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Studierenden-Weltmeisterschaft 2000 in Sofia

 6th World University Badminton Championships

           

Vom 23. bis 26. Februar im Palace of Sport in Sofia, Bulgarien
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Aus Deutschland waren nur Anja Weber und Boris Reichel (hinten) am Start.
ADH-Delegation: Schiedsrichter Harald Schallenberg, Boris Reichel, Anja Weber und ADH-Badmintonchef Bastian Kruse.
Für die Organisation in Sofia gab's Kritik. Fotos. Kruse.

Wegen Terminverlegung nur zwei deutsche Starter - Mixed verpasste Medaille

 

Dürftige Organisation der Veranstaltung führte zu Protestnote

    

Von Bastian Kruse
"Hauptsache den Humor bewahrt...” - so das Motto der Delegation des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbandes (adh) bei den 6. Studierendenweltmeisterschaften in Sofia.

Bedingt durch die erst im Oktober bekanntgegebene Vorverlegung der Veranstaltung von Mitte August auf Ende Februar kam es zu größeren organisatorischen Schwierigkeiten bei der Nominierung. Der neue Termin fiel unglücklicherweise auf den letzten Spieltag der 1. und 2. Bundesliga, an dem oft über Meisterschaft und Abstieg entschieden wird. So mussten leider Heike Schönharting (Studentin der Publizistik, Film- und Politikwissenschaften an der Universität Mainz) und Marc Hannes (Sportstudent an der DSHS Köln) absagen. Die deutsche Delegation bestand daher lediglich aus den dankenswerterweise von ihren Vereinen Eintracht Südring und Bayer Uerdingen freigestellten Athleten Anja Weber (Sportstudentin an der Humboldt-Universität Berlin) und Boris Reichel (Sportstudent an der DSHS Köln), die sich u.a. im Rahmen der Internationalen Deutschen Hochschulmeisterschaften vom 3. bis 6. Juni an der TU München qualifiziert hatten und in Zusammenarbeit mit dem Bundestrainer Asger Madsen und Bundesassistenztrainer Stefan Dreseler nominiert wurden. Außerdem waren Harald Schallenberg (EBU-Schiedsrichter) und Delegationsleiter Bastian Kruse (Disziplinchef Badminton im adh) dabei.

Bereits am Montag, dem 21. Februar reisten wir mit einer Tupolew-Maschine der Balkan-Air nach Sofia an und wurden am Flughafen von unsere Gastgebern empfangen und mit weiteren ankommenden Nationen zum „Spieler-Hotel“ gebracht, akkreditiert und untergebracht. Den ersten Nachmittag nutzen wir gleich zu einem Kurzausflug in die Innenstadt von Sofia – ein erster trostloser Eindruck bei Kälte und Regen inmitten einer von Industrieruß überzogenen architektonischen Stadtwüste.

Den Dienstag nutzten wir zum Erkunden der Spielhalle, einer Eishockey-Arena mit ca. 4500 Sitzplätzen, die für diesen Anlass leider total überdimensioniert war.
Die Halle selber war wegen des europäischen Thomas- / Ubercupfinales, der dort in der vorangehenden Woche stattfand, in einem würdigen Rahmen präpariert - der beste Part der Organisation.  Während des technischen Meetings absolvierten die Spieler zum Kennenlernen der äußeren Gegebenheiten eine erste Trainingseinheit in der Arena und äußerten sich sehr zufrieden.

