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Individual-WM 2010

Vom 23. bis 29. August in Paris (Frankreich), Stade Pierre de Coubertin, 82 Avenue Georges Lafont.

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Pariser Impressionen von Thomas Ludwig

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Pariser Impressionen von Thomas Ludwig - Samstag

Von Favoritensterben auf dem Weg ins Finale 

Da gibt es natürlich die persönlichen Favoriten, gemeint sind die Europäer, allen voran Tine Baun und Petre Gade, die Vorzeigedänen. Oder die Geheimfavoriten, wie vor allem die Inderin, Saina Nehwal. Natürlich gibt es auch ganz „normale“ Favoriten, wie alle Weltranglistenersten.
Als Erste erwischte es die Nummer eins bei den Damen Yihan Wang aus der Volksrepublik China, die gegen die Nummer zehn der Welt Eriko Hirose aus Japan den kürzeren zog: Eines der längsten und umkämpftesten Spiele der diesjährigen Weltmeisterschaften. So kann sich eine Verliererin mit einigermaßen Anstand von der weltmeisterlichen Bühne verabschieden.
Wenig Gegenwehr
Saina Nehwal dagegen ging sang und klanglos gegen Shixin Wan unter. Lin Dan scheiterte bereits im im Viertelfinale mit nicht dem Hauch einer Chance gegen den viel agileren Koreaner Sung Hwan Park. Was war mit dem hoch eingeschätzten Lee Chong Wei los, als er im zweiten Teil des dritten Satzes im Viertelfinale gegen Hidayat seinen Schläger nicht mehr kontrollieren konnte? Schade auch aus europäischer Sicht, dass Tina Baun nie in ihr Halbfinalspiel gegen Wang Lin hineinfand.
Gade will nach London
Ungleich würdevoller gestaltete sich das Ausscheiden von Peter Gade, der einen tollen ersten Halbfinalsatz hinlegte, dann aber in den beiden folgenden Sätzen gegen Chen Jin das Anfangsniveau nicht mehr halten konnte. Getröstet mit einem dritten Platz, plauderte er ganz gelöst in der Pressekonferrenz von den kommenden Jahren als Badmintonspitzenspieler im Weltzirkus, mit dem Ziel gesund zu bleiben, um dann eventuell bei den Olympischen in London 2012 mit dabei zu sein.

Juliane im Spiel gegen Cheng Shao-Chieh.
Marc im Spiel gegen Peter Gade. Fotos: Thomas Ludwig

Pariser Impressionen von Thomas Ludwig - Donnerstag

Von einem Sieg, der eigentlich verdient gewesen wäre 

Gade ließ Marc laufen
Marc Zwieble, hatte anscheinend zu viele Gegner an diesem Tag. Da war der Schiedsrichter, die rutschigen Hände, die Linenrichter, der auf den Boden tropfende Schweiß, der Aufschlagrichter und nicht zuletzt musste er auch noch Badminton spielen gegen einen nicht Geringeren wie den Weltranglistenzweiten Peter Gade.
Es war der heißeste Tag im Stade Pierre de Coubertin, beide Protagonisten zogen zwei Sätze lang das Taktieren dem Spielen vor. Attraktives Angriffsbadminton: Fehlanzeige. Das Konzept von Peter erwies sich als das stabilere Korsett, als Grundlage für einen nie gefährdeten Sieg. Ständiger Wechsel Vorhandseite Grundlinie, Drop in die Rückhandecke von Marc. Gefühlte 80 Prozent aller Bälle gingen im ersten Satz in diese beiden Ecken. Marc machte zwar Punkte - aber eben nicht genügend und wurde einige Male Opfer von den Gades Finten.
Im zweiten Satz änderte Gade das Konzept nur dahingehend, indem er Marc überwiegend die andere Diagonale laufen ließ, ohne sein Defensiv-Badminton aufzugeben, Marc machte wieder Punkte mit einem ähnlichen spieltaktischen Konzept - aber erneut nicht genügend.
Juliane mit beeindruckendem Spiel
Den Sieg mehr als verdient hätte Juliane Schenk. Sie kämpfte badmintontypisch bis fast zum Umfallen. Ihre nur 157,5 cm große Gegnerin Shao-Chieh Cheng war äußerst undankbar zu spielen, absolut unbeeindruckt von der Hitze, laufstark, immer für einen Tempowechsel gut. Trotz ihrer kleinen Körpergröße konnte sie mit ihrer ganzen mentalen Größe im Feld überzeugen. Ein Terrier der die Übersicht behielt. Phasenweise, in den ersten zwei Dritteln in Satz eins und Satz drei, konnte Juliane kleine Schwächeperioden der Taiwanesin mit sehr variablem, fintenreichen Badminton nutzen. Doch das kostete Körner, die im entscheidenden dritten Satz am Ende fehlten. Es stand 19:20 im dritten Satz, Juliane hatte Aufschlag und gerade einen Matchball abgewehrt, sie hetzte die Taiwanesin von einer Ecke in die andere, wieder mal weit über 20 Ballkontakte wie so oft in diesem Spiel. Ein Notball Shao-Chieh Cheng ging steil nach Oben und senkte sich in Richtung Aufschlaglinie In Julianes Hälfte, der sichere Ball zum 20:20, super vorbereitet. Es wäre so schön gewesen, wäre nicht das Netz im Weg gestanden und hätte diesen eigentlich sicheren Elfmeter geschluckt. Trotz alledem bot Juliane ein beindruckendes und attraktives Spiel.

