Relegationsspiele um den Aufstieg in die 1. Bundesliga, 27./28.03.2010

           

Rosenheim steigt auf

Impressionen vom Hinspiel in Rosenheim. Fotos: Manfred Kleibel.

 

(29.03.2010) Der PTSV Rosenheim ist nach fast vier Jahrzehnten Abstinenz künftig wieder Mitglied der 1. Bundesliga: Die Innstädter entschieden die enorm spannende Relegation knapp für sich. Nachdem sich Rosenheim als Meister der 2. Bundesliga Süd und der Punktbeste des Nordens in der Saison 2009/2010, der 1. BV Mülheim, am Samstag im Hinspiel in Bayern Unentschieden getrennt hatten, verbuchten die Gäste tags darauf im Ruhrgebiet einen 5:3-Erfolg. Rosenheim war zuvor nur in der „Premieren-Saison“ der Eliteklasse, im Jahr 1971/1972, darin vertreten. Im zuvor letzten Anlauf den Aufstieg zu schaffen, unterlag der PTSV 2007/2008 in der Relegation dem BV Gifhorn. Mülheim wäre erstmals seit der Spielzeit 1990/1991wieder im Badminton-Oberhaus zugegen gewesen.

 

„Das Heimspiel hat uns mehr Probleme bereitet als das Auswärtsspiel. Wir haben zuhause gute Chancen gehabt, die Partie für uns zu entscheiden, aber wir waren vor eigener Kulisse zu verkrampft. Wir hatten es gewissermaßen auf dem Schläger. Heute ging es wieder bei 0:0 los. Es war ein richtiges Endspiel, und wir konnten locker aufspielen. Die gestrige Begegnung haben wir gut nachbesprochen und die heutige gut vorbereitet. Diejenigen, die gestern gezittert haben, haben es heute gut hingekriegt“, meinte Rosenheims Coach Manfred Ernst erfreut.

 

Nationalspieler Oliver Roth aus Rosenheim und dem Mülheimer Gregory Schneider war es am Sonntagnachmittag gegen 17.00 Uhr vergönnt, die abschließende – und zugleich alles entscheidende – Partie zu bestreiten. Als sich die Kontrahenten in der Anfangsphase befanden, hatte auf dem Nebencourt gerade Lukas Schmidt durch einen Zweisatz-Erfolg über Alexander Roovers die 4:3-Führung für die Gäste erzielt. „Matchball“ hieß es also für den PTSV. Im Unterschied zum Vortag, als der EM-Dritte mit dem deutschen Herrenteam, Oliver Roth, noch drei Sätze zum Sieg benötigte, ließ er Gregory Schneider diesmal keine Chance. Als der 23-Jährige den 21:15, 21:10-Erfolg perfekt und Rosenheim damit den Aufstieg in die Eliteklasse beschert hatte, kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Oliver Roths Teamkolleginnen und -kollegen kamen ebenso auf das Feld gestürmt wie Trainer Manfred Ernst, Betreuer, Freunde und Familienangehörige der Spielerinnen und Spieler. Eine Umarmung folgte auf die nächste, man klatschte sich ab, gratulierte einander und zeigte sich überglücklich, dass sich nach der verlorenen Relegation vor zwei Jahren der Ausgang nun positiv gestaltet hatte.

 

„Es ist natürlich schade, dass es nicht geklappt hat. Aber die Rosenheimer haben es verdient“, zollte Mülheims Trainer Boris Reichel dem gegnerischen Team Anerkennung für dessen Leistung. Beim 1. BVM spielte sowohl am Samstag als auch am Sonntag insbesondere Dharma Gunawi unter seinen Möglichkeiten. Der Indonesier, der mit seiner Familie schon seit vielen Jahren in Deutschland lebt, war während der gesamten Saison „eine Bank“ für die Mannschaft aus dem Ruhrgebiet – und das sowohl im Herrendoppel als auch im Mixed. Ausgerechnet im „großen Finale“ konnte der Routinier seine Bestleistung nicht abrufen. Sowohl an der Seite von Taufiq Hidayat Akbar im Herrendoppel als auch zusammen mit Aileen Rößler im Mixed musste sich Dharma Gunawi an beiden Tagen jeweils geschlagen geben.

 

Das Rückspiel nahm einen ganz ähnlichen Verlauf wie das Hinspiel, insofern war die Spannung am Sonntagnachmittag immens. An beiden Tagen legte der PTSV durch einen Sieg im 1. Herrendoppel vor, anschließend glichen die Mülheimer durch einen Erfolg im Damendoppel aus. Auch das 2. Herrendoppel entschieden die Bayern für sich, während der 1. BVM das Dameneinzel für sich verbuchen konnte. Das Spitzeneinzel gewann Taufiq Hidayat Akbar für Mülheim, dafür ging das Mixed an Rosenheim. 3:3 lautete folglich der Zwischenstand auch am Sonntag – alles war weiterhin offen. Während am Vortag Alexander Roovers im 2. Herreneinzel einen Dreisatzsieg über Lukas Schmidt erzielen konnte, musste er sich vor eigenem Publikum in zwei Durchgängen geschlagen geben - 4:3 für Rosenheim, das nun – anders als am Vortag – vor der letzten Partie in Front lag. Als sich Oliver Roth im entscheidenden Spiel dem Matchball näherte, wagte sein Teamkollege Lukas Schmidt, der neben Coach Manfred Ernst an der Stirnseite des Feldes saß, kaum mehr hinzuschauen. Den Kopf in den Händen vergraben, wartete er gewissermaßen auf das Stichwort zum Jubeln.

 

„Das Team hat sich den Aufstieg mit harter Trainingsarbeit mehr als verdient und alle können stolz darauf sein, das lange angestrebte Ziel endlich erreicht zu haben. Jetzt gilt es, Badminton als Spitzensport in Rosenheim zu etablieren“, meinte Rosenheims Trainer Manfred Ernst.  

 

Der Aufstieg zum jetzigen Zeitpunkt bekommt eine umso größere Bedeutung, da die Bundesliga-Vollversammlung beabsichtigt, die 1. Bundesliga zur Saison 2011/2012 auf zehn Mannschaften aufzustocken. Im kommenden Jahr gäbe es demnach keinen Absteiger, der Meister des Nordens würde ebenso aufsteigen wie der des Südens. Der 1. BV Mülheim hatte sich ursprünglich erst für die Saison 2010/2011 zum Ziel gesetzt, die Meisterschaft in der 2. Bundesliga Nord einzufahren und entsprechend um den Aufstieg zu kämpfen. Nun, da die aktuelle Spielzeit so erfolgreich verlaufen und Platz eins schon jetzt eingefahren war, wollte man aber natürlich die Chance nutzen, bereits ein Jahr eher die Rückkehr ins Oberhaus zu schaffen.

 

 

Zu den einzelnen Ergebnissen …

 

Impressionen vom Rückspiel in Mülheim. Fotos: Claudia Pauli.

  

 


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