Neue Auslosungen
Der Mittwoch war als erster Turniertag der 6. Studierendenweltmeisterschaften, bei denen ca. 90 Athleten und Athletinnen aus 14 europäischen und asiatischen Ländern ihre Kräfte in den fünf Disziplinen maßen, geplant. Die TeilnehmerInnen hatten - ähnlich der DHM in München, allerdings auf höherem Niveau - eine Bandbreite der sportlichen Leistungsfähigkeit von Landesliga-Niveau bis hin zu Teilnehmern der letzten Europa- und Weltmeisterschaften. Auch dies ist ein besonderer Reiz der im Zwei-Jahres-Rhythmus organisierten Studierenden-WM, bei der die Deutschen erwartungsvoll antraten, um ihre Medaillenhistorie bei diesen Wettkämpfen fortzusetzen.
Gerade unsere Mixedpaarung war vor zwei Jahren in Istanbul im Halbfinale mit Bronze dekoriert gewesen und hoffte auf eine neuerliche Medaille zumal sie in der Setzliste auf  3 platziert wurden. Die Teilnahme an den Einzeldisziplinen wurde von beiden „Doppelspezialisten“ eher als Gelegenheit noch mehr Spiele zu absolvieren, und im Turnierrhythmus zu bleiben, gesehen.
Nun begann für die auf den Turnierbeginn wartenden Athleten das Drama. Die Auslosung und der Turnierbeginn wurde wegen der Taiwanesen, die gemeldet waren und traditionellerweise stets Titelchancen haben, aber wegen fehlender Visa trotz aller Versuche mit verschiedenen Airlines über einige europäische Flughäfen nicht nach Bulgarien mitgenommen wurden, mehrmals geändert und verschoben. Ständige neue Informationen und Auslosungen ließen eine geregelte mentale Vorbereitung auf die Spiele kaum zu, so dass viele Spieler wirklich entnervt waren.
Abends begannen endlich die Vorrundenspiele in den Einzeldisziplinen, bei denen die Taiwanesen letztendlich aus der Setzliste genommen wurden.
Schlechter Sex
Der Donnerstag stand ganz im Zeichen von Badminton, die ersten Runden im Einzel wurden zügig durchgezogen. Anja Weber traf dabei in ihrem ersten Spiel auf die spätere Drittplazierte Irina Koloskova aus der Ukraine und verlor in drei knappen Sätzen. Ihr trockener Kommentar danach war: „Die pumpt wie ein Maikäfer und ick treff das Feld nich!“.
Danach war Boris dran, der mit dem Engländer Matthew Shuker, der vor zwei Jahren Bronze holte, einen schweren Auftaktgegner hatte. Boris kam nach verlorenem ersten Satz immer mehr in den Rhythmus und die Präzision des Einzelspiels herein und siegte im Entscheidungssatz. In der nächsten Runde traf er auf einen Bulgaren, gegen den er ebenfalls nach hartem Kampf in 3 Sätzen siegreich war. Sein Kommentar nach dem Spiel:  “Herreneinzel ist wie schlechter Sex, eigentlich will man nicht, aber aufhören mag man auch nicht“.
Anschließend begannen dann, mit den inzwischen eingetroffenen Taiwanesen, die Doppeldisziplinen. Nach einem Freilos in der ersten Runde wurden Reichel & Weber in der zweiten Runde gegen eine ukrainische Paarung ihrer Favoritenstellung gerecht und siegten deutlich in zwei Sätzen.
Abends sichteten wir dann gemeinsam das Videomaterial als Vorbereitung auf das Viertelfinale gegen Trueman & Munt aus England – nach Meinung aller Beteiligten eine lösbare Aufgabe.

Lösbare Aufgabe blieb ungelöst
Freitags war dann der Viertel- und Halbfinaltag. Zuerst musste Boris im Einzel gegen den Turnierfavoriten und späteren Sieger YAN Wei aus China antreten und verlor nach guter Leistung.
Anschließend kam es zum Viertelfinale im Mixed zwischen Weber & Reichel und Trueman & Munt. Unsere Paarung war zu sehr mit den ihrer Meinung nach nicht regelgerechten Aufschlägen des englischen Herrn beschäftigt. Zwar gelang es Ihnen nach verlorenem ersten Satz in der Verlängerung des zweiten Satzes den Aufschlagrichter auswechseln zu lassen, so dass sie sich mit Glück in den Entscheidungssatz retten konnten, doch auch dort konnten sie nicht wie gewohnt die Spielführung erlangen und verloren mit 11:15 17:14 und 8:15.
Nach verlorenem Spiel war der Frust groß, der erst bei einem Einkaufsbummel und dem täglichen Besuch in unserem Cafè Papillon ein wenig wich. Abends fand in einem Irish Pub mit verschiedenen Thekenbereichen und einem sich in der Mitte befindlichen kleinen gepflasterten Platz das traditionelle Mannschaftsessen statt - eine willkommene Abwechslung zu der Hotelverpflegung der letzten Tage. Mit den ebenfalls ausgeschiedenen Engländern und Russen wurde bis spät in die Nacht gefeiert und zur Musik einer wegen zu politischer Aussagen lange mit Auftrittsverbot belegten bulgarischen Rockband getanzt.

