Olympische Spiele 2008 in Peking
Badminton-Wettbewerbe

      Vom 9. bis 17. August in Beijing

   

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Zu Vorberichten und Olympiaqualifikation

 

 

Alles, was man über das Turnier in der chinesischen Hauptstadt wissen muss: Von den deutschen Medaillenhoffnungen und aussortierten Weltmeistern

     

Let the Games begin

     

Von Bernd-Volker Brahms

Olympiaexperte seit 1992: Bernd-Volker Brahms

„Ich freue mich, dass es jetzt endlich losgeht“, sagt Juliane Schenk (EBT Berlin), die mit 25 Jahren zu den erfahrenen Spielerinnen des DBV-Quintetts zählt. Bereits vor vier Jahren in Athen war sie dabei. Die fünf deutschen Olympiateilnehmer im Badminton sind bereits seit Donnerstag im Trainingslager in Südkorea, erst zwei Tage vor Beginn der Spiele werden sie am 6. August nach Peking fliegen. Im Folgenden finden sich interessante Informationen rund um die Olympischen Spiele.   

 

Die Qualifikation
Schon dreieinhalb Monate vor den Olympischen Spielen in Peking standen die insgesamt 172 Teilnehmer beim Badminton fest – so früh, wie bei keiner anderen Sportart. „Das ist auch gut so“, sagt Bundestrainer Detlef Poste. Ein Jahr lang mussten die Spieler mit Hochdruck um Weltranglistenpunkte kämpfen. „Da ist man irgendwann ziemlich platt“, sagt der 30-jährige Kristof Hopp vom BC Bischmisheim, der zusammen mit Birgit Overzier (BC Beuel) auf den letzten Drücker die Qualifikation im Mixed geschafft hat. Der Deutsche Badminton Verband (DBV) wird mit fünf Spielern in die chinesische Hauptstadt fahren. Bereits bei der ersten Nominierungsrunde des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) Ende Mai wurden neben dem deutschen Mixed auch im Herreneinzel Marc Zwiebler (BC Beuel) sowie im Dameneinzel Xu Huaiwen (BC Bischmisheim) und Juliane Schenk (Berlin) nominiert.

Wieder ist es dem DBV nicht gelungen, deutsche Olympiateilnehmer in allen fünf Disziplinen zu stellen. „Es war uns von Anfang an klar, dass es in den Doppeldisziplinen sehr schwer werden wird“, sagt DBV-Sportdirektor Martin Kranitz. Die Badminton World Federation (BWF) hatte die Modalitäten für eine Qualifikation gegenüber Athen derart verändert, dass in den Doppeldisziplinen lediglich die absolute Weltspitze vertreten ist. Das Teilnehmerfeld ist hier auf jeweils 16 Paarungen begrenzt worden, wobei alle fünf Kontinente jeweils vertreten sein sollen. Hintergrund der Veränderung: Durch die Reduzierung bei den Doppeln konnten die Teilnehmerfelder im Herren- und Dameneinzel erheblich aufgestockt werden und Spielern aus noch mehr Nationen eine Teilnahme ermöglichen. Das Vorhaben der BWF, der Sportart ein noch größeres internationales Antlitz zu geben, ist gelungen: In Peking werden 50 Nationen beim Badmintonturnier vertreten sein. In Athen waren es 33, in Sydney 25. Nach den Qualifikationskriterien für Athen wäre Deutschland mit drei weiteren Spielern (Ingo Kindervater, Kartin Piotrowski und Nicole Grether) nach Peking gefahren und wäre auch im Herren- und Damendoppel sowie mit einem zweiten Mixed vertreten gewesen. „Es hat eine Fortentwicklung beim DBV gegeben“, sagt DBV-Sportdirektor Martin Kranitz. In Zukunft müsste der Weltverband aber darüber nachdenken, ob er die Meßlatte für die Doppeldisziplinen weiterhin derart hoch hängen will.

„Für mich ist ein Lebenstraum wahr geworden“, sagt der 30-jährige Mixedspieler Kristof Hopp, der seit fast acht Jahren am Olympiastützpunkt in Saarbrücken trainiert und nebenbei auf Lehramt studiert. Fast wäre der gebürtige Schleswig-Holsteiner wieder um die Teilnahme gebracht worden, wie schon vor vier Jahren, als er im Mixed (mit Kathrin Piotrowski) nach einjähriger Qualifikation auf Platz 26 der Weltrangliste stand und damit den ersten Ersatzplatz belegte. Im Herrendoppel (mit Thomas Tesche) stand er am Stichtag auf dem 23. Platz und belegte auch dort den weltweit ersten Ersatzrang. Da keine Paarung mehr absprang, wurde nichts aus der Olympiateilnahme. In diesem Jahr klappte der große Wurf zusammen mit Birgit Overzier hauptsächlich dank einer überragenden Vorstellung bei den Indian Open Mitte April, wo beide das Finale erreichten.

