus Federn spielen ("Badminton ist die einzige Sportart, bei dem Lebewesen getötet werden, um benötigte Produkte herzustellen."),

- Untersuchungen über die angemessene Schlägergröße sollen angestellt werden,

- die Größe des Feldes wird überdacht,

- die Anzahl der Linien ebenso,

- an die fünf geplanten Trainingszentren in Deutschland (s.u. Meldung vom 2.12.) Bulgarien, Peking, Kuala Lumpur und USA sollen Forschungszentren angegliedert werden, die sich mit Fragen des Badminton beschäftigen...

Hier finden Sie die Visionen über unser aller Zukunft: IBF plans to make badminton attractive aus der THE TIMES OF INDIA vom 15. Dezember 2004.
Und hier sind die Visionäre.

Wenn sich badminton.de-Leser ebenfalls als Badminton-Futurologe berufen fühlen, teilen Sie Ihre Ideen unter dem Stichwort Badminton-Zukunft badminton.de mit - oder gleich der ABC: abc_asiamin @ hotmail.com. 

            


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