Zur Titelseite Studenten - University International.

   

Studierenden-Weltmeisterschaft 1998 in Istanbul

 5th World University Badminton Championships

           

Vom 3. bis 10. September in der Marmara-Universität von Istanbul, Türkei
.

Zweimal gab's in Medaillen für unsere Studenten

  

Boris Reichel mit Michael Helber im Doppel und mit Anja Weber im Mixed

     

Von Bastian Kruse
Die deutsche Delegation bestand dabei aus den AthletInnen Heike Schönharting (Studentin der Publizistik, Film- und Politikwissenschaften an der Universität Mainz), Anja Weber (Sportstudentin an der Humboldt-Universität Berlin), Michael Helber (Sportstudent an der Universität Saarbrücken), Boris Reichel (Sportstudent an der DSHS Köln), die sich u.a. im Rahmen der Internationalen Deutschen Hochschulmeisterschaften vom 11. bis 14. Juni an der RWTH Aachen qualifiziert hatten und in Zusammenarbeit mit dem Bundestrainer Flemming Wiberg nominiert wurden, sowie den Funktionären Juri Ramke (Geschäftsführender Vorstand adh), Bastian Kruse (Disziplinchef Badminton im adh) und Harald Schallenberg (EBU-Schiedsrichter). Anja Weber rückte dabei kurzfristig für Steffi Müller (Sportstudentin an der Universität Saarbrücken) nach, die sich an der Schulter verletzte.

Am Mittwoch, dem 2. September wurden wir am Flughafen von unserer Team¬begleiterin Göksen (teamintern ”Gürkchen”) empfangen und mit weiteren ankom¬menden Nationen zu dem auf dem asiatischen Kontinent liegenden Campus der Marmara-Universität gefahren, akkreditiert und untergebracht. Den ersten Abend nutzen wir gleich zu einem Kneipenbummel in Kardaköy, um erste Kontakte zu knüpfen sowie türkische und deutsche Floskeln und Sprichwörter (u.a. ”Hauptsache Spaß gehabt..”) auszutauschen, trotz der zumindest für Haralds Ohren widriger Hardrock-Beschallung.

Am Donnerstag stand eine gemeinsame Besichtigung des alten, auf dem europäischen Kontinent liegenden Istanbul auf dem Programm, bei der wir die Blaue Moschee, die Haga Sophia, die alten Yerebatan Zisternen und den überdachten Basar (größter Basar des Orients) zu sehen bekamen. Abends wurde noch eine 90-minütige Trainingseinheit zum Kennenlernen der äußeren Gegebenheiten absolviert. Leider verletzte sich Heike dabei an ihrer Schlagschulter, so daß sie gehandikapt in das Turnier starten mußte.

Michael Helber vergab acht Matchbälle
Freitag morgen begannen endlich die Wettkämpfe, bei denen ca. 100 Athleten und Athletinnen aus 23 europäischen und asiatischen Ländern ihre Kräfte in den fünf Disziplinen maßen. Die TeilnehmerInnen hatten - ähnlich der IDHM in Aachen, allerdings auf höherem Niveau - eine Bandbreite der sportlichen Leistungsfähigkeit von Landesliga-Niveau bis hin zu Medaillengewinnern der letzten WM in Glasgow. Auch dies ist ein besonderer Reiz der im Zwei-Jahres-Rhythmus organisierten Studierenden-WM, bei der die Deutschen erwartungsvoll antraten, um ihre Medaillenhistorie bei diesen Wettkämpfen fortzusetzen.

Schon beim Frühstück kamen erste Gerüchte auf, die Japaner hätten morgens um fünf Uhr noch eine Trainingseinheit absolviert, was Michael beim Blick auf das Turniertableau und seinen japanischen Erstrundengegner Nihei zu der leichtsinnigen Bemerkung verleitete ”wenn das beim Siegen hilft, stehe ich in Zukunft auch um fünf Uhr zum Trainieren auf”, die allerdings unerbittlich vom Coach registriert wurde. Das Erstrundenmatch gegen den späteren Viertelfinalisten Ryo Nihei (Japan) war an Dramatik kaum zu überbieten. Michael verlor nach acht vergebenen, aber auch sechs abgewehrten Matchbällen mit 16:17 im dritten Satz. So steht nun noch eine morgendliche Trainingseinheit aus, vielleicht im Rahmen der IDHM 1999 vom 3. bis 6. Juni 1999.

Als nächstes war Heike nach einer Physio-Behandlung im Dameneinzel an der Reihe. Sie traf auf die spätere Turnier-Dritte Suh-Ling Lee aus Taiwan, der sie sich nach drei langen Sätzen mit 8:11 13:10 10:13 geschlagen geben mußte - Lospech.

Der späte Abend wurde mit stundenlangen, aber ergiebigen Gesprächen über das Selbstverständnis und die Rolle der Schiedsrichter und den Fairplaygedanken im Sport beschlossen.