  

Nachrücker und Aussortierte
Pechvögel der Quali für Peking sind Ingo Kindervater (Beuel) und wie schon in Athen Kathrin Piotrowski (Wesel). Im Mixed sind beide als 16. der Weltrangliste nicht dabei und führen die Liste der Ersatzpaarungen an. Im Herrendoppel erreichte Kindervater zusammen mit Kristof Hopp Rang 19, sie waren die zweite Nachrückerpaarung. „Sehr unwahrscheinlich, dass sich da noch etwas tut“, sagte Sportdirektor Kranitz bereits kurz nach Ende der Qualifikation. Während es im Herreneinzel, im Dameneinzel und im Herrendoppel noch Verschiebungen gab, blieb dies im Damendoppel und Mixed aus. Nachrücker kamen dadurch zum Zuge, dass einzelne Nationale Olympische Kommittees ihre qualifizierten Sportler nicht nominierten. Dies betraf unter anderem Spieler aus den Nachbarländern Niederlande und Österreich, die beide gar nicht vertreten sein werden. Serienmeister Jürgen Koch (Weltrangliste: 79) und Simone Prutsch (Nr. 55) müssen genauso zuhause bleiben wie die ehemalige niederländische Europameisterin Yao Jie (Nr. 18) und Eric Pang (Nr. 36). Fast schon traditionell lässt Hongkong seine eingebürgerten Indonesier nicht starten. Diesmal traf es das Herrendoppel Albertus Susanto Njoto & Yohan Hadikusuma. Eine kleine Überraschung lieferte auch Gastgeber China: die amtierende Weltmeisterin Zhu Lin darf als Nummer vier der Weltrangliste nicht starten. Stattdessen tritt die 33-jährige Goldmedaillenverteidigerin Zhang Ning noch einmal an. Weltmeisterin Zhu Lin setzt eine kleine Tradition fort, wonach WM-Titelträger bei den Olympischen Spielen nicht dabei sind. Gleiches Schicksal wiederfuhr Xia Xuanze (China), der 2004 in Athen nicht dabei, nachdem er ein Jahr zuvor die WM gewonnen hatte. Der Däne Peter Rasmussen, Weltmeister von 1997, qualifizierte sich dagegen überhaupt nie für Olympische Spiele.          


Die deutschen Teilnehmer
Der DBV ist in Peking mit fünf Akteuren vertreten. Bei den zurückliegenden Spielen in Athen, Sydney und Atlanta waren es jeweils sechs deutsche Teilnehmer. Nur in Barcelona waren es vier gewesen. Bisher sprang für deutsche Badmintonspieler nie mehr als das Achtelfinale heraus. Dank eines erstmaligen Setzplatzes für eine deutsche Spielerin kann Xu Huaiwen sogar um eine Medaille mitspielen. Sie ist in Peking an Nummer sieben gesetzt, kann allerdings im Viertelfinale schon auf die topgesetzte zweifache Weltmeisterin Xie Xingfang (China) treffen. „Ich werde alles geben“, sagte Xu Huaiwen bei der Verabschiedung der Olympiateilnehmer beim Bundespräsidenten Horst Köhler im Berliner Schloss Bellevue. Eine harte Auslosung erwischte Juliane Schenk (EBT Berlin), die in der ersten Runde auf die Indonesierin Maria Kristin Yulianti (Nr. 24) trifft. „Das muss ich so hinnehmen“, sagt die deutsche Vizemeisterin, die sich aber durchaus Siegchancen gegen die Südostasiatin ausrechnet. „Ich bin in guter Form“, sagt Schenk. Leichter hat es der Deutsche Meister Marc Zwiebler (Bonn-Beuel), der in der ersten Runde auf den Iren Scott Evans trifft. Einen richtigen Brocken haben dagegen Kristof Hopp (Bischmisheim) & Birgit Overzier (Bonn-Beuel) im Mixed erwischt. Zum Auftakt bekommen sie es mit der an Position drei gesetzten indonesischen Paarung Flandy Limpele & Vita Marissa zu tun. Bei den French Open im vergangenen Jahr verloren die Deutschen nur mit 18:21 im dritten Satz. „Es ist etwas ärgerlich, dass wir gleich auf eine gesetzte Paarung treffen“, sagt Kristof Hopp. Als Trainer werden in Peking Bundestrainer Detlef Poste und Trainer Jeroen van Dijk dabei sein, wobei der Holländer als ständiger Coach von Xu Huaiwen als offizieller Trainer des DBV fungiert. Im Übrigen verzichtete DBV-Präsident Karl-Heinz Kerst auf eine Reise in die chinesische Hauptstadt. Nach dem mutmaßlichen Veruntreuungsskandal um den ehemaligen DBV-Geschäftsstellenleiter, der den Verband eine Stange Geld gekostet hat, verzichtete der Präsident auf eine kostspielige Fahrt. „Ich musste jetzt auch ein Zeichen setzen“, sagt Karl-Heinz Kerst.
Die bisherigen deutschen Starter bei Olympischen Spielen.