Pariser Impressionen von Thomas Ludwig - Mittwoch

Von einem Dreisatzkrimi und einer Aprikose 

Kristof & Johannes hatten den Sieg vor Augen
Mitleid, kommt wohl von Mitleiden. Verloren, und doch gewonnen: An Sympathie. Haken wir zunächst mal ganz schnell den ersten Satz ab, den die Indonesier ohne viel Aufwand gewannen.
Wie beeindruckend Johannes & Kristof zusammenspielen können, zeigte erst der zweite Satz, der absolutes Weltniveau hatte. Varianten in Angriff und Verteidigung, Positionswechsel, meist agierte Johannes sehr sehr effektiv am Netz. Kristof bereitete mit schnellen Bällen in Richtung Seitenauslinie und Zuckerdrops vor. Sehr kreativ-genial wie er das machte und die jungen Indonesier hielten dagegen, es wurde eng, sehr eng. Aufschlagfehler gegen uns 19:19, dreimal musste Johannes beim letzten Aufschlag ansetzen, die Indonesier taktierten, doch er behielt die Nerven. 23:21.
So gut wie die Zwischenstände auch im dritten Satz ausschauen mögen, das Spiel der Deutschen, war, sagen wir es positv: abwartend. Die Indonesier produzierten genügend Fehler, genauso wie Johannes & Kristof im ersten Satz.
Bis zum Stande von 18:14 für die Unseren lief alles nach Plan. “Noch drei“ hörte ich hinter mir einen der lautstarken und zahlreichen Fans rufen. Doch kein Problem, oder?
Doch, es war eines! Johannes & Kristof schienen stehend mental k.o. z sein. Unbegreiflich. Kein Punkt mehr, keine Gegenwehr, keine taktische Pause. Badminton kann so unberechenbar sein.
Marc musste arbeiten
Am Ende wurde es ein klarer Zweisatzsieg gegen Pablo Abian. Alles sah im ersten Satz sogar nach einem Durchmarsch aus. Schlagtechnisch, läuferisch und konditionell war Marc dem Spanier deutlich überlegen. Dann aber der zweite Satz, nichts ging mehr. 11:4 für den Spanier, so ging es in die kleine Pause. Gebetsmühlenartig riefen die Trainer: „Lass ihn laufen“. Marc lief, aber entweder die Bälle waren zu lang, oder zu kurz, was der Spanier für sehr erfolgreiche Angriffe nutzen konnte. Dann kam das entscheidende Wort der Trainer: „Marc du musst arbeiten“.
Arbeiten ist gut, nur ist der Spieler auf einer Art Expositions-Show, er muss das Erarbeitete der schaulustigen Masse präsentieren. Vieles ist einfach schwerer als sonst im Trainingsbüroarbeitsalltag. Marc auf alle Fälle, setzte wieder Segel und entkam erstaunlich schnell dieser spielerischen Flaute: Ein klarer Zweisatzsieg war der Lohn.
Im Keller bei Cola Light
Nur eingeschränkte Freude macht die Pressearbeit hier in Paris. Üble Internetverbindung. Dienstag ging hier in der Halle und auch im Hotel so gut wie gar nichts mit der Online-Anbindung. Die Anhänge an Mails gingen gestern nicht durch.
Paris hat Defizite in seiner Infrastruktur, erinnert mich alles mehr an die dritte Welt, wobei ich Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien ausnehme.
Heute Mittag - warum eigentlich nicht in der Nacht oder früh am Morgen - wurde hier wieder mal gebastelt. Der Systemadministrator hatte wahrscheinlich gerade ausgeschlafen. Angeblich soll es jetzt alles besser sein, bis demnächst…
Auch sonst unbeschreibliche Zustände, in der Halle weit über 30 Grad. Die Presseleute im Keller dichtgedrängt. Als Essen gab es gestern eine Aprikose.
Kein Kaffee, nur Cola Light und Zero. Ständig wird gefragt, ob man denn nun auch wirklich fotografieren wolle. Die grauen zum Fotografieren legitimierenden Westchen sind rar.