Der Samstag wurde zum deutschen Tag
Im Damendoppel besiegten Schönharting & Weber zunächst die Französinnen Vattier & Lefort, bevor sie im Viertelfinale dem englischen Doppel Emms & Hardaker mit 15:11 5:15 3:15 unterlagen. Unser Herrendoppel Helber & Reichel (Setzliste Nr. 1) stand nach Siegen über die Engländer Claphan & Roe und das französische Doppel Gallet & Laigle im Halbfinale gegen die Chinesen Y.P. Liang & J. Zhu. Im ersten Satz hatten sie dem fehlerfreien, druckvollen Spiel der Chinesen bis 4:12 nichts entgegenzusetzen, bevor sie gegen Ende des Satzes, der mit 9:15 verloren ging, das Spieltempo drosseln konnten. Mit zunehmender Spieldauer wurde das Spiel immer wieder geöffnet und dann geduldig und variabel angegriffen. Verdienter Lohn war der Gewinn der folgenden Sätze mit 15:11 und 15:11 und damit das Erreichen des Finales.
Im Mixed gewannen Reichel & Weber (Setzliste Nr. 3) zunächst gegen die endliche Paarung Roe & Munt sowie gegen Huang & Shishi (China), bevor sie im Halbfinale den Taiwanesen Huang S. Chung & C. Li-Chen mit 10:15 und 7:15 unterlagen. Boris mußte den vielen Spielen an diesem Tag Tribut zollen: Nach der 10:9 Führung im ersten Satz war der Akku leer. Glückwunsch nochmals an Anja und Boris für das Bestätigen der Setzliste und den Gewinn der Bronzemedaille.

Am Samstag abend lud uns dann der adh zu einem tollen Abendessen in einem Gartenrestaurant mit Blick auf den Bosporus ein - eine willkommene Abwechslung zu der Mensaverpflegung der letzten Tage.

Sonntag - Finaltag
Unsere Jungs waren als viertes Endspiel terminiert, so daß wir erst ein glattes Mixedendspiel, zwei sich für das Damendoppel schonende chinesische Einzelspielerinnen und ein schon tausendfach im Training gespieltes Herreneinzel mit angezogener Handbremse über uns ergehen lassen mußten. Wenigstens sollten uns die zwei ausstehenden Doppel entschädigen.
Helber & Reichel konnten im ersten Satz des Finales überraschend schnell das Spieltempo kontrollieren und den Satz mit 17:14 gewinnen. In den mit 11:15 und 8:15 verlorenen Sätzen konnten die Taiwanesen Huang S. Chung & Y. Chine zunehmend den deutschen Angriff beschäftigen und damit kontrollierte Angriffe dieser Paarung erschweren, weswegen sie letztendlich verdient gewannen. Kompliment nochmals für das famose Halbfinale sowie für das hart umkämpfte Finale und den damit verbundenen Vizeweltmeistertitel. Das abschließende Damendoppel dominierten in langen und zähen Ballwechseln die Paarung aus Taiwan.

Krönender Abschluß der Veranstaltung war die Players Party im Rahmen einer vierstündigen Fahrt auf einem Ausflugsboot den nächtlichen Bosporus hoch bis zu bis zum Schwarzen Meer - traumhafte Ausblicke auf die Lichterstadt Istanbul. Dank freier Cocktails und mitreißender türkischer Tanzmusik entwickelte sich schnell eine tolle Fete, die bis in die frühen Morgenstunden in den Kneipen von Kardaköy fortgesetzt wurde. So waren am Abreisetag die Gesichter doch noch nachtgeschädigt, als wir etwas wehmütig die Heimreise antraten.
Spaß gehabt und dabei zwei Medaillen gewonnen” bleibt als Schlußresümee zu ziehen.

   

Ergebnisse ab Halbfinale:

Herreneinzel 
1. Jianwen Zhu (China)
2. Huang Chen (China)
3. Matthew Shuker (England) 10:15 4:15 17:16 vs. 1.
3. Thomas Wapp (Schweiz)  vs. 2.
Dameneinzel
1. Yao Jie (China)
2. Shishi Zou (China)
3. Karin de Wit (Holland)  vs. 1.
3. Suh-Ling Lee (Taiwan)  vs. 2.
Herrendoppel
1. Y. Chine & Huang S. Chun (Taiwan) 14:17 15:11 15:8
2. Michael Helber & Boris Reichel (Deutschland) 
3. T. Wapp & R. Müller de L`Etang (Schweiz)  vs. 1.
3. Y.P. Liang & J. Zhu (China) 15:9 11:15 11:15 vs. 2.
Damendoppel
1. T. Hui-Min & C. Li-Min (Taiwan)
2. Y. Zie & S. Zou (China)
3. S. Hardaker & G. Emms (England)  vs. 1.
3. K. de Wit & G. Severien (Holland)  vs. 2.
Mixed
1. Y. Liang & Liu Lu (China) 
2. Huang S. Chung & C. Li-Chen (Taiwan)
3. L. Clapham & G. Emms (England)  vs. 1.
3. Boris Reichel & Anja Weber (Deutschland)  vs. 2.


© 2004 Deutscher Badminton-Verband e.V.