   

Die Vorbereitung
Das olympische Badmintonturnier wird im Beigongda Gymnasium auf dem Campus der Universität in Peking ausgetragen. Die Halle befindet sich im Südosten der Stadt und wurde im August des vergangenen Jahres fertig. „Die Halle in Peking bietet optimale Rahmenbedingungen“, sagt Martin Kranitz. Als im vergangenen Oktober ein viertägiges Testturnier ausgetragen wurde, war der Saarbrücker Sportfunktionär dabei. Fast unter Ausschluss anderer Nationen hatten dort die Topchinesen das an sich bedeutungslose Turnier gewonnen. Die fünffache deutsche Meisterin Xu Huaiwen war zwar eingeladen, musste aber aufgrund einer Verletzung absagen.

Die deutschen Spieler werden erst unmittelbar vor den Olympischen Spielen in die chinesische Hauptstadt reisen, sie werden sich vom 31. Juli bis zum 6. August im koreanischen Incheon akklimatisieren und vorbereiten. Dort werden die deutschen Spieler u.a. auch auf die besten polnischen Spieler treffen, die seit einem halben Jahr von einem Koreaner trainiert werden. Neben den fünf deutschen Olympiastartern fahren auch Dieter Domke (Berlin), Michael Fuchs (Bischmisheim) und Johannes Schöttler (Hamburg) als Sparingspartner mit. Ursprünglich sollte die deutsche Vorbereitung in China in Tsingtau stattfinden. Die Hafenstadt war einstmals deutsche Kolonie. „Es war alles geregelt“, sagt Martin Kranitz. Im April kam aber Absage der Chinesen. „Das hat uns schon geärgert, zumal traditionell sehr gute Kontakte zu den Chinesen bestehen“, sagt Kranitz. Die Asiaten würden versuchen, die übrigen Nationen in ihrer Vorbereitung zu stören, auch andere Länder hätten ähnlich unsportliche Erfahrungen gemacht, sagt der Sportdirektor. Dazu passt, dass im März bekannt wurde, dass das chinesische Team bei den Spielen 2004 im Dameneinzel mit Stallorder gearbeitet hatte und im Halbfinale die spätere Siegerin Zhang Ning von ihrer Teamgefährtin Zhou Mi das Spiel geschenkt bekam. Die Trainer hatten eine entsprechende Anweisung nach dem ersten Satz ausgegeben.

Vor dem Abflug nach Asien hielten die deutschen Spieler mehrere Trainingslehrgänge in Saarbücken ab. Mitte Juli kamen die meisten europäischen Starter im Einzel zum Training ins Saarland. Nach den Strapazen der Olympiaqualifikation und dem Thomas – und Uber Cup als abschließenden Höhepunkt, gönnten sich die deutschen Spieler einige Regenerationswochen. Xu Huaiwen reiste Ende Mai mit ihrem Mann nach Mallorca, die Lieblingsinsel der Deutschen, und legte erst einmal für ein paar Tage den Schläger völlig aus der Hand. Zeitgleich bereiteten sich übrigens die deutschen Kicker auf der Insel auf die Fußball-EM vor. Im Übrigen wird Xu Huaiwen erst nach den Olympischen Spielen ihre Familie in der Provinz Sichuan besuchen. Ihre Heimatstadt Chengdu wurde beim Erdbeben Mitte Mai schwer getroffen. „Meiner Familie geht es aber gut“, sagt die 32-Jährige. Als sie beim Uber Cup in Jakarta weilte, ereignete sich die Naturkatastrophe in China. „Ich habe gleich angerufen und war in Sorge“, sagt Xu.