Vitosha-Berge statt Endspiele
Zu den Endspielen kann der Verfasser leider nichts erzählen, da er bis 14 Uhr auf Einladung der Engländer mit diesen in den Vitosha Mountains zum Skifahren weilte. Unsere Athleten wollten sich nicht so früh aus dem Bett schälen, so dass sie sich dann die wohl wenig aufregenden Endspiele, die entweder zu einseitig oder bereits tausendfach im Training gespielt und dadurch von ihrem Verlauf her taktisch erstarrt waren, anschauten.  Abschluss der Veranstaltung war die Players Party am Samstag in der Lounge der Sporthalle, die wegen des verspäteten Beginnes ab 23 Uhr doch an Zuspruch der Teilnehmer zu wünschen übrig ließ.

Der Sonntag nutzten wir noch mal zu einem Stadtbummel und einem letzten Besuch unseres Stamm-Cafès, bevor es mit einer Boeing 737 pünktlich Richtung Frankfurt ging, von wo aus sich alle Teilnehmer weiter verteilten.

Schwache Organisation
Zusammenfassend bleibt eine organisatorisch dürftige Veranstaltung und eine „verschenkte“ Bronzemedaille im Mixed im Gedächtnis. Zu den organisatorischen Schwächen, angefangen von der kurzfristigen Terminverlegung von Mitte August auf Ende Februar bis zum Ablauf der Veranstaltung wurde von den Delegationsleitern der Engländer, der Franzosen und von uns eine „Protestnote“ verfasst und an die zuständigen Personen weitergeleitet.
Die Veranstaltung wurde ein wenig gerettet durch die sich neu ergebenden Kontakte und die toughen Teilnehmer, die trotz aller Schwächen der Veranstaltung ihren Humor stets bewahrten.
Auf ein Neues - auf hoffentlich höherem organisatorischem Niveau - im Jahre 2002.

   

Ergebnisse:

Herreneinzel
1. YAN Wie (CHN)
2. NIEDZWIEDZKI Jacek (POL)
3. LOGOSZ Michal (POL)  vs. 1.
3. NAKANISHI Yosuke (JPN)  vs. 2.
Dameneinzel
1. HU Ting (CHN)
2. WEI Yili (CHN)
3. SMILIANOVA Dobrinka (BUL)   vs. 1.
3. KOLOSKOVA Irina (UKR)  vs. 2.
Herrendoppel
1. HUANG Shih-Chung & CHIEN Yu-Hsun (TPE) 14:17 15:11 15:8
2. LOGOSZ Michal & PLAWECKI Damian (POL)  
3. DURKIN Vitali & RUSSKIKH Alexander (RUS)  vs. 1.
3. FENG Xingqiao & YAN Wie (CHN)  vs. 2.
Damendoppel
1. LIU Lu & WEI Yili (CHN)
2. HUANG Chia-Chi & JENG Shwu-Jen (TPE)
3. MATSUURA Yuko & NAKASHIMA Akiko (JPN) vs. 1.
3. RUDOLF Kinga & SZLESZYNSKA Joanna (POL) vs. 2.
Mixed
1. FENG Xingqiao & LIU Lu (CHN)  
2. PLAWECKI Damian & RUDOLF Kinga (POL)
3. SHUKER Matthew & PARKER Liza (GBR)  vs. 1.
3. TRUEMAN Paul & MUNT Natalie (GBR)  vs. 2.


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