MX 1. Rd.: Ingo Kindervater & Birgit Overzier - Songphon Anugritayawon & Kunchala Voravichitchaikul 17:21 20:22



Trainer Boris Reichel.
Fotos: Thomas Ludwig

Pariser Impressionen von Thomas Ludwig - Dienstag

Von energievollen Auftakten und einer Gummiwand

Marc landete Auftaktsieg nach Maß
Absolut konzentrierter, energiegeladener Beginn. Nicht dass Jan Vondra ein leichter Gegner ist, immerhin No. 64 in der Welt. Marc sagte im Anschluss, er habe in den letzten zwei Wochen katastrophal für seine Verhältnisse gespielt. Wörtlich postulierte er: „Ich wusste gar nicht, dass ich so schlecht Badminton spielen kann.“
Marc hatte sich in letzten Wochen insgesamt nicht wohl gefühlt, zeigte sich aber nun sehr zuversichtlich für die nächsten Tage. Er fühlt sich wohl in der Halle und auf den Feldern. Heute zog er schon viele Register eines Spielers von Weltformat.
Zeigt er weiterhin einen so hohen Fokus auf Ball und Gegner, können wir uns auf sehr schöne Spiele mit ihm freuen.
Hier gibt es ein Kurzvideo.
Sandra & Birgit gegen Gummiwand
Leider verloren unsere Damen Sandra Marinello & Birgit Overzier in einem wenig dramatischen Spiel. Sie spielten gegen die berühmte Gummiwand, in Form ihrer thailändischen Kontrahentinnen. Birgit gelang fast nichts am Netz. Unsicherheit ist ein schlechter Ratgeber im Badminton. Es keimte noch ein bisschen Hoffnung im zweiten Satz, aber einige vergebene Chance machten alle Möglichkeiten zunichte.
Kein Abtasten bei Juliane
Kein Abtasten – Juliane Schenk ging sofort in die Vollen gegen Lydia Li Ya Cheah aus Malaysia ging. Julianes Vorsprung war enorm und die Gegnerin von Anfang an von der Rolle.  Ausgeglichener verlief der zweite Satz. Aber mit einem früh angesetzten Endspurt, ließ sie keine Zweifel an ihren außerordentlichen Qualitäten und ihrer Fitness aufkommen. Ihre Marschroute die Gegnerin mit flachen schnellen Bällen an der Grundlinie zu halten, um sie nicht ins Spiel kommen zu lassen, wie sie nach dem Spiel sagte, war der Schlüssel zum Erfolg.