      

Die Favoriten
Dass die Nerven bei den unter Erfolgsdruck stehenden Chinesen blank liegen, zeigt ein Vorfall von Mitte April. Der zweifache Weltmeister und Gold-Favorit Lin Dan soll beim Training ausgerastet sein und Coach Ji Xingpeng geschlagen haben. Dies hatten mehrere Medien berichtet. Lin Dan war schon Anfang des Jahres bei den Korea Open handgreiflich geworden, als er im Finale den chinesischen Coach seines koreanischen Gegners anging. Trotzdem führt der 24-Jährige wie schon vor vier Jahren die Setzliste an. Ohnehin haben die Chinesen sowohl im Herren- und Dameneinzel und im Damendoppel die maximale Telnehmerzahl von drei ausgeschöpft. Im Dameneinzel wird kein Weg an der zweifachen Weltmeisterin Xie Xingfang vorbeiführen. Größere Überraschungen wie in Athen, wo der Indonesier Taufik Hidayat als Ungesetzter das Turnier gewinnen konnte, wird es wohl in Peking nicht geben. Vom Titelverteidiger scheint ohnehin nicht viel zu erwarten zu sein. Zwei Wochen vor Beginn der Spiele ist er Medienberichten zufolge wegen eines Infektes in ein Krankenhaus eingeliefert worden.

Am ehesten noch im Herrendoppel könnte eine nicht-chinesische Paarung am Ende ganz oben stehen. Die indonesischen Weltmeister Markis Kido und Hendra Setiawan führen die Setzliste an. Für europäische Spieler dürfte es schon als Erfolg zu werten sein, wenn sie das Halbfinale erreichen. Bei der WM vor einem Jahr in Kuala Lumpur waren die Asiaten in der Vorschlussrunde ganz unter sich. Aber vielleicht platzt ja wie 1996 bei dem Dänen Poul-Erik Hoyer-Larsen beim 34-jährigen Europameister Kenneth Jonassen zum Ende der Karriere noch einmal der Konten. Im Dameneinzel haben die asiatischen Spielerinnen vor allem vor der Dänin Tine Rasmussen Respekt, die sich innerhalb der vergangenen zwölf Monate drei Super Series-Turniersiege holte.  
Die bisherigen Olympiasieger und Medaillengewinner im Badminton.

         

Internationalisierung durch Trainingscenter
Die BWF hat sich vor vier Jahren auf die Fahnen geschrieben, Badminton noch internationaler zu machen und mehr Spieler aus verschiedenen Nationen zu den Spielen zu bringen. Dies wurde auch notwendig, weil dem IOC die in Athen beim Badminton beteiligten 33 Nationen, als zu gering erschienen, um die Sportart dauerhaft im Programm zu halten. Gegründet wurden daher drei internationale Trainingscenter in Deutschland, Bulgarien und China. Aus dem deutschen BWF-Trainingscenter, das in Saarbrücken vom ehemaligen DBV-Sportdirektor Günter Huber geleitet wurde und unter den Fittichen des DBV-Ehrenpräsidenten Dieter Kespohl in seiner Eigenschaft als BWF-Council-Member steht, haben sich 16 Spieler der 17 dort seit zwei Jahren trainierenden Spieler im Herren- und Dameneinzel für die Spiele in Peking qualifiziert. Zwei Athleten wurden von ihren NOKS allerdings nicht benannt, Simone Prutsch (Österreich) und Yuhan Tan (Belgien). 14 Athleten werden letztlich starten, folgende Athleten haben sich qualifiziert: Grace Daniel (Nigeria), Claudia Rivero (Peru), Jeannine Cicognini (Schweiz), Olga Konon (Weißrußland), Kristina Ludikova (Tschechien), Larisa Griga (Ukraine), Nhung Le Ngoc (Vietnam), Kestutis Navickas (Litauen), Raul Must (Estland), Kevin Cordon (Guatemala), Edwin Kiring (Uganda), Eli Mambwe (Sambia), Stuart Gomez (Australien), Raju Rai (USA). Insgesamt wird Badminton in Peking nun mit Sportlern aus 50 Nationen vertreten sein.

      

Zuschauer
Von den Zuschauern her wird es in Peking ein Turnier der Superlative werden. Während in Athen die Halle mit den 2700 Sitzplätzen an den meisten Tagen gerade einmal zur Hälfte besetzt war, ist das Turnier in Peking mit jeweils 7500 Zuschauern bereits Monate vorher restlos ausverkauft. Für den deutschen Markt standen 500 Tickets zum Preis zwischen sieben und 68 Euro zur Verfügung. Um alle 18 Sessions erleben zu können, mussten Enthusiasten insgesamt mindestens 246 Euro ausgeben – eine vergleichsweise geringe Summe.                              

   

Die Medien
Insbesondere das Interesse an der zweifachen Europameisterin Xu Huaiwen war in den vergangenen Monaten erheblich gestiegen. Die 32-Jährige musste dabei immer wieder ihre Geschichte von ihrem Abgang vor acht Jahren in China erzählen und die Tatsache, dass sie mit ihrer Körpergröße von 1,60 Metern von den Trainer zur Sparingspartnerin der übrigen Topspielerinnen gemacht worden war. In den „Heute“-Nachrichten des ZDF lief ein Kurzporträt der deutschen Olympiahoffnung, auch der „Fokus“ brachte die Geschichte. Und die „Süddeutsche Zeitung“ druckte ein Interview mit ihr, das eine ganze Seite füllte.

Später folgte auch noch ein Auftritt im „Aktuellen Sportstudio“. „Ich kannte die Sendung gar nicht“, sagt Xu Huaiwen, die zuhause in Saarbrücken so gut wie gar kein Fernsehen guckt. Als ZDF-Moderator Wolf-Dieter Poschmann anrief, bat sie sich noch etwas Bedenkzeit aus. „Ich hatte schon etwas anderes vor“, sagt die gebürtige Chinesin. Sie ging dann doch und machte mit ihrer locker, fröhlichen Art beste Werbung für sich und den Badmintonsport. Immer wieder wurde sie in den vergangenen Monaten von Journalisten auf ihre Haltung zum Tibet-Konflikt angesprochen. „Ich interessiere mich nicht so sehr für Politik“, sagt Xu Huaiwen. Außerdem seien die europäische und die chinesische Sicht sehr unterschiedlich. „Ich habe in der Schule gelernt, dass Tibet schon lange zu China gehört.“

In Peking wird es ein bisher nicht gekanntes mediales Interesse am Badminton geben. Schon bei den zurückliegenden Spielen in Athen und Sydney gehörten einzelne Fernsehübertragungen durch das hohe Zuschauerinteresse in Asien zu den meistgesehenen Entscheidungen unten den 28 olympischen Sportarten. Das Finale im Mixed sahen sich 74 Millionen Chinesen auf dem Sportkanal CCTV5 an. Nach einer Analyse des IOC gehörte Badminton in China zu den vier am meisten gesehenen Sportarten. Davor lagen nur Basketball, Tischtennis und Volleyball. Nach der Analyse liegt das weitaus größte TV-Publikum in Asien, es sahen dort 2004 mehr Zuschauer die Spiele als im Rest der Welt zusammen.

Die deutschen Sender ARD und ZDF übertrugen vor vier Jahren Badminton in kaum nennenswertem Umfang. Im Hauptprogramm der beiden Sender ist auch in diesem Jahr nicht viel zu erwarten. Ab dem fünften Wettkampftag (13. August) sind kurze Einschübe geplant. Die angekündigten Übertragungen stehen jedoch jeweils in Konkurrenz zu anderen Sportarten, so dass dort wieder nur einige Minuten zusammen kommen werden. Etwas umfangreicher wird die Möglichkeit zum Badminton gucken auf den vier digitalen Sender der öffentlich-rechtlichen Anstalten. Wie schon in Athen werden auch in Peking Eins festival, Eins Plus, ZDFinfokanal und ZDFdokukanal zu Olympiakanälen umfunktioniert. Sie werden pro Tag etwa 40 Stunden Sport übertragen. Für Badminton bleibt auch einige Zeit, etwa neun Stunden. Erfreulicherweise liegt nur eine Sendezeit mitten in der Nacht, ansonsten können Badmintonfans die Spiele zumeist am Nachmittag verfolgen. Zu folgenden Zeiten haben die öffentlich-rechtlichen Sender reine Badmintonübertragungen angekündigt:

9. August 3 bis 4 Uhr MEZ (ZDFdoku),
10. August 15.30 – 16 Uhr MEZ (ZDFinfo)
13. August 6 – 7.30 Uhr MEZ (ZDFdoku)
15. August 12.30 – 16 Uhr MEZ (ZDFdoku)
16. August 6 – 7 Uhr MEZ und 14 – 16 Uhr MEZ (Eins festival)
17. August 15 – 16.30 Uhr MEZ (Eins festival)

Daneben gibt es aber auch noch Badmintonberichte in Sendungen, in denen von mehreren Sportarten nebeneinander berichtet wird: 

13. August 12.30 - 13 Uhr (ZDF)
14. August 4 - 7 Uhr und 12 bis 16 Uhr (ZDF)
15. August 4 - 5 Uhr und 12.30 - 13 Uhr
16. August 5 - 7 Uhr und 12 bis 16 Uhr (ZDF)
17. August 12.30 - 13 Uhr (ARD)

Als Reporter sind Andreas Köstler (ARD) und Martin Wolf (ZDF) für die Sportart vorgesehen.        