Pariser Impressionen von Thomas Ludwig - Montag 

Von einem traumhaften Doppel und beeindruckten Malaysiern

Kleine Unachtsamkeiten bei Dieter Domke
Sehr erfreulich war der Auftritt von Dieter Domke gegen den starken Esten Must. Zwar dauerte es eine Zeit lang, bis er sich auf die Spielweise des Esten eingestellt hatte, hielt dann im ersten Satz nach dem Wechsel blendend mit. Als dann Must im zweiten Satz etwas auf Verteidigung umstellte, war der Weg frei für unsern Dieter. Der Este schaltete im Dritten wieder bedingungslos auf Angriff um und zwischenzeitlich schien es, als ob er frühzeitig sein Pulver verschossen habe. Erst ein paar kleine Unachtsamkeiten von Dieter machten für Raul Must den Weg zum Sieg im dritten Satz frei.
Hopp & Schöttler beeindruckten Malaysier
Auf Court No. One trug ein toller Teamgeist das deutsche Doppel Schöttler & Hopp zum Sieg. Live im französischen Fernsehen, mit den First Grade Linienrichtern und den zusätzlichen elektronischen Augen zur Kontrolle der Aufschlaglinien, gelang es ihnen nicht nur mitzuspielen, sondern beide hatten die Hosen an und dominierten das Spiel in den entscheidenden Momenten. Das gesetzte malaysische Doppel Lee & Choong war sichtlich beeindruckt, als sich das deutsche am Ende in den Armen lag.
Flotte Führung
Ingo Kindervater & Michael Fuchs wollten es offensichtlich ihren Teamkollegen nachmachen und gingen schnell und deutlich gegen die Altmeister Saputra & Wijaya in Führung. Ingo als Spiritus Rector und Michael als Terminator, so ging es flott bis zum 11:4 in der Halbzeit des ersten Satzes. Leider nahm sich Michael mit eine paar Fehlern eine kleine Auszeit in der zweiten Hälfte des ersten Satzes und Ingo seinerseits weint wahrscheinlich noch paar Tage den vergebenen Möglichkeiten im zweiten Satz nach. Alles in allem spielte unser Doppel beherzt mit.
Traumhaft schönes Damendoppel
Sandra war überglücklich über ihren Sieg mit Birgit. Seit sie mit ihrem Studium fertig sei, sagte sie, mache ihr Badminton noch mehr Spaß. Wie viel Spaß, das konnte jeder sehen. Sehr beweglich auf dem ganzen Feld, machten unsere beiden es den abwehrstarken Dänninen im Laufe der Begegnung immer schwerer, ihr Spiel durchzubringen. Sehr schön baute Birgit den Druck auf und Sandra konnte immer wieder erfolgreich nachsetzen. Traumhaft schön gespielt, knapp aber verdient gewonnen.
Karin hielt einen Satz mit
Karin, war einfach nicht gut drauf, zu hektisch ihre Bewegungen, zu verkrampft. Wie sagte Peter Gade, am Vortag der WM auf einer Pressekonferenz: „Bei Weltmeisterschaften, da sind alle noch ein bisschen mehr gefordert als bei einem Turnier der Superseries.“
Nur wie geht Mann/Frau mit dieser höheren Anforderung um? Wie, das sieht der Zuschauer oft schon an der Gesichtsfarbe des Spielers. Schnell liegt der Übermotivierte im Hintertreffen genau zu dem Zeitpunkt, wo er sich vorgenommen hatte zu punkten, Enttäuschung macht sich breit, anstelle der erhofften Zuversicht.
Karin konnte im ersten Satz gut mithalten und ging nach der Pause des ersten Satzes sogar in Führung. Im zweiten Satz kämpfte sie verbissen um den Anschluss, geriet aber sehr schnell mit 3:9 in Rückstand, und ihre gesetzte Gegnerin aus Malaysia hatte leichtes Spiel.

Marc Zwiebler und Juliane Schenk erreichten das Achtelfinale 

Herreneinzel (64er-Feld)
Marc Zwiebler  
   1.Rd.: - Jan Vondra (CZE) 21:14 21:12
   2.Rd.: - Pablo Abian (ESP) 21:13 21:17
   Afin.: - Peter Gade (DEN) 14:21 15:21  
Dieter Domke - Raul Must (EST) 16:21 21:16 18:21
Dameneinzel (48 Starterinnen im 64er-Feld)
Juliane Schenk
   1.Rd.: frei / 2.Rd.: - Lydia Cheah (MAS) 21:16 21:17
   Afin.: - CHENG Shao-Chieh (TPE) 21:19 13:21 19:21  
Karin Schnaase - WONG Mew Choo (MAS) 16:21 14:21 
Herrendoppel (48 Paare im 64er-Feld)
Kristof Hopp & Johannes Schöttler 
   1.Rd.: - CHOONG Tan Fook & LEE Wan Wah (MAS*16) 22:20 17:21 21:18
   2.Rd.: - Yonatan Suryatama DASUKI & Rian Sukmawan (INA) 14:21 23:21 18:21  
Michael Fuchs & Ingo Kindervater - Hendri Kurniawan Saputra & Hendra Wijaya (SIN) 19:21 18:21
Damendoppel (48 Paare im 64er-Feld)
Sandra Marinello & Birgit Overzier
   1.Rd.: - Kruse Line Damkjaer & Mie Schjoett-Kristensen (DEN) 22:20 21:19
   2.Rd.: - Duang Anong Aroonkesorn &  Kunchala Voravichitchaikul (THA*14) 15:21 17:21  
Mixed (48 Paare im 64er-Feld)
Ingo Kindervater & Birgit Overzier - Songphon Anugritayawon & Kunchala Voravichitchaikul (THA) 17:21 20:22
Johannes Schöttler & Sandra Marinello - CHEN Hung Ling & CHOU Chia Chi (TPE)
13:21 14:21. 

Ausstatter der Nationalmannschaften des DBV

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