                

Der Zeitplan
Wie bei den zurückliegenden Olympischen Spielen seit 1992 auch, starten die Badmintonspieler gleich am ersten Tag der Spiele in ihr Turnier. Bereits um 9 Uhr morgens finden am 9. August die ersten Partien im Einzel statt, nachdem am Abend zuvor die auf vier Stunden angesetzte Eröffnungsfeier über die Bühne gegangen war. Viele Badmintonspieler werden daher wohl weniger aus einer politischen Motivation der Eröffnungsfeier fernbleiben, als aus einer rein sportlichen Motivation. Acht Tage bestreiten die Badmintonspieler ihr Turnier, wobei die Medaillenvergabe über die letzten drei Turniertage verteilt sind und nicht wie beim Badminton sonst üblich an einem Finaltag ausgetragen werden.

Sa 9. August (Ortszeiten. MESZ -6 Stunden 9 Uhr sind 3 Uhr hier)
9 – 12 Uhr                  DE, HE (Vorrunde)
14 – 16.30 Uhr            DE, HE (Vorrunde)
18.30 – 22.30 Uhr       DE, HE (Vorrunde)
So 10. August            
10 – 10.30 Uhr            DE, HE (Vorrunde), DD (Achtelfinale)
18.30 – 22 Uhr            DE, HE (Vorrunde), DD (Achtelfinale)
Mo
11. August
10 – 13.30 Uhr            HE (Vorrunde), DE (Achtelfinale); DD (Viertelfinale)
18.30 – 22 Uhr            HE (Vorrunde), DE (Achtelfinale); DD (Viertelfinale)
Di
12. August
10 – 13.30 Uhr            HE, HD, MX (Achtelfinale)
18.30 – 22 Uhr            HE, HD, MX (Achtelfinale)
Mi 13. August
10 – 13.30 Uhr            DE, HD (Viertelfinale), DD (Halbfinale)
18.30 – 22 Uhr            DE, HD (Viertelfinale), DD (Halbfinale)
Do 14. August
10 – 13 Uhr                 HE, MX (Viertelfinale)
18.30 – 22 Uhr            HE, MX (Viertelfinale)
Fr 15. August
10 – 13 Uhr                 DE, HD (Halbfinale)
18.30 – 22 Uhr            DD (Finale), HE (Halbfinale)
Sa 16. August
10 – 13 Uhr                 DE (Finale), DE, HD (Spiel um Bronze)
18.30 – 22 Uhr            MX (Halbfinale), HD (Finale), HE (Spiel um Bronze)
So 17. August
18.30 – 22 Uhr            HE, MX (Finale).

     

Durften noch ins 16er-Herrendoppelfeld nachrücken, weil das Hongkonger olympische Komitee das Doppel Njoto & Hadikusuma nicht nominierte: die polnischen Bundesligastars Robert Mateusiak (li) & Michal Logosz. Foto: Bernd-Volker Brahms.

Teilnehmer am olympischen Badmintonturnier in Peking 2008
Wie schon bei den zurückliegenden Olympischen Spielen stehen den Badmintonspielern 172 Startplätze vom IOC zu, die jeweils mit 86 Plätzen auf Männer und Frauen aufgeteilt sind. Jeder Kontinent ist in jeder Disziplin mindestens einmal vertreten. Daher dürfen auch Spieler aus Afrika, Ozeanien und Amerika mit relativ niedrigen Weltranglistenpositionen starten. Die folgende Aufstellung zeigt die qualifizierten Spieler mit ihrer Position in der Weltrangliste. Wenn aus einem Land mehrere Starter sich qualifiziert haben, so ist dies hinter dem Ländernamen vermerkt.        

    

Herreneinzel (40 Starter)
WRL Nr. 1. Lin Dan (China, 1)
2. Lee Chong Wei (Malaysia, 1)
3. Bao Chunlai (China, 2)
4. Chen Jin (China, 3)
5. Kenneth Jonassen (Dänemark, 1)
6. Sony Dwi Kuncoro (Indonesien, 1)
7. Taufik Hidayat (Indonesien, 2)
8. Peter Gade (Dänemark, 2)
9. Boonsak Ponsana (Thailand)
10. Park Sung-Hwan (Korea, 1)
11. Lee Hyun-Il (Korea, 2)
13. Prezemyslaw Wacha (Polen)
14. Wong Choong Hann (Malaysia, 2)
17. Ronald Susilo (Singapur)
18. Shoji Sato (Japan)
20. Ng Wei (Hongkong)
30. Marc Zwiebler (Beuel)
31. Andrew Smith (Großbritannien)
33. Anup Sridhar (Indien)
34. Andrew Dabeka (Kanada)
35. Tien Minh Nguyen (Vietnam)
38. Petr Koukal (Tschechien)
40. John Moody (Neuseeland)
43. Scott Evans (Irland)
47. Pablo Abian (Spanien)
52. Hsieh Yu Hsin (Taiwan)
54. Ville Lang (Finnland)
57. Kevin Cordon (Guatemala)
58. Kestutis Navickas (Litauen)
59. Erwin Kehlhoffner (Frankreich)
60. Stanislav Pukhov (Russland)
64. Marco Vasconcelos (Portugal)
68. Raju Rai (USA)
69. Vladislav Druzchenko (Ukraine)
72. Stuart Gomez (Australien)
86. Nabil Lasmari (Algerien)
88. Raul Must (Estland)*
92. Kaveh Mehrabi (Iran)*
95. Edwin Ekiring (Uganda)*
99. Christian Boesiger (Schweiz)*
Ersatz
103. Niluka Karunaratne (Sri Lanka)
104. Klaus Raffeiner (Italien)
* nachnominiert

     

Dameneinzel (48 Starterinnen)
WRL Nr. 1. Xie Xingfang (China, 1)
2. Zhang Ning (China, 2)
3. Lu Lan (China, 3)
5. Wang Chen (Hongkong, 1)
6. Pi Hongyan (Frankreich)
7. Tine Rasmussen (Dänemark)
8. Xu Huaiwen (Bischmisheim, 1)
9. Zhou Mi (Hongkong, 2)
10. Wong Mew Choo (Malaysia)
11. Jun Yae-Youn (Korea)
13. Juliane Schenk (Berlin, 2)
14. Traecy Hallam (Großbritannien)
15. Eriko Hirose (Japan)
16. Cheng Shao-Chieh (Taiwan)
17. Petya Nedelcheva (Bulgarien)
23. Anna Rice (Kanada)
24. Maria Kristin Yulianti (Indonesien)
26. Larissa Griga (Ukraine)
27. Ella Diehl (Russland)
31. Sarina Newal (Indien)
32. Sara Persson (Schweden)
33. Salakjit Ponsana (Thailand)
36. Xing Aiying (Singapur)
41. Anu Nieminen (Finnland)
42. Agnese Allegrini (Italien)
44. Kati Tolmoff (Estland)
45. Claudia Rivero (Peru)
47. Jeanine Cicognini (Schweiz)
50. Rachel Hindley (Neuseeland)
51. Olga Konon (Weißrußland)
56. Ragna Ingolfsdottir (Island)
59. Ana Moura (Portugal)
60. Maja Tvrdy (Slowenien)
65. Eva Lee (USA)
69. Kristina Ludikova (Tschechien)
89. Grace Daniel (Nigeria)
75. Le Ngoc Nguyen Nhung (Vietnam)
79. Chloe Magee (Irland)
81. Yoana Martinez (Spanien)
82. Kamila Augustyn (Polen)
100. Erin Carroll (Australien)*
102. Karen Foo Kune (Mauritius)
107. Thilini Jayasinghe (Sri Lanka)
110. Akvile Stapusaityte (Litauen)
118. Deyaniere Angulo (Mexiko)
119. Eva Sladekova (Slowakei)*
142. Hadia Hosny (Ägypten)*
146. Kerry-Lee Harrington (Südafrika)*
 * nachnominiert

    

Herrendoppel (16 Paare)
1. Markis Kido & Hendra Setiawan (Indonesien, 1)
2. Fu Haifang & Cai Yun (China, 1)
3. Jung Jae-Sung & Lee Yong-Dae (Korea, 1)
4. Choong Tan Fock & Lee Wan Wah (Malaysia, 1)
5. Koo Kein Keat & Tan Boon Heong (Malaysia, 2)
7. Luluk Hadiyanto & Alvent Yulianto Chandra (Indonesien, 2)
8. Lars Paaske & Jonas Rasmussen (Dänemark, 1)
9. Guo Zhongdong & Xie Zhongbo (China, 2)
10. Lee Jae-Jin & Hwang Ji-Man (Korea, 2)
11. Shuichi Sakamoto & Shintaro Ikeda (Japan, 1)
12. Jens Eriksen & Martin Lundgaard Hansen (Dänemark, 2)
14. Tadashi Ohtsuka & Keita Masuda (Japan, 2)
18. Michal Logosz & Robert Mateusiak (Polen)*
21. Howard Bach & Bob Malaythong (USA)
42. Glenn Warfe & Ross Smith (Australien)
55. Roelof Jakobus Dednam & Christoffel Cornelius Dednam (Südafrika)
Ersatz
19. Kristof Hopp & Ingo Kindervater (Bischmisheim & Beuel)
22. Tsai Chia Hsin & Hu Chung Shien (Taiwan)
26. Vitalij Durkin & Alexandr Nikolaenko (Russland)
* nachnominiert

   

Damendoppel (16 Paare)
1. Yang Wei & Zhang Jiewen (China, 1)
2. Du Jing & Yu Yang (China, 2)
3. Zhang Yawen & Wei Yili (China, 3)
4. Lee Kyung-Won & Lee Hyo-Jung (Korea, 1)
5. Chien Yu Chin & Cheng Wen Hsing (Taiwan)
6. Gail Emms & Donna Kellogg (Großbritannien)
7. Kumiko & Ogura & Reiko Shiota (Japan, 1)
8. Miyuki & Maeda & Satoko Suetsuna (Japan, 2)
9. Lilyana Natsir & Vita Marissa (Indonesien)
10. Wong Pei Tty & Chin Eei Hui (Malaysia)
11. Jiang Yanmei & Li Yujia (Singapur)
13. Lena Frier Krsitiansen & Kamilla Rytter Juhl (Dänemark)
15. Ha Jung-Eun & Kim Min-Jung (Korea)
36. Eva Lee & Mesinee Mangkalakiri (USA)
49. Tania Luiz & Eugenia Tanaka (Australien)
79. Michelle Claire Edwards & Chantal Botts (Südafrika)
Ersatz
16. Kamila Augustyn & Nadiezda Kostiuczyk (Polen)
17. Anastasia Russkikh & Ekaterina Ananina (Russland)
20. Johanna Persson & Elin Bergblom (Schweden)
23. Nicole Grether & Juliane Schenk (Berlin)

     

Mixed (16 Paare)
1. Nova Widianto & Lilyana Natsir (Indonesien, 1)
2. Zheng Bo & Gao Ling (China, 1)
3. Flandy Limpele & Vita Marissa (Indonesien, 2)
4. He Hanbin & Yu Yang (China, 2)
6. Nathan Robertson & Gail Emms (England, 1)
7. Sudket Prapakamol & Saralee Thoungthongkam (Thailand)
8. Anthony Clark & Donna Kellogg (England, 2)
9. Thomas Laybourn & Kamilla Rytter Juhl (Dänemark)
10. Lee Yong-Dae & Lee Hyo-Jung (Korea, 1)
11. Han Sang-Hoon & Hwang Yu-Mi (Korea, 2)
12. Robert Mateusiak & Nadiezda Kostiuczyk (Polen)
13. Kristof Hopp & Birgit Overzier (Bischmisheim & Beuel)
14. Hendri Kurniwan Saputra & Yujia Li (Singapur)
21. Howard Bach & Eva Lee (USA)
31. Craig Cooper & Renee Flavell (Neuseeland)
75. Georgie Copidon & Juliette Ah-Wan (Seychellen, Afrika)
Ersatz
16. Ingo Kindervater & Kathrin Piotrowski (Beuel & Wesel)
17. Chen Hung-Ling & Chou Chia Chi (Taiwan)
22. Keita Masuda & Miyuki Maeda (Japan)
25. Alexandr Nikolenko & Nina Vislova (Russland).

Ausstatter der Nationalmannschaften des DBV
Fotos von BERND-VOLKER BRAHMS
Peking verspricht saubere Spiele.
Zum zweitenmal bei Olympia dabei: Juliane Schenk.
Ebenfalls schon in Athen am Start: Huaiwen Xu.
Olympische Premiere für: Kristof Hopp & Birgit Overzier...
...und Marc Zwiebler.
Die chinesischen Fans sind bereit.

© 2004 Deutscher Badminton-Verband